Staatsanwaltschaft Warschau stellt Ermittlungen zu ‚Zwei Türmen‘ ein; Jarosław Kaczyński als Zeuge vernommen, keine Straftat festgestellt
Die Warschauer Bezirksstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen im sogenannten Fall ‚Zwei Türme‘ eingestellt, da keine Anhaltspunkte für eine Straftat gefunden wurden. Die am 25. Juni 2026 getroffene Entscheidung betrifft Vorwürfe, der österreichische Geschäftsmann Gerald Birgfellner sei von Personen, die für die mit der PiS verbundene Firma Srebrna handelten, um mindestens 1,3 Millionen Euro betrogen worden.
Die Einstellungsentscheidung
Staatsanwältin Małgorzata Szeroczyńska, die den Fall im August 2025 übernommen hatte, kam zu dem Schluss, dass keines der erforderlichen rechtlichen Elemente des Betrugs nach Artikel 286 des Strafgesetzbuches nachgewiesen worden sei. Die 63-seitige Entscheidung wurde vom Sprecher Piotr Skiba als „sehr gut begründet“ bezeichnet, Details werden jedoch erst nach Vorliegen einer deutschen Übersetzung bekannt gegeben, die für die zweite Julihälfte 2026 erwartet wird.
Aufgrund des Umfangs der Einstellungsverfügung, die 63 Seiten umfasst, hat der Sachbearbeiter entschieden, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht näher über die Einzelheiten der Entscheidung informieren werden.
Hintergrund des Falles
Der Fall wurde erstmals 2019 bekannt, als Birgfellner, vertreten durch die Anwälte Roman Giertych und Jacek Dubois, behauptete, er sei dazu veranlasst worden, erhebliche Kosten zu tragen, während er ein Doppelturmprojekt auf einem Warschauer Grundstück der Firma Srebrna vorbereitete. Im Jahr 2020 weigerten sich die Staatsanwälte zunächst, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, und ein Gericht bestätigte diese Entscheidung. Nach dem Regierungswechsel leitete die Warschauer Bezirksstaatsanwaltschaft die Ermittlungen jedoch am 10. Februar 2025 unter der Leitung von Staatsanwältin Ewa Wrzosek förmlich ein.
Schlüsselfiguren und der Tod von Barbara Skrzypek
Eine der ersten Zeuginnen war Barbara Skrzypek, eine langjährige Vertraute des PiS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński. Sie wurde am 12. März 2025 fünf Stunden lang ohne ihren Anwalt vernommen und starb drei Tage später, am 15. März 2025. Die Ermittlungen zu ihrem Tod wurden später eingestellt, obwohl die Episode heftige politische Reaktionen auslöste.
Der Fall ‚Zwei Türme‘ wurde eingestellt... Aber nichts wird das Leben der verstorbenen Barbara Skrzypek zurückbringen, die nach der Vernehmung durch Ewa Wrzosek einen Herzinfarkt erlitt.
Kaczyński selbst wurde am 10. Juni 2026 als Zeuge vernommen – ein Schritt, den Rechtskommentatoren als klares Signal werteten, dass die Staatsanwältin den Fall abschließen wollte. Insgesamt wurden während der Ermittlungen 38 Zeugen gehört.
Reaktionen und Spannungen innerhalb der Staatsanwaltschaft
Die Einstellung löste scharfe politische Kommentare aus. PiS-Vertreter bezeichneten den Fall als politisches Spektakel, während Birgfellners Anwaltsteam Berufung ankündigte. Anwalt Bartosz Lewandowski argumentierte, dass der Ausgang von Anfang an absehbar gewesen sei.
Für jeden Anwalt, der Strafrecht kennt und mit solchen Fällen befasst ist, deutete der Fall eher von Anfang an darauf hin, dass er eingestellt werden würde.
Im Nachgang wiesen einige Beobachter auf einen anhaltenden Konflikt zwischen dem Nationalstaatsanwalt Dariusz Korneluk und dem Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek hin und sahen den Fall als eine Front in einem breiteren Machtkampf innerhalb der Staatsanwaltschaft.
Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse
- Fall erstmals in den Medien berichtet
- Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungseröffnung ab; Gericht bestätigt
- Ermittlungen von Warschauer Staatsanwaltschaft förmlich eingeleitet
- Barbara Skrzypek als Zeugin vernommen
- Barbara Skrzypek stirbt
- Staatsanwältin Ewa Wrzosek verlässt Fall; Szeroczyńska übernimmt
- Jarosław Kaczyński als Zeuge vernommen
- Einstellungsentscheidung erlassen
- Öffentliche Bekanntgabe; vollständige Begründung wird nach deutscher Übersetzung veröffentlicht


