
Volkswagens Cariad plant 1.000 Stellenstreichungen und 6,1 Milliarden Euro weniger Investitionen
Volkswagens Softwaretochter Cariad will rund 1.000 Stellen streichen und die Investitionen bis 2031 um 6,1 Milliarden Euro senken, während in Wolfsburg die Tarifverträge neu verhandelt werden.
Geplante Stellenstreichungen
Volkswagens Softwaretochter Cariad plant, rund 1.000 weitere Stellen aus der bestehenden Belegschaft von etwa 4.300 Mitarbeitern zu streichen. Die Geschäftsführung informierte die Beschäftigten am Mittwoch, dem 30. September 2026, während einer internen Betriebsversammlung in Wolfsburg über den geplanten Stellenabbau. Vertreter der Sparte erklärten den Anwesenden, der Personalabbau sei notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber externen Softwareanbietern zu erhalten. Der geplante Einschnitt betrifft fast ein Viertel der verbleibenden Belegschaft der Einheit. Ein Sprecher von Cariad wollte sich zu dem Vorhaben nicht äußern. Die Geschäftsführung hat mehrere bestehende Tarifverträge gekündigt, um die Arbeitsbedingungen neu zu verhandeln; Gespräche zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretern sollen den genauen Zeitplan und die Umsetzungsmodalitäten klären.
Investitionskürzungen und Finanzziele
Laut einem internen Unternehmensdokument will Cariad ihre Gesamtinvestitionen zwischen 2027 und 2031 um rund 6,1 Milliarden Euro senken. Neben diesen Kürzungen der Investitionsausgaben soll die Softwaresparte bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts zusätzlich 400 Millionen Euro zur angestrebten Verbesserung des operativen Ergebnisses des Volkswagen-Konzerns beitragen. Die Geschäftsführung soll bis Ende Dezember 2026 ein detailliertes operatives Restrukturierungskonzept vorlegen. Diese Maßnahmen stehen im Einklang mit der konzernweiten Strategie von Volkswagen, die Profitabilität bis 2030 zu verbessern – ein Unternehmensplan, der Kürzungen der Entwicklungsbudgets in Milliardenhöhe und den Wegfall Zehntausender Stellen im gesamten Automobilkonzern vorsieht.
- Volkswagen tauscht die Führung von Cariad aus, nachdem Softwareverzögerungen Fahrzeugstarts verschoben hatten
- Volkswagen geht eine umfassende Softwarepartnerschaft mit dem US-Autobauer Rivian ein
- Cariad-Chef Peter Bosch kündigt Pläne an, rund 30 Prozent der Belegschaft zu streichen
- Die Geschäftsführung informiert die Beschäftigten in einer Betriebsversammlung über Pläne, weitere 1.000 Stellen zu streichen
- Frist für die Geschäftsführung, ein detailliertes operatives Restrukturierungskonzept vorzulegen
- Geplanter Zeitraum für 6,1 Milliarden Euro an Investitionskürzungen bei Cariad
Strategische Neuausrichtung auf externe Partnerschaften
Der Stellenabbau folgt einer strategischen Neuausrichtung bei der Entwicklung von Fahrzeugsoftware unter Konzernchef Oliver Blume. Während sein Vorgänger Herbert Diess umfassende Fahrzeugsoftware-Plattformen vollständig im Haus entwickeln wollte, tauschte der Konzern 2023 die Führung von Cariad aus, nachdem Engpässe in der Softwareentwicklung wichtige Fahrzeugstarts verzögert hatten. Unter Blume setzt der Autobauer zunehmend auf externe Partnerschaften, darunter die Zusammenarbeit mit Xpeng in China und ein Ende 2024 gegründetes Joint Venture mit dem US-Elektroautohersteller Rivian. Das Rivian-Joint-Venture übernimmt inzwischen die Hauptentwicklung der neuen softwaredefinierten Fahrzeugarchitektur und der Infotainmentsysteme. Cariad hat seinen Fokus darauf verlagert, die Altbetriebssysteme E1.1 und E1.2 noch mehrere Jahre zu pflegen, die CEA-Architektur in China zu unterstützen und eigene Kerntechnologien wie Fahrdynamiksoftware und Cloud-Anwendungen zu entwickeln.
Personalentwicklung und Tarifverhandlungen
Die neu geplanten Stellenstreichungen sind die jüngste Phase des Abbaus in der Softwaresparte. Ende 2023 beschäftigte Cariad rund 6.500 Menschen. Anfang 2025 kündigte Cariad-Chef Peter Bosch einen Plan an, rund 30 Prozent der Stellen der Sparte zu streichen, nachdem konzernweite Tarifabschlüsse erzielt worden waren; damit sank die Belegschaft auf das heutige Niveau von etwa 4.300 Mitarbeitern. Frühere Stellenabbau-Runden wurden über freiwillige Maßnahmen umgesetzt, darunter Abfindungen und Altersteilzeitprogramme. Zwar hatten Betriebsvereinbarungen betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 ausgeschlossen, doch die Kündigung der Tarifverträge durch Cariad ebnet der Geschäftsführung den Weg, die Beschäftigungssicherung direkt mit den Arbeitnehmervertretern neu zu verhandeln.
- Ende 2023
- 6500
- September 2026
- 4300

