Wahlen · Jerusalem und Tel Aviv
Israel wählt am 27. Oktober – Umfragen sehen Netanyahus Block ohne Mehrheit
Am Dienstag, dem 27. Oktober, wählen die Israelis ein neues Parlament. Die Wahl könnte Benjamin Netanyahus lange Machtstellung beenden. Umfragen sehen seinen Block bei 50 Sitzen, den Oppositionsblock um Gadi Eisenkot bei 52 – beide verfehlen die für eine Mehrheit nötigen 61 Sitze.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von The Independent, Washington Post, Al Jazeera Online und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Am 27. Oktober wählen die Israelis alle 120 Sitze der Knesset – die erste landesweite Wahl seit den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023. Für eine Mehrheit sind 61 Sitze nötig.
Eine am 22. Oktober veröffentlichte Umfrage unter 4.000 Israelis sieht den Haredi-Block bei 52 bis 54 Sitzen, eine separate Umfrage Netanyahus Block bei 50 und Eisenkots Block bei 52.
In der Erhebung von Agam Labs und der Hebräischen Universität werden dem Likud 19 Sitze prognostiziert – nach derzeit 32.
Ein KI-generierter Werbespot auf Netanyahus X-Konto zeigt Eisenkot, wie er Mansour Abbas umarmt; die Politikwissenschaftlerin Gayil Talshir nennt die Araber in seiner Darstellung den ultimativen Feind.

Eine Abstimmung über die Ära Netanyahu
Am Dienstag, dem 27. Oktober, wählen die Israelis alle 120 Sitze der Knesset. Es ist die erste landesweite Wahl seit den von der Hamas angeführten Angriffen vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg. Die Wähler stimmen für eine Partei, nicht für einen Ministerpräsidenten; rund drei Millionen Menschen werden voraussichtlich teilnehmen. Noch nie hat eine Partei die 61 Sitze für eine absolute Mehrheit gewonnen, deshalb wird der Wahlsieger fast sicher von einer Koalition abhängen. Eine Partei muss mindestens 3,25 Prozent der landesweiten Stimmen erreichen, um ins Parlament einzuziehen.
Was die Umfragen zeigen
Eine am 22. Oktober veröffentlichte Umfrage von Agam Labs zusammen mit der Hebräischen Universität unter 4.000 Israelis deutet darauf hin, dass Netanyahus rechtsradikale Koalition die Wahl kaum überstehen dürfte. In dieser Erhebung kommt der Haredi-Block, zu dem Likud und Shas gehören, auf 52 bis 54 Sitze und damit nicht auf eine Mehrheit; der Likud fällt von derzeit 32 auf 19 Sitze.
- Aktuelle Knesset
- 32 Sitze
- Prognose Agam Labs
- 19 Sitze
Daten aus dem Artikeltext
- Netanyahu-Block
- 50 Sitze
- Block unter Eisenkot
- 52 Sitze
Daten aus dem Artikeltext
Netanyahus juristisches und politisches Gepäck
Netanyahu wurde 1996 erstmals zum Ministerpräsidenten gewählt und kommt auf insgesamt 19 Jahre im Amt. Für das Amt gibt es keine Amtszeitbegrenzung, solange ein Ministerpräsident das Vertrauen einer Knesset-Mehrheit behält. 2019 wurde er in drei Fällen wegen Bestechlichkeit, Betrugs und Vertrauensbruchs angeklagt; ihm wird vorgeworfen, teure Geschenke im Gegenzug für politische Gefälligkeiten angenommen zu haben. Er nennt das Verfahren eine Hexenjagd, die Ermittlungen stockten während des Gaza-Kriegs. Zudem liegt gegen ihn ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor. Berichte, wonach er 2023 vor der Hamas-Bedrohung gewarnt wurde, erhöhen den Druck auf ihn vor der Wahl.
Arabische Parteien als Wahlkampfziel
Netanyahu stellt die Zusammenarbeit mit arabischen Parteien als existenzielle Bedrohung dar. Ein KI-generierter Werbespot auf seinem X-Konto zeigt Eisenkot, wie er an einem jungen Mann vorbeiläuft, um Mansour Abbas zu umarmen, den Vorsitzenden der Vereinigten Arabischen Liste. Die palästinensischen Bürger Israels – rund 2 Millionen Menschen oder etwa 20 Prozent der Bevölkerung – sind mit einer steigenden Kriminalität konfrontiert und sehen im Wählen ihren einzigen Weg, Veränderung zu fordern. Gayil Talshir, Politikwissenschaftlerin an der Hebräischen Universität Jerusalem, liest den Wahlkampf als vertrautes populistisches Mittel.
„Populistische Führer definieren in der Regel einen äußeren und einen inneren Feind, und für Netanyahu sind die Araber der ultimative Feind.“
Talshir weist zudem darauf hin, dass Netanyahu die Tür zur Zusammenarbeit mit Abbas bereits 2021 öffnete, als er Schwierigkeiten hatte, eine Regierung zu bilden. Diese Gespräche scheiterten, und Abbas schloss sich später der Koalition von Bennett und Lapid an, die nach eineinhalb Jahren zerbrach, aber den lange bestehenden Tabubruch gegenüber jüdisch-arabischen Koalitionen beendete. Rula Daood, die die arabisch-jüdische Gruppe Standing Together mitleitet, argumentiert, die Delegitimierung arabischer Wähler sei ein altes politisches Werkzeug.
„Die Delegitimierung der arabischen Öffentlichkeit hat immer existiert und wurde als politisches Manöver genutzt, um Wähler zu mobilisieren.“
Optionen der Opposition und Koalitionsarithmetik
Ende September unterzeichneten vier Oppositionsparteien – Jashar, die Demokraten, Jisrael Beiteinu und das Bündnis Together – einen Nichtangriffspakt mit dem Ziel, Netanyahu zu stürzen. Der Block hat keinen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten benannt, doch der frühere Armeechef Eisenkot gilt als wahrscheinlichste Wahl. Naftali Bennett, der Together gemeinsam mit Yair Lapid führt, ist ein weiterer möglicher Kandidat. Die meisten Oppositionsparteien haben eine Koalition mit den arabischen Parteien bis zur Bekanntgabe der endgültigen Ergebnisse ausgeschlossen, was ihren Weg zur Mehrheit einschränken könnte. Zu Netanyahus traditionellen Partnern gehören Itamar Ben-Gvirs Jüdische Kraft und Bezalel Smotrichs Religiöser Zionismus, während auch Shas und das Vereinigte Thora-Judentum entscheidend werden könnten.
Was nach der Auszählung geschieht
Eine Niederlage an der Wahlurne entfernt Netanyahu nicht automatisch aus dem Amt, denn das Ergebnis hängt davon ab, wer eine Mehrheit in der Knesset zusammenbringen kann. Wenn die Opposition die Hürde über die arabischen Parteien nimmt, könnte nach einer Analyse eine neue Regierung von Eisenkot aus dem Mitte-rechts-Lager geführt werden. Israel hat bis heute keine geschriebene Verfassung, und die meisten seiner Grundgesetze können mit einfacher Mehrheit im Parlament geändert werden. Die Koalitionsgespräche werden nach der Auszählung der Stimmen voraussichtlich entscheiden, wer regiert.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- The IndependentSchlüsselakteure bei der israelischen Wahl, während Benjamin Netanjahu um sein politisches Überleben kämpftKey players in Israeli election as Benjamin Netanyahu fights for his political life · Original auf Englisch
- The IndependentWahl-Umfragetracker für Israel: Drei Szenarien, während Netanjahu vor dem Machtverlust stehtIsraeli elections poll tracker: Three scenarios as Netanyahu faces losing power · Original auf Englisch
- Washington PostNetanjahu stellt arabische Parteien als Bedrohung dar. Sie könnten der Schlüssel zu seiner Niederlage sein.Netanyahu casts Arab parties as a threat. They could be key to his defeat. · Original auf Englisch
- Al Jazeera OnlineIsraelische Wahlen: Was sind die möglichen Ergebnisse?Israeli elections: What are the possible outcomes? · Original auf Englisch
- Benjamin Netanyahu
- Israels Ministerpräsident, dessen rechtsradikale Koalition bei der Wahl am 27. Oktober antritt
- Gadi Eisenkot
- Ehemaliger Generalstabschef und Vorsitzender der Partei Jashar, gilt als führender Herausforderer
- Mansour Abbas
- Vorsitzender der Vereinigten Arabischen Liste, zu sehen in einem KI-generierten Wahlkampfspot Netanyahus
- Rula Daood
- Mitleiterin der arabisch-jüdischen Gruppe Standing Together
- Naftali Bennett
- Ehemaliger Ministerpräsident, führt das Bündnis Together gemeinsam mit Yair Lapid
- Yair Lapid
- Mitleiter des Bündnisses Together mit Naftali Bennett
- Itamar Ben-Gvir
- Vorsitzender der Partei Jüdische Kraft und Minister für nationale Sicherheit
- Bezalel Smotrich
- Vorsitzender der Partei Religiöser Zionismus und Finanzminister
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