Konflikte · Kyjiw, Bern und Genf

Ukrainischer Berater: 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen enthalten Schweizer Teile

Der Sanktionsberater der Ukraine sagt, in fast allen russischen Drohnen und Raketen steckten Schweizer Elektronikkomponenten. Das Schweizer Wirtschaftssekretariat erklärt, die meisten Güter würden im Ausland hergestellt, es finde also kein Export statt.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von 20 Minuten, Tages Anzeiger, SRF News und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

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Kurz gefasst

Kyjiw, Bern, Genf, Thalwil · Ukraine, Schweiz
Wie es dazu kam
  1. Frühjahr 2026Einträge in der HUR-Datenbank belegen Schweizer Teile in neuen oder modernisierten russischen Waffen
  2. September 2026Weitere Funde Schweizer Teile in neuen oder modernisierten russischen Waffen
  3. Oktober 2026Jüngste Funde Schweizer Teile in neuen oder modernisierten russischen Waffen

Bauteile in russischen Waffen

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR veröffentlicht in einer öffentlichen Datenbank die Elektronikteile, die er aus den Wracks russischer Waffen birgt. Die Geran-4, eine strahlgetriebene Weiterentwicklung der iranischen Shahed-Drohne, enthält laut einer Informationsseite des HUR zehn Teile von STMicroelectronics und u-blox, beide mit Sitz in der Schweiz. Insgesamt hat die Ukraine in allen analysierten Waffen Teile von elf Schweizer Herstellern identifiziert. Auch in nordkoreanischen ballistischen Raketen, die auf die Ukraine abgefeuert wurden, wurden Schweizer Komponenten nachgewiesen. Dank des Strahltriebwerks gelingt es der Geran-4 regelmäßig, die ukrainische Luftabwehr zu durchbrechen – mit potenziell verheerenden Folgen in den kommenden Wintermonaten.

Die 95-Prozent-Angabe des Beraters

Vladyslav Vlasiuk, ein 37-jähriger Jurist, der Präsident Wolodimir Selenski in Sanktionsfragen berät, sagte gegenüber SRF, 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen enthielten Teile von Schweizer Unternehmen. Dabei handele es sich überwiegend um industrielle Massenware, darunter Mikrocontroller zur Steuerung von Drohnen, Chips zur Verarbeitung von Satellitennavigationsdaten, Spannungswandler, Sensoren und Speicherchips. Die Teile seien weder als Kriegsmaterial noch als Dual-Use-Güter eingestuft, unterlägen aber den Russland-Sanktionen. Die EU und die G7 setzten diese Güter auf eine gemeinsame Sanktionsliste, und die Schweiz habe diese Liste übernommen. SRF merkt an, dass die massenhafte Verwendung billiger Drohnen diese Massenprodukte zu strategisch relevanten Gütern gemacht habe.

Was Kyjiw von Bern will

Vlasiuk sagt, die Schweiz tue zu wenig, um Lieferungen nach Russland zu unterbinden, und fordert die Einbindung der Staatsanwaltschaft sowie schärfere Exportkontrollen. Auf die Frage nach den Bemühungen der Schweizer Regierung sagte er gegenüber SRF:

„Die Antworten waren nicht ausreichend.“

Vladyslav Vlasiuk, Ukrainischer Präsidentenberater für internationale Sanktionspolitik

Zudem verlangt er, dass Schweizer Firmen ihre Händler und Zwischenhändler genauer prüfen. Als Vorbild nennt er den niederländischen Chiphersteller NXP, dessen Teile einst häufig in russischen Waffen auftauchten, im Jahr 2026 aber fast verschwunden seien. Vlasiuk weist das Argument zurück, Schweizer Güter würden nicht nach Russland exportiert, weil sie nicht in der Schweiz hergestellt würden. SRF berichtet über Hinweise, dass die Komponenten über China nach Russland gelangen, wo einige Schweizer Firmen ebenfalls produzieren.

„Wir finden weiterhin Schweizer Komponenten in russischen Waffen, im September und Oktober erneut.“

Vladyslav Vlasiuk, Ukrainischer Präsidentenberater für internationale Sanktionspolitik

Die Haltung Berns und die Reaktionen der Unternehmen

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erklärt, das Problem sei bekannt und die Durchsetzung der Russland-Sanktionen habe Priorität. Das Seco argumentiert, die meisten dieser Güter würden im Ausland hergestellt, es finde also kein Export aus der Schweiz statt. Schweizer Unternehmen müssten bei Verkäufen in Drittländer den Weiterverkauf nach Russland vertraglich verbieten, und der Bundesrat sehe keinen Bedarf für strengere Regeln. Im Frühjahr 2026 erklärte das Seco gegenüber dem Tages-Anzeiger, Russland beschaffe diese Komponenten überwiegend über Zwischenhändler in Drittländern, die sich den Sanktionen nicht angeschlossen hätten, und versuche, die Kennzeichnungen zu entfernen. STMicroelectronics teilte SRF mit, das Unternehmen betreibe ein umfassendes globales Compliance-Programm und habe Maßnahmen ergriffen, um Sanktionen und Ausfuhrbeschränkungen gegen Russland umzusetzen. Die von SRF angefragten Unternehmen erklärten, sie hielten sich an die Sanktionen.

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