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Regierung·vor 3 Std.

Kaczyński neun Stunden lang in Warschauer ‚Zwei Türme‘-Ermittlung vernommen – nennt Staatsanwalt ‚rechtswidrig‘

Jarosław Kaczyński verbrachte am Mittwoch neun Stunden in einer Warschauer Staatsanwaltschaft, nannte den ermittelnden Staatsanwalt ‚rechtswidrig‘, kooperierte dann aber vollumfänglich in einer langjährigen Untersuchung zu einem gescheiterten Immobilienprojekt.

Die Anhörung

Jarosław Kaczyński, Vorsitzender der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), wurde am Mittwoch rund neun Stunden lang als Zeuge in der Warschauer Regionalstaatsanwaltschaft vernommen. Die Sitzung begann um 10:00 Uhr und endete gegen 19:00 Uhr. Die Ermittlungen betreffen das sogenannte ‚Zwei Türme‘-Projekt, einen gescheiterten Plan, auf einem Grundstück der PiS-nahen Firma Srebrna in Warschau zwei Hochhäuser zu errichten.

Staatsanwaltssprecher Piotr Antoni Skiba beschrieb die Atmosphäre als ‚gut‘, räumte jedoch ‚einige Reibungen ein, wie in einem guten Gerichtsdrama, die keinen großen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Anhörung hatten.‘ Der Zeuge beantwortete alle Fragen und machte nie von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Das endgültige Protokoll umfasst 40 Seiten.

Der Zeuge gab eine Erklärung ab, dass er den vernehmenden Staatsanwalt für ‚eine rechtswidrige Person‘ hält, obwohl er der Anhörung zustimmt, da dieses Protokoll Beweismittel im weiteren Kampf für die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit sein wird.

Der Fall ‚Zwei Türme‘

Die Ermittlungen wurden im Februar letzten Jahres von der Warschauer Regionalstaatsanwaltschaft eingeleitet. Sie konzentrieren sich auf Vorwürfe, der österreichische Geschäftsmann Gerald Birgfellner sei zu einer nachteiligen Verfügung über hochwertige Vermögenswerte verleitet worden. Birgfellner wurde 2016 von Kaczyński beauftragt, das Srebrna-Projekt umzusetzen. Der Bau wurde 2018 aufgegeben, und als Birgfellner die Zahlung der von ihm auf 1,3 Millionen Euro geschätzten Kosten verlangte, lehnte Kaczyński ab.

Eine frühere Beschwerde von Birgfellners Anwälten wurde 2019 abgewiesen, als Zbigniew Ziobro Justizminister und Generalstaatsanwalt war. Der Fall wurde unter der derzeitigen Regierung wieder aufgenommen.

Die Reaktionen der Anwälte

Jacek Dubois, der Birgfellner vertritt, sagte Reportern, er glaube den meisten Aussagen des Zeugen nicht. ‚Ich hoffe, der Staatsanwalt kommt zu denselben Schlussfolgerungen, und es endet mit einer Anklageerhebung‘, sagte er. Dubois beschrieb Kaczyńskis Antworten als nicht ausführlich und behauptete, er habe versucht, das Gespräch auf andere Themen zu lenken.

Wir haben, wie ich gezählt habe, siebeneinhalb Jahre gewartet. Heute konnten wir acht Stunden lang mit Herrn Jarosław Kaczyński sprechen.

Dubois zeigte sich zufrieden, dass die Anhörung überhaupt stattfand, und bezeichnete sie als Ende einer ‚siebeneinhalbjährigen Flucht vor der Staatsanwaltschaft.‘ Er sagte voraus, dass der Fall nun in eine Phase der materiellen Entscheidung und möglicherweise zu einer formellen Anklage übergehen werde.

Giertych geht vorzeitig

Der Mitverteidiger Roman Giertych verließ die Anhörung nach etwa vier Stunden. Staatsanwalt Skiba deutete an, dies sei auf ‚Unzufriedenheit mit der Streichung von Fragen durch den ermittelnden Staatsanwalt zurückzuführen, die entweder bereits behandelt oder unzulässig waren.‘ Giertych beklagte sich später in den sozialen Medien, dass der Staatsanwalt etwa 80 Prozent seiner Fragen gestrichen habe, und kündigte an, einen Antrag auf ihre Entfernung aus dem Fall und eine erneute Anhörung für Kaczyński zu stellen.

Zu Beginn der Sitzung beantragten Kaczyński und seine beiden Verteidiger, Giertych von dem Verfahren auszuschließen. Der vorsitzende Staatsanwalt lehnte den Antrag ab.

Was als Nächstes kommt

Staatsanwalt Skiba erklärte, dass derzeit keine weiteren Verfahrensschritte in dem Fall geplant seien. Er warnte davor, dass es zu früh sei, um zu sagen, ob der Zeuge angeklagt werde. Dubois hingegen sagte, er sei ‚zutiefst davon überzeugt, dass das Ergebnis dieser Anhörung ein Übergang zur Anklagephase sein wird.‘

Schlüsselmomente im Fall ‚Zwei Türme‘
  1. Jarosław Kaczyński beauftragt den österreichischen Geschäftsmann Gerald Birgfellner mit dem Bau zweier Hochhäuser für Srebrna in Warschau.
  2. Das Bauprojekt wird aufgegeben. Birgfellner verlangt 1,3 Millionen Euro an Kosten; Kaczyński lehnt ab.
  3. Birgfellners Anwälte reichen eine Strafanzeige ein. Die Warschauer Staatsanwaltschaft unter Zbigniew Ziobro lehnt die Einleitung von Ermittlungen ab.
  4. Die Warschauer Regionalstaatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen wegen mutmaßlichen Betrugs wieder auf.
  5. Kaczyński erscheint nicht zu einer geplanten Zeugenvernehmung.
  6. Kaczyński wird neun Stunden lang vernommen. Er nennt den Staatsanwalt ‚rechtswidrig‘, beantwortet aber alle Fragen.
Warschau

8 Quellen

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