
Deutschland und fünf weitere EU-Nettozahler fordern Kürzungen am 1,98 Billionen Euro schweren Haushaltsplan
Sechs Nettozahler-Regierungen haben einen gemeinsamen Brief an die irische EU-Ratspräsidentschaft geschickt und fordern Kürzungen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro am vorgeschlagenen Mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034.
Spardiktat der Nettozahler: Hunderte Milliarden Kürzungen gefordert
Die Regierungschefs von sechs EU-Nettozahlerstaaten – Deutschland, Niederlande, Österreich, Dänemark, Finnland und Schweden – haben einen gemeinsamen Brief an den irischen Premierminister Micheál Martin geschickt, in dem sie Kürzungen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro am vorgeschlagenen EU-Haushalt 2028–2034 fordern. Der Brief stellt eine direkte Herausforderung des im Juli 2025 vorgelegten Kommissionsvorschlags dar, der einen langfristigen Haushalt von 1,76 Billionen Euro zu Preisen von 2025 bzw. 1,98 Billionen Euro zu jeweiligen Preisen vorsieht. Die sechs Regierungen erklärten, der Kommissionsplan bedeute einen nominalen Anstieg von rund 60 Prozent im Vergleich zum bestehenden Rahmen von 1,2 Billionen Euro für 2021–2027. Zusammen tragen die sechs Nettozahler fast 40 Prozent der Mitgliedsbeiträge zum EU-Haushalt. Die Regierungschefs warnten in ihrem Brief, dass das Ausmaß der Ausweitung unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht tragbar sei.
Fast jeder EU-Mitgliedstaat unternimmt schmerzhafte Anstrengungen zur Konsolidierung seiner öffentlichen Finanzen. Ohne solide öffentliche Finanzen wird es keine europäische Souveränität geben.
Schwerpunktverlagerung hin zu Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit
Die sechs Nettozahler wollen die EU-Mittel auf gemeinsame Investitionen in Sicherheit und Verteidigung, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und die Bekämpfung irregulärer Migration lenken. Um diese Prioritäten ohne Erhöhung des Gesamtvolumens zu finanzieren, strebt die Koalition Kürzungen bei der Agrar- und Regionalförderung an, die derzeit rund zwei Drittel des EU-Haushalts absorbieren. Die Regierungschefs lehnten zudem eine Aufstockung des Personalbestands in den EU-Institutionen ab, während die Mitgliedstaaten Personal in ihren nationalen Verwaltungen abbauen. Darüber hinaus lehnten die sechs Regierungen die Aufnahme neuer gemeinsamer EU-Schulden als Methode zur Beilegung des Finanzierungsstreits ab, mit der Begründung, dass die EU-Bürger letztlich den Haushalt unabhängig vom Mechanismus finanzieren.
- Europäische Kommission legt Haushaltsentwurf in Höhe von 1,76 Billionen Euro für 2028–2034 vor
- EU-Regierungschefs vereinbaren, eine Haushaltseinigung vor Jahresende anzustreben
- Sechs Nettozahler-Regierungen senden gemeinsamen Brief mit Forderung nach Haushaltskürzungen
- Gipfel des Europäischen Rates debattiert über den überarbeiteten Vorschlag der irischen Ratspräsidentschaft
- Zieltermin für eine einstimmige Einigung aller 27 Mitgliedstaaten
Gegenentwürfe und institutionelle Gräben
Der Vorstoß für Haushaltsdisziplin stößt auf Widerstand anderer Mitgliedstaaten und EU-Vertreter, die einen größeren Haushalt befürworten. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte im Juni, Europa müsse die von der Kommission vorgeschlagene Haushaltserhöhung akzeptieren, um Verteidigung, Technologie und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu finanzieren. Frankreich und Italien haben gemeinsam die Einführung einer neuen Digitalabgabe für große Technologieunternehmen vorgeschlagen, um neue EU-Eigenmittel zu schaffen, ohne die direkten nationalen Beiträge zu erhöhen. Unterdessen unterstützt eine Gruppe von 17 Mitgliedstaaten, darunter Spanien und Italien, die Beibehaltung oder Aufstockung der Mittel für Landwirtschaft und Regionalentwicklung, was die Gesamtausgaben auf über 2 Billionen Euro anheben würde. Der niederländische Premierminister Rob Jetten erklärte bereits im Juni, der Kommissionsvorschlag sei zu hoch, und bekräftigte, dass die Niederlande und ihre Partner ein Ausgabenwachstum in der vorgeschlagenen Höhe nicht befürworten werden.
- Aktueller Haushalt (2021–2027)
- 1.2 Billionen €
- Kommissionsvorschlag (Preise von 2025)
- 1.76 Billionen €
- Kommissionsvorschlag (jeweilige Preise)
- 1.98 Billionen €
Jahresendfrist und bevorstehende Verhandlungen
Irland, das die rotierende Ratspräsidentschaft der Europäischen Union innehat, wird vor dem Gipfeltreffen des Europäischen Rates im Oktober 2026 einen überarbeiteten Haushaltsentwurf vorlegen. Bundeskanzler Friedrich Merz und andere Regierungschefs wollen eine endgültige Einigung vor Ende 2026, um zu vermeiden, dass die Gespräche bis 2027 andauern, wenn in Frankreich, Italien, Spanien und Polen nationale Wahlen stattfinden. Die Verabschiedung des Mehrjährigen Finanzrahmens erfordert Einstimmigkeit aller 27 EU-Mitgliedstaaten. Ein anonymer Diplomat aus der Nettozahler-Koalition erklärte, dass es in diesem Jahr keine Haushaltseinigung geben werde, wenn das Gesamtvolumen nicht um mehrere hundert Milliarden Euro reduziert werde. Der Oktober-Gipfel wird die erste Plattform für die Staats- und Regierungschefs sein, um zu bewerten, ob die überarbeiteten Zahlen der irischen Ratspräsidentschaft die Kluft überbrücken können.


