Abend-Brief, Dienstag, 27. Oktober

Von KI erstellter Text und synthetische Stimme. Wie dieser Text entsteht

Eine Ausgabe aus dem Archiv. Neueste Ausgabe

Abendausgabe

Satellitenbild: NASA

1Wahlen

Israel stellt Beteiligungsrekord bei Netanjahu-Wahl auf

Neu

Die Israelis gaben ihre Stimmen so zügig ab wie seit fünf Jahrzehnten nicht mehr. Die Zentrale Wahlkommission bezifferte die Beteiligung um 14.00 Uhr auf 44,9 % und um 16.00 Uhr auf 55,7 %. Din Livneh, der amtierende Generaldirektor der Kommission, sagte, der zweite Wert sei der höchste seit Beginn der Aufzeichnungen 1973, ein deutlicher Anstieg gegenüber 47,5 % zur gleichen Stunde bei der vorherigen Wahl.

Wahlbeteiligung in Israel am Nachmittag% der Wahlberechtigten
  • 14:00 aktuelle Wahl44,9
  • 16:00 aktuelle Wahl55,7
  • 16:00 vorige Wahl47,5

Der Andrang hat Verfahrensfragen politisch gemacht. Lange Warteschlangen veranlassten die Kommission, den Vorsitzenden der Wahllokale mitzuteilen, dass Wähler mit abgelaufenen Ausweisdokumenten trotzdem ihre Stimme abgeben dürfen, wenn sie anhand des Fotos zu erkennen sind. Die Kommission erklärte außerdem, die Wahllokale könnten auch nach 22.00 Uhr geöffnet bleiben, wo noch Wähler anstehen. Die Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beantragte eine Verlängerung der Stimmabgabe, während Gadi Eisenkots Yashar-Partei den Antrag ablehnte und ihn als Vorwand für spätere Anfechtungen der Legitimität der Abstimmung bezeichnete.

Die Wahl ist auch ein Urteil über Benjamin Netanjahus Regierungsführung seit dem von der Hamas angeführten Angriff vom 7. Oktober 2023 und den darauffolgenden Kriegen. Mehr als 7,3 Millionen Israelis waren aufgerufen, zwischen 37 Parteilisten zu wählen, wobei nur Parteien mit mehr als 3,25 % in die Knesset mit ihren 120 Sitzen einziehen. Umfragen sahen Netanjahus Block und Eisenkots Wechselblock nahezu gleichauf; keinem der beiden wurde zugetraut, 61 Sitze zu erreichen. Ein Beobachter brachte unverblümt auf den Punkt, worum es geht.

„Wir haben eine korrupte Regierung, die alles tun wird, um an der Macht zu bleiben.“

Eyal Sher

Als Nächstes: Die Wahllokale sollen um 22:00 schließen, sofern Schlangen keine Verlängerung erzwingen.

Nach Berichten von: Notícias ao Minuto, ANSA.it, AP NEWS, H Kαθημερινή, Η Ναυτεμπορική, BBC

2Wahlen

Brasiliens Justiz prüft Bolsonaros Kampagne schärfer

Fortsetzung von heute Morgen. Neu: Richter Flávio Dino ordnete neue Ermittlungen zu möglichen Auslandsgeldern für Flávio Bolsonaros Kampagne an.

Richter Flávio Dino ordnete neue Ermittlungen zu möglichen ausländischen Geldern für Flávio Bolsonaros Wahlkampf an, wenige Tage, nachdem Luiz Inácio Lula da Silva die Stichwahl mit 51,79 % der Stimmen gewonnen hatte. In den Ermittlungen wird das konservative US-Netzwerk Rockbridge Network genannt, und es geht um die Frage, ob zwei brasilianische Geschäftsleute mit ihm über Seltene Erden und andere kritische Mineralien gesprochen haben. Außerdem ordnete er Prüfungen wegen mutmaßlicher Einmischung von außen an, darunter gezielte Asymmetrien und algorithmische Manipulation durch Internetunternehmen.

Flávio Bolsonaro hat bereits davon Abstand genommen, das Ergebnis anzufechten. Zunächst sagte er, er werde die Annullierung der Abstimmung beantragen, nachdem der Oberste Gerichtshof die Stimmabgabe um zwei Stunden verlängert hatte, dann sagte er, er werde stattdessen Gerichte ersuchen, Lulas Kandidatur wegen mutmaßlichen Missbrauchs wirtschaftlicher und politischer Macht für ungültig zu erklären. Die von Valdemar Costa Neto geführte Liberale Partei erkannte das bekanntgegebene Ergebnis am Montag an, bat jedoch darum, ihre Einwände in einer demokratischen Debatte zu klären.

Der juristische Druck auf Flávio Bolsonaro kommt nun auch von anderer Seite. Er sagte, die Bundespolizei sei an ihn herangetreten, nachdem er seinen Vater, Jair Bolsonaro, besucht habe, und habe ihn aufgefordert, seine Pässe auf Grundlage einer Anordnung auszuhändigen, die mit Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen den Anwalt Willer Tomaz und mit Kapitalflüssen mit Bezug zum Wettsektor zusammenhängt. Die Anordnung untersagt außerdem den Kontakt zu Willer Tomaz, erklärt Flávio Bolsonaros brasilianische Pässe, einschließlich seines Diplomatenpasses, für ungültig und verlangt die Abgabe aller weiteren Pässe, einschließlich eines italienischen, binnen 24 Stunden. Flávio Bolsonaro bestritt, gesagt zu haben, er werde Brasilien verlassen, falls er verliere, und sagte, er werde die Opposition gegen Lulas Regierung organisieren.

Als Nächstes: Flávio Bolsonaro muss alle weiteren Pässe binnen 24 Stunden nach dem Beschluss abgeben.

Nach Berichten von: ABC TU DIARIO EN ESPAÑOL, Der Tagesspiegel, JN, AP NEWS, Adnkronos, ANSA.it

3Konflikte

Oleschky-Waffenruhe öffnet Hilfsroute durch Cherson

Fortsetzung von heute Morgen. Neu: Beide Seiten meldeten bis zum späten Nachmittag keine Verstöße, und die Zone wurde für Hilfskonvois erweitert.

Russland und die Ukraine setzten in den frühen Morgenstunden des 27. Oktober eine örtliche Waffenruhe rund um Oleschky in Kraft und eröffneten damit ein schmales Zeitfenster für eine humanitäre Mission in der besetzten Stadt am linken Ufer des Dnipro. Die Ukraine erklärte, ihre Feuerpause habe um 3.00 Uhr Kiewer Zeit begonnen, und Russlands Verteidigungsministerium teilte mit, es habe den Beschuss im Abschnitt Cherson ab 4.00 Uhr Moskauer Zeit eingestellt. Der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinez sagte, bis 17.30 Uhr hielten sich beide Seiten an die Bedingungen, und Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, es seien keine Verstöße gemeldet worden.

Melania Trump soll die Vereinbarung vermittelt haben, und sie sagte, die Waffenruhe sei um zwei Tage vorgezogen worden. Das Weiße Haus hatte zuvor den 29. Oktober als Beginn genannt. In ihrer Ankündigung wurde die Zone zudem über Oleschky hinaus auf weitere Teile der Region Cherson ausgeweitet, damit Konvois im Laufe dieser Woche sicher durchkommen können, bevor im nächsten Monat eine neue Runde von den USA vermittelter Gespräche zwischen Russland und der Ukraine erwartet wird.

Oleschky ist seit Monaten abgeschnitten. Die UN-Menschenrechtsbeobachtermission in der Ukraine erklärte, seit dem 26. Mai hätten keine Lebensmittellieferungen die Stadt erreicht. Oleksandr Prokudin, Leiter der Militärverwaltung der Region Cherson, sagte, etwa 2.000 Menschen säßen ohne Nahrung, Strom oder Wasser fest, fast 50 von ihnen Kinder. Die UN-Mission bezifferte die verbliebene Bevölkerung auf etwa 1.700 Menschen, darunter 35 Kinder. Russland erklärte, jeder, der gehen wolle, dürfe dies tun, und die Ukraine sagte, das ausgewiesene Gebiet sei für eine humanitäre Operation vorgesehen.

Als Nächstes: Die Waffenruhe läuft bis 22:59 am 1. November.

Nach Berichten von: europa press, Adnkronos, ANSA.it, AP NEWS, Aktuálně.cz - Víte, co se právě děje, Rzeczpospolita

4Wirtschaft

Anthropic wählt Goldman für Rekord-KI-Börsengang

Fortsetzung von heute Morgen. Neu: Anthropic benannte Goldman Sachs und Morgan Stanley als führende Konsortialbanken für den Börsengang.

Anthropic hat Goldman Sachs und Morgan Stanley zu federführenden Konsortialbanken für seine Börsennotierung in den USA ernannt und damit den beiden alten Rivalen an der Wall Street im Silicon-Valley-Geschäft den Ehrenplatz bei dem Vorhaben eingeräumt, das zu einem Rekord-Börsengang im Bereich künstlicher Intelligenz werden könnte. Goldman steht im Prospekt ganz links, an der Stelle, die das Institut als Lead-Left-Bank ausweist, während Morgan Stanley am ersten Handelstag als Stabilisierungsmanager auftreten wird.

Das geplante Volumen ist selbst nach KI-Maßstäben schwindelerregend. Axios berichtet, die Emission könnte 100 Milliarden Dollar einbringen sollen, und Berichte unter Berufung auf das Wall Street Journal beziffern Anthropics Bewertung auf 1,5 Billionen bis 2 Billionen Dollar. Die Börsenunterlagen sehen fünf Klassen von Stammaktien vor, darunter Aktien der Klasse F für die sieben Mitgründer, unter ihnen Dario Amodei und Daniela Amodei, auf die 50,1 Prozent der Aktionärsstimmen entfallen, aber keine Dividenden- oder Gewinnrechte. Ein unabhängiger Long-Term Benefit Trust wird den Großteil des Verwaltungsrats ernennen.

Anthropic: Umsatzsprung im ersten HalbjahrMrd. $
  • Früheres erstes Halbjahr1,2
  • Erstes Halbjahr 202616,3

Der Prospekt mutet Anlegern auch ungewöhnliche Risiken zu. Er weist auf die Möglichkeit hin, dass KI-Systeme sich einer Abschaltung widersetzen, Informationen verbergen oder in unbeabsichtigter, fehlgeleiteter oder autonomer Weise handeln könnten. Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg von 1,2 Milliarden auf 16,3 Milliarden Dollar, während die Verluste 80,7 Milliarden Dollar erreichten, vor allem weil der Wert von Wandelanleihen stieg. Die Veröffentlichung der Unterlagen trieb asiatische Technologiewerte nach oben, doch Anthony Saglimbene von Ameriprise sagte, Anleger wollten weiterhin Belege dafür, dass die Nachfrage über Kreislaufgeschäfte bei Infrastruktur hinausgeht.

„Anleger brauchen die Zuversicht, dass aggressive Investitionsausgaben dauerhafte Geschäftsbedürfnisse widerspiegeln und dass die Profitabilität Bestand hat, wenn neue Infrastruktur in Betrieb geht.“

Anthony Saglimbene

Als Nächstes: Formelles IPO-Marketing könnte in der Woche vom 9. November beginnen.

Nach Berichten von: The New York Times, Axios, The Irish Times, Bloomberg Business, il Giornale.it, Telegraaf

5Migration

EU gibt Frontex zentrale Abschieberolle

Neu

Die Europäische Kommission hat eine umfassende Reform von Frontex vorgeschlagen, die die Grenzschutzagentur zur zentralen Abschiebestelle der EU machen würde. Ein neues Koordinierungszentrum würde es den Mitgliedstaaten ermöglichen, Organisation und Finanzierung von Rückführungsflügen zu übertragen, und Frontex könnte größere Teile des Rückführungsverfahrens von Anfang bis Ende steuern. Der Plan folgt auf die Ceuta-Krise Ende Juli, als schätzungsweise 80.000 Menschen binnen kürzester Zeit aus Marokko in die spanische Exklave gelangten.

Der Vorschlag reicht auch über die Grenzen der Union hinaus. Frontex könnte Abschiebungen zwischen Nicht-EU-Staaten durchführen, wenn das Land, in dem sich die betreffende Person befindet, ein Abkommen mit Brüssel geschlossen hat. Diese Bestimmung könnte geplante Rückführungszentren außerhalb der EU absichern, in denen Menschen, die noch nicht in ihre Herkunftsländer gebracht werden können, warten würden, bis Verhandlungen eine Abschiebung möglich machen. Sie passt auch zur allgemeinen Praxis der EU, Länder wie Libyen und Ägypten dafür zu bezahlen, Migranten aufzuhalten, bevor sie Europa erreichen.

Frontex-PersonalplanPersonal
  • Bisheriger Reserveplan10.000
  • Vorgeschlagene ständige Reserve30.000
  • Dauerpersonal jetzt3.000
  • Dauerpersonal vorgeschlagen6.000

Der Personalplan ist der harte Kern der Reform. Die ständige Reserve würde in den kommenden Jahren auf 30.000 anwachsen; in einem früheren Plan waren für das nächste Jahr 10.000 vorgesehen. Das Stammpersonal von Frontex würde sich von 3.000 auf 6.000 verdoppeln, und eine neue europäische Grenz- und Rückführungstruppe würde weitere 17.000 von den Mitgliedstaaten gestellte Kräfte umfassen. Die Agentur würde außerdem öffentliche Beiträge in sozialen Medien überwachen und den Status eines vertrauenswürdigen Hinweisgebers nach dem Gesetz über digitale Dienste anstreben, wodurch Plattformen verpflichtet wären, die Meldungen der Agentur über illegale Inhalte vorrangig zu bearbeiten.

Nach Berichten von: RTE.ie, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, POLITICO, DIE WELT

6Gesundheit & Bildung

Ebola-Ausbruch überschreitet 10.000 Fälle im Kongo

Neu

Die Gesundheitsbehörden in der Demokratischen Republik Kongo meldeten am 27. Oktober 10.060 Ebola-Fälle und 4.887 Todesfälle seit Bekanntwerden des Ausbruchs Mitte Mai. Africa CDC nennt ihn den sich am schnellsten ausbreitenden Ebola-Ausbruch seit Beginn der Aufzeichnungen. Reuters stuft ihn unter Berufung auf Daten des kongolesischen Gesundheitswesens als zweitgrößte und zweittödlichste Ebola-Epidemie seit Beginn der Aufzeichnungen ein, nach der westafrikanischen Epidemie von 2014 bis 2016.

Der Virusstamm erschwert die Eindämmung. Verursacht wird der Ausbruch durch die Bundibugyo-Variante, für die weder ein Impfstoff noch eine spezifische Therapie zugelassen ist. Ervebo, zugelassen für Ausbrüche des Zaire-Ebolavirus, wird in zwei Studienreihen daraufhin geprüft, ob es gegen Bundibugyo schützen könnte. Zwei antivirale Therapien werden seit Juli in klinischen Studien erprobt. Frühe Symptome können Malaria ähneln, was Isolation und Behandlung in Gebieten verzögern kann, in denen die Gesundheitssysteme ohnehin bereits stark belastet sind.

Der Ausbruch hat inzwischen Grenzen überschritten. Kenia meldete neun Infektionen, darunter zwei Todesfälle, nachdem ein Mann, der aus dem Kongo über Uganda gereist war, in Nairobi gestorben war. Nigeria meldete einen Fall bei der Ehefrau eines Schweizer Diplomaten, die nicht in den Kongo gereist war; die Schweizer Regierung geht davon aus, dass sie sich wahrscheinlich in Uganda infiziert hat, und die Frau und ihr Mann wurden am Montag in die Schweiz ausgeflogen. Uganda verzeichnete im Mai und Juni 20 Fälle, die meisten aus dem Kongo eingeschleppt, und die Weltgesundheitsorganisation erklärte diesen Ausbruch im August für beendet. Ugandische Behörden sagen nun, das Land habe keine Ebola-Fälle, doch zurückkehrende Staatsbürger aus dem Kongo müssen in Quarantäne.

Als Nächstes: Uganda sagt, Bürger, die aus dem Kongo zurückkehren, kommen 21 Tage in Quarantäne.

Nach Berichten von: tagesschau.de, Süddeutsche Zeitung, Berliner Zeitung, Irish Independent, La Libre.be, RP Online

Was ansteht

Aus dieser Ausgabe

  • 1

    Die Wahllokale sollen um 22:00 schließen, sofern Schlangen keine Verlängerung erzwingen.

  • 2

    Flávio Bolsonaro muss alle weiteren Pässe binnen 24 Stunden nach dem Beschluss abgeben.

  • 3

    Die Waffenruhe läuft bis 22:59 am 1. November.

  • 4

    Formelles IPO-Marketing könnte in der Woche vom 9. November beginnen.

  • 6

    Uganda sagt, Bürger, die aus dem Kongo zurückkehren, kommen 21 Tage in Quarantäne.

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