Regierung · Berlin
Pistorius schließt sich mehr als 700 SPD-Mitgliedern an, die eine Berliner Koalition mit der Linken ablehnen
Verteidigungsminister Boris Pistorius will einen offenen Brief mitunterzeichnen, den mehr als 700 SPD-Mitglieder gegen eine Koalition mit der Berliner Linken unterstützen – just zu dem Zeitpunkt, an dem am Montag, 2. November, die Gespräche beginnen.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von Spiegel Online, Deutsche Welle, Der Tagesspiegel und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).
Kurz gefasst
WELT zählte am Sonntagmorgen 489 Parteimitglieder, Focus 493, während DW und Spiegel am Sonntagabend, 1. November, von mehr als 700 Unterzeichnern berichteten.
Verteidigungsminister Boris Pistorius, laut Spiegel der in Umfragen beliebteste SPD-Bundespolitiker, kündigte an, den Brief zu unterzeichnen, und drängte die SPD, den Weg mit der Berliner Linken nicht fortzusetzen.
Ferat Koçak bleibt nach öffentlich gewordenen Chats mit einem verurteilten Sohn eines Clan-Chefs in der Bundestagsfraktion der Linken; der Brief führt zudem Clan-Mitglieder auf der Wahlparty der Linken an.
Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken, wird als Regierende Bürgermeisterin abgelehnt – wegen ihrer gegenüber Spiegel geäußerten Angst vor islamistischen Strukturen in Berlin.
SPD, Grüne und Linke nehmen am Montag, 2. November, Koalitionsgespräche auf und wollen nach der Zustimmung des Linken-Parteitags noch in diesem Jahr eine neue Berliner Regierung bilden.
- Samstag, 31. Oktober 2026Eralp weist auf dem Parteitag der Linken Zweifel an ihrer Eignung zurück
- Sonntagmorgen, 1. November 2026WELT zählt 489 Unterzeichner auf der Website der Initiative, Focus zählt 493
- Sonntagabend, 1. November 2026Mehr als 700 Unterzeichner nach Angaben von DW und Spiegel
- Montag, 2. November 2026SPD, Grüne und Linke beginnen in Berlin die Koalitionsgespräche
Der offene Brief und seine Unterzeichner
Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach und Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey haben „Nicht um jeden Preis“ unterzeichnet – einen offenen Brief, der die Regierungsfähigkeit der Berliner Linken infrage stellt. Die Zahl der Unterzeichner stieg im Laufe des Sonntags. Am frühen Morgen zählte WELT 489 Parteimitglieder auf der Website der Initiative, Focus zählte 493, während DW und Spiegel am Sonntagabend von mehr als 700 berichteten. N-tv nannte die Zahl von rund 300 – eine Angabe, die die anderen Medien nicht bestätigten. Auf der Liste stehen zudem die früheren Bundesministerinnen Christine Lambrecht und Ulla Schmidt, laut WELT zehn Bundestagsabgeordnete sowie Brandenburger Sozialdemokraten wie der frühere Wirtschaftsminister Albrecht Gerber. Die Unterzeichner betonen, das Berliner Wahlergebnis zu respektieren, bezweifeln aber ernsthaft, dass der Landesverband der Linken eine Regierung führen kann.
Pistorius bricht mit der Parteilinie
Verteidigungsminister Boris Pistorius, den Spiegel als den in Umfragen beliebtesten SPD-Bundespolitiker beschreibt, will den Brief ebenfalls unterzeichnen. In der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ sagte er, er werde Gespräche auf mehreren Ebenen führen, auch mit Parteikollegen in der Hauptstadt.
„Wir werden selbstverständlich mit allen auf allen Ebenen sprechen, aber nicht vor laufenden Kameras.“
Über eine mögliche Koalition entscheidet der SPD-Landesverband Berlin, doch Pistorius spricht sich persönlich dagegen aus, den Weg mit der Linken fortzusetzen. Er warnte, die SPD würde Vertrauen verlieren, wenn sie auf ihrem derzeitigen Kurs bleibe, und nannte die Berliner Linke in zentralen Fragen unklar und diffus. Pistorius sagte zudem, die Partei vertrete beim Antisemitismus unterschiedliche Positionen, und kritisierte das Verhältnis der Linken zu Sicherheitsbehörden und kriminellen Clans.
Antisemitismus und Clan-Vorwürfe
Der Brief führt eine Reihe antisemitischer Vorfälle an und erklärt, die Berliner Linke habe sich nicht ausreichend von antiisraelischen und antisemitischen Ansichten distanziert. Namentlich genannt wird Ferat Koçak, Linken-Bundestagsabgeordneter aus Berlin-Neukölln, dessen Chats mit einem verurteilten Sohn eines Clan-Chefs öffentlich wurden. In diesen Chats bat Koçak darum, eine seiner Bundestagsreden über die Social-Media-Kanäle des Clan-Mitglieds zu verbreiten. Die Autoren führen außerdem an, Clan-Mitglieder hätten die Wahlparty der Linken besucht, und argumentieren, solche Kontakte untergräben das staatliche Gewaltmonopol und seien mit den sicherheitspolitischen Zielen der SPD unvereinbar. Die Linken-Führung distanzierte sich von dem Vorfall, doch Koçak behielt sein Bundestagsmandat und bleibt in der Bundestagsfraktion seiner Partei. In Sachen Antisemitismus beharrt der Brief darauf, dass jeder Koalitionspartner ihn ablehnen müsse – auch wenn er sich als Israelkritik tarne.
Eralp und die bevorstehenden Gespräche
Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken, könnte die erste Regierende Bürgermeisterin Berlins aus ihrer Partei werden. Der Brief lehnt sie für dieses Amt ab und argumentiert, angesichts des besonderen Status des Amtes sei eine Regierende Bürgermeisterin nicht akzeptabel, die aus ihrer Angst vor islamistischen Strukturen in der Stadt Konsequenzen ziehe. Sie hatte gegenüber Spiegel eingeräumt, sich angesichts solcher Strukturen nicht mehr sicher zu fühlen. Spiegel berichtete zudem über interne Notizen, in denen Eralp schrieb, sie und ihr Mann fürchteten sich vor den betreffenden Personen. Auf dem Parteitag der Linken am Samstag, 31. Oktober, entgegnete sie den Zweifeln an ihrer Eignung.
„Ich werde nicht aufgeben.“
Die Koalitionsgespräche zwischen SPD, Grünen und Linken sollen am Montag, 2. November, beginnen; die drei Parteien wollen noch vor Jahresende eine neue Regierung für die Hauptstadt. Die Linke erreichte bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September 25,7 Prozent, die SPD 12,1 Prozent.
- Die Linke
- 25.7 %
- SPD
- 12.1 %
Daten aus dem Artikeltext
Der Brief verweist außerdem auf die Landtagswahlen 2027 in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und im Saarland und befürchtet dort Folgen für die SPD. Er lobt die Koalition in Mecklenburg-Vorpommern und stellt fest, dass eine Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen in Berlin rechnerisch eine Mehrheit hätte.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- Spiegel OnlineBoris Pistorius und die Linke: Rot-Grün-Rot in Berlin? Der beliebteste SPD-Minister ist dagegen
- Deutsche WelleHunderte SPD-Mitglieder sprechen sich gegen Koalition mit der Linken in Berlin ausСотни членов СДПГ выступили против коалиции с левыми в Берлине · Original auf Russisch
- Der Tagesspiegel"Nicht um jeden Preis": Auch Brandenburger Sozialdemokraten warnen vor Berliner Linksbündnis
- N-tv"Nicht um jeden Preis": Lauterbach und Gabriel stemmen sich gegen Berliner Linksbündnis
- Boris Pistorius
- Deutscher Verteidigungsminister und SPD-Politiker, der ankündigte, den offenen Brief zu unterzeichnen
- Sigmar Gabriel
- Früherer SPD-Vorsitzender und Unterzeichner des offenen Briefes
- Karl Lauterbach
- Früherer Bundesgesundheitsminister und Unterzeichner des offenen Briefes
- Franziska Giffey
- Berliner Wirtschaftssenatorin und SPD-Politikerin, die den offenen Brief unterzeichnete
- Elif Eralp
- Spitzenkandidatin der Linken, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden könnte
- Ferat Koçak
- Linken-Bundestagsabgeordneter aus Berlin-Neukölln, der wegen Chats mit einer Person aus dem Clan-Milieu kritisiert wird
- Orte
- Berlin
Pollar ist kostenlos und ohne Werbung im Text. Getragen wird es von seinen Mitgliedern.
Pollar unterstützen