
Die Linke gewinnt Berlin-Wahl und erneuert Vorstoß zur Enteignung von 220.000 Wohnungen
Die Linke erzielte 25,7 % der Stimmen bei der Berliner Landtagswahl und stellt die Kommunalisierung von Konzernwohnungen in den Mittelpunkt der Koalitionsgespräche, trotz Widerstands von Bundesführung und Konzernvermietern.
Wahlausgang und Wohnungsplattform
Die Linke ging als stärkste Partei aus der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hervor und erzielte 25,7 % der Stimmen vor der Christlich Demokratischen Union mit 18,8 % und der Alternative für Deutschland mit 16,3 %. Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigte Pläne an, eine Koalition mit den Grünen und der Sozialdemokratischen Partei anzustreben und machte die Vergesellschaftung großer Konzernwohnungsportfolios zur Bedingung für Verhandlungen. Die Politik zielt darauf ab, das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ von 2021 umzusetzen, bei dem 59,1 % der Wähler dafür stimmten, Konzernwohnungsportfolios mit mehr als 3.000 Einheiten in öffentliches Eigentum zu überführen. Nach dem vorgeschlagenen Modell würde Berlin eine öffentlich-rechtliche Anstalt gründen, die Kredite aufnimmt, schätzungsweise 220.000 bis 240.000 Wohnungen erwirbt und die Mieten verwaltet.
- Die Linke
- 25.7 %
- CDU
- 18.8 %
- AfD
- 16.3 %
Widerstand aus dem Bund und verfassungsrechtliche Hürden
Bundesvertreter von CDU und CSU reagierten mit der Forderung nach einem Bundesgesetz, das den Ländern die Vergesellschaftung privater Wohnungsportfolios verbietet. Im Juli einigte sich die Bundeskoalitionsspitze von Union und SPD darauf, einen Gesetzesentwurf auszuarbeiten, der landesrechtliche Vergesellschaftungsregelungen untersagt. CSU-Generalsekretär Martin Huber bezeichnete die Initiative als sozialistischen Selbstmordauftrag, der privates Kapital abschrecken würde. Linken-Parteichef Luigi Pantisano argumentierte, die Bundesregierung werde die Berliner Wähler nicht überstimmen können, und rief die SPD auf, sich dem Bundesverbot zu widersetzen. Pantisano wies darauf hin, dass die öffentliche Hand nach Artikel 14 des Grundgesetzes routinemäßig Privateigentum für den Bau von Bundesautobahnen enteignet.
Es geht vor allem darum, ein klares Signal an internationale Investoren zu senden, nämlich: Es gibt keine Enteignung von Privateigentum in Deutschland.
Öffentliche Meinung und rechtliche Einschätzungen
Die öffentliche Unterstützung für Wohnungsenteignungen hat sich seit dem Volksentscheid 2021 verschoben. Eine Nachwahlumfrage von Infratest Dimap ergab, dass 51 % der Berliner Wähler jetzt eine Enteignung privater Vermieter mit Entschädigung ablehnen, während 37 % weiterhin dafür sind – dies entspricht den Ergebnissen von Anfang September. Der Verfassungsrechtler Ulrich Battis erklärte, die Enteignungsinitiative werde vor Gericht voraussichtlich aus Verhältnismäßigkeitsgründen nach Artikel 15 des Grundgesetzes scheitern, einer Bestimmung, die in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch nie angewandt wurde. Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach und die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, äußerten ebenfalls Vorbehalte, während die Berliner Grünen die Initiative weiterhin unterstützen.
- Ablehnung
- 51 %
- Zustimmung
- 37 %
Marktreaktion und Unternehmensreaktion
Das Wahlergebnis setzte Immobilienaktien an den deutschen Börsen unter Druck. Die Aktien von Vonovia fielen am Dienstag auf 17,06 Euro, den niedrigsten Stand seit Sommer 2023, und der Kursverlust seit Jahresbeginn beträgt über 30 %. Zusammen mit ihrer Tochter Deutsche Wohnen hält Vonovia mehr als 130.000 Wohnungen in Berlin, mit einer durchschnittlichen Bestandsmiete von 8,26 Euro pro Quadratmeter und Neuvermietungen zu 10,80 Euro. Die Ratingagentur Scope gab an, dass Berlins AAA-Rating zwar durch das Wirtschaftswachstum gestützt bleibe, die Kreditwürdigkeit von Vermietern wie Vonovia, LEG Immobilien, Grand City Properties und Heimstaden jedoch je nach Entschädigungsstruktur herabgestuft werden könnte. Vonovia-CEO Luka Mucic verwies auf den Bau von rund 6.000 Wohnungen seit 2013, weitere 1.000 seien im Bau, und argumentierte, dass Enteignungen das Wohnungsangebot nicht vergrößern würden.
Vergesellschaftung schafft keine einzige neue Wohnung.


