
Deutschlands Koalition lässt Tankrabatt am 30. Juni auslaufen und warnt Ölfirmen vor Preiserhöhungen
Die Fraktionen von CDU/CSU und SPD haben vereinbart, den Tankrabatt nicht über sein geplantes Auslaufen am 30. Juni hinaus zu verlängern – mit Verweis auf den angespannten Haushalt. Die Regierung warnte Ölkonzerne vor starken Preiserhöhungen und erklärte sich bereit, bei einer Verschlechterung der Marktlage einzugreifen.
Die Entscheidung
Die deutsche Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD lässt den befristeten Tankrabatt Ende Juni auslaufen, wie die Fraktionen am Mittwoch bestätigten. Die Maßnahme, die die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent pro Liter (inkl. Mehrwertsteuereffekt rund 16,7 Cent) senkte, gilt seit dem 1. Mai und war von Anfang an auf zwei Monate begrenzt. Der Staat hat auf schätzungsweise 1,6 Milliarden Euro Einnahmen verzichtet.
Wir haben nach langen Beratungen beschlossen, den Tankrabatt wie geplant am 30. Juni auslaufen zu lassen.
Es ist fiskalisch nicht sinnvoll. In der aktuellen Situation können wir uns keine Schulden dafür leisten.
Warum er eingeführt wurde
Der Rabatt wurde beschlossen, nachdem die Kraftstoffpreise nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar in die Höhe geschossen waren. Laut ADAC-Daten fiel der bundesweite Durchschnittspreis für einen Liter Super E10 von 2,109 Euro im April auf 1,983 Euro im Mai – ein Rückgang von knapp 13 Cent. Diesel fiel stärker, von April auf Mai um 27 Cent auf 1,991 Euro pro Liter.
Die Warnung an Ölkonzerne
Beide stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden warnten die Mineralölkonzerne vor deutlichen Preiserhöhungen, sobald der Rabatt endet. Die Koalition sei bereit, eine mögliche Preisexplosion zu stoppen, hieß es. „Sollte sich die Situation ab dem 1. Juli dramatisch ändern, können wir schnell reagieren“, erklärten Müller und Zorn und fügten hinzu, dass dies auch während der Sommerpause gelte. Der Bundestag könnte zu Sondersitzungen einberufen werden, und sie erwarteten die Zustimmung des Bundesrates.
Notfallmaßnahmen in Diskussion
Sollten die Kraftstoffpreise erneut stark steigen, werden verschiedene Entlastungsoptionen diskutiert: gezielte Zuschüsse für Geringverdiener mit Auto, eine höhere Pendlerpauschale, eine niedrigere Energiesteuer, eine Senkung der Stromsteuer für alle, eine Kraftstoffpreisobergrenze und eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. Ein konkreter Preisschwellenwert, der Maßnahmen auslösen würde, wurde nicht genannt. Müller kündigte zudem an, das Wettbewerbsrecht weiter zu verschärfen, um „den Markt zu bereinigen und mehr Transparenz zu schaffen“.
Das Wettbewerbsrecht wird weiter verschärft.
Kritik von Wirtschaftswissenschaftlern
Das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung stellte fest, dass der Rabatt weitgehend bei den Verbrauchern angekommen sei, mit einer durchschnittlichen Weitergabe von 12 Cent bei Diesel, 16 Cent bei Super E5 und 15 Cent bei Super E10 im Mai. Ein Teil der Steuerentlastung verblieb jedoch bei den Ölkonzernen. Ifo-Vizedirektor Florian Neumeier sprach sich gegen eine Verlängerung aus und plädierte stattdessen für gezielte Maßnahmen wie eine Einkommensteuerreform, um Haushalte mit niedrigem Einkommen zu entlasten. Das Institut wies darauf hin, dass der Rabatt vor allem Vielfahrern und Besitzern verbrauchsstarker Fahrzeuge zugutekomme und den klimapolitischen Zielen zur Senkung der Verkehrsemissionen zuwiderlaufe.
Die Bundesregierung sollte den Tankrabatt nicht über den Juni hinaus verlängern.
Ein Sprecher des Wirtschaftsverbandes Fuels und Energie teilte der Rheinischen Post mit, dass die Tankstellen die volle Steuersenkung von Anfang an weitergegeben hätten und dies bis zum Auslaufen der Maßnahme auch weiterhin tun würden.
Was passiert am 1. Juli
Ab dem 1. Juli kehrt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel auf ihr vorheriges Niveau zurück. Wie sich die Zapfsäulenpreise entwickeln, hängt sowohl von der Wiederherstellung der Steuer als auch vom Verlauf der globalen Ölpreise ab. Die Koalition hat sich nicht auf eine einzelne Auffangmaßnahme festgelegt, betont jedoch, dass sie das Parlament bei Bedarf schnell einberufen könne.
- Ausbruch des Iran-Kriegs; Kraftstoffpreise schnellen in die Höhe
- Tankrabatt tritt in Kraft, senkt Energiesteuer um 14,04 Cent pro Liter
- Koalition bestätigt, dass Rabatt wie geplant am 30. Juni ausläuft
- Tankrabatt läuft aus
- Energiesteuer kehrt auf vorheriges Niveau zurück; Koalition bereit zum Eingreifen bei Preisspitzen
- Super E10 (April)
- 2.109 €/Liter
- Super E10 (Mai)
- 1.983 €/Liter
- Diesel (April)
- 2.261 €/Liter
- Diesel (Mai)
- 1.991 €/Liter


