Entdeckungen · Uyuk-Tal und Bern

Skythisches Grab in Sibirien liefert frühesten direkten Beleg für Cannabis-Konsum

Haarproben aus einem Grabhügel im Uyuk-Tal im Süden Sibiriens enthielten Cannabinol, ein Abbauprodukt von THC, berichten Forscher in „Science“. Das Grab Tunnug 1 stammt aus dem ersten Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts v. Chr.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von watson.ch/, The New York Times, eldiario.es und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

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Kurz gefasst

Uyuk-Tal, Bern · Russland, Schweiz
Wie es dazu kam
  1. 2017Ein Archäologenteam entdeckt den skythischen Grabhügel Tunnug 1 im Uyuk-Tal
  2. Erstes Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts v. Chr.Die Radiokarbondatierung ordnet die Cannabissamen in die Grablege ein
  3. 5.11.Die Studie zu den Haar- und Samenfunden wird in „Science“ veröffentlicht

Ein Grabhügel mit Samen und Haaren

Ein Forscherteam unter Leitung von Gino Caspari von der Universität Bern untersuchte Tunnug 1, einen rund 2.800 Jahre alten Grabhügel im Uyuk-Tal in Tuwa im Süden Sibiriens. Die Ausgräber fanden Cannabissamen in hölzernen Grabkammern und in der Nähe der bestatteten Menschen. Die berichteten Mengen unterscheiden sich je nach Medium: watson nennt mehr als 1.400 vollständige Samen, eldiario etwa 1.481 Samen und Fragmente, die Washington Post 1.000 Samen.

Der entscheidende Beleg stammte aus menschlichem Haar, das dem Grab entnommen wurde. Die Massenspektrometrie wies Cannabinol nach, das entsteht, wenn THC – der Wirkstoff, der den Rausch auslöst – Luft, Hitze oder Licht ausgesetzt ist. In der am Donnerstag, 5. November, im Fachjournal „Science“ veröffentlichten Studie schreiben die Forscher, Pflanzenreste und chemische Spuren deuteten zusammen stark darauf hin, dass die Menschen Cannabis konsumiert haben. Eine versehentliche Aufnahme lasse sich nicht vollständig ausschließen, doch die Befunde sprächen für eine bewusste Nutzung wegen der psychoaktiven Wirkung.

Caspari, Erstautor der Studie, sagte in einer E-Mail, wie selten solche Arbeiten sind:

„Man bekommt nicht oft die Gelegenheit, eine Person auf Drogen zu testen, die seit fast 3.000 Jahren tot ist.“

Gino Caspari

Bestattungsrituale und Opfer

Frühere Grabungen an der Stätte brachten die Überreste von bis zu 18 Pferden und mindestens einem Menschen zutage, was auf ein Opfer an diesem Ort hindeutet. Die Forscher gehen davon aus, dass Cannabis bei den Bestattungsriten eine Rolle spielte. Die Pflanze könnte geraucht oder auf andere Weise konsumiert worden sein, und möglicherweise diente sie dazu, die an den Ritualen beteiligten Menschen zu beruhigen. Caspari sagte, es könnte von Vorteil gewesen sein, einige der Opfer zu betäuben, bevor ihnen etwas angetan wurde, fügte jedoch hinzu, dass sich dies nicht beweisen lasse. Das Team kann auch eine Verwendung als Räucherwerk nicht ausschließen, doch aus seiner Sicht zeigen die chemischen Spuren im Haar, dass die psychoaktiven Stoffe in den Körper gelangt sind.

Datierung und frühere Belege

Die Radiokarbondatierung der Samen ordnet ihre Niederlegung in das erste Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts v. Chr. ein, womit der Fund etwa 2.800 Jahre alt ist. Ältere Gräber im Altai- und im Pamirgebirge hatten bereits Cannabissamen und Gefäße mit verbrannten Pflanzenresten geliefert, was auf rituelle Nutzung hindeutet. In Ostasien wurde Cannabis bereits vor mindestens 6.000 Jahren angebaut, doch die Ursprünge seines Konsums sind kaum verstanden, weil Pflanzenreste leicht verrotten.

Die Skythen, ein Reitervolk, das die eurasischen Steppen durchzog, lebten laut der New York Times vom 9. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. Herodot, ein griechischer Geschichtsschreiber des 4. Jahrhunderts v. Chr., beschrieb, wie sie Cannabissamen auf rot glühende Steine warfen.

„Es glimmt und verströmt so viel Dampf, dass kein griechisches Dampfbad es übertreffen könnte.“

Herodot

Einschätzungen von Fachleuten und offene Fragen

Mans Schepers, Dozent für Archäobotanik an der Universität Groningen, nannte den Fund eine spektakuläre Entdeckung. Er wies darauf hin, dass Archäologen häufig Cannabis fänden, aber selten nachweisen könnten, dass Menschen es wegen seiner psychoaktiven Wirkung nutzten. Quentin Bourgeois, Professor für Archäologie an der Universität Leiden, sagte, Cannabis sei wahrscheinlich Teil von Riten gewesen, bei denen neben den Toten auch andere Menschen geopfert wurden, und alte Schriftquellen legten nahe, dass es beruhigend gewirkt haben könnte.

Herodot beschrieb zudem, wie die Skythen Cannabis in geschlossenen Zelten verbrannten, um sich zu berauschen, doch dafür haben Archäologen bislang keine harten Belege gefunden. Ein Grab in der Mongolei, nicht weit von der sibirischen Stätte entfernt, enthielt Ausrüstung zum Aufbau eines Zeltes, einen Beutel mit Cannabissamen und einen Feuerkorb, was Schepers als möglichen Hinweis bezeichnete. Er ergänzte, das Cannabis aus dem Grabhügel sei die kultivierte Variante gewesen. Da die Pflanze Jahrtausende zuvor in anderen Regionen domestiziert worden sei, müssten die Skythen sie erworben und nicht in freier Wildbahn gesammelt haben.

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