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Makroökonomie·vor 3 Std.

Arbeitgeberpräsident fordert Rentenbremse – 4,2-Prozent-Erhöhung tritt in Kraft, Beitragssatz nähert sich 20 %

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert langsamere Rentenanpassungen und ein höheres Renteneintrittsalter. Er warnt, dass die aufeinanderfolgenden Anstiege von über 4 % die Lohn- und Preisentwicklung übertreffen.

Der Kostenanstieg

Mehr als 21 Millionen Rentner in Deutschland erhalten ab dem 1. Juli eine Rentenerhöhung von über 4,2 %. Für 2027 wird bereits ein weiterer Anstieg von über 4,7 % prognostiziert. Die aufeinanderfolgenden Sprünge sind auf das starke Lohnwachstum und die erste Rentenreform der Koalition zurückzuführen, die den Nachhaltigkeitsfaktor aussetzte, der die Anstiege gedämpft hätte, wenn die Zahl der Rentner schneller wächst als die Beitragszahler. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass die diesjährige Erhöhung allein über 18 Milliarden Euro koste.

Es ist den Beitragszahlern nicht zu vermitteln, dass die Renten in diesem und im nächsten Jahr deutlich stärker steigen sollen als Löhne und Preise, und das jeweils um mehr als 4 %.

Dulgers Forderungen

Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), drängt auf eine Rückkehr zum Nachhaltigkeitsfaktor und einen langfristig stabilen Beitragssatz. Der aktuelle Satz liegt bei 18,6 % des beitragspflichtigen Einkommens; Dulger warnte, dass er nicht auf 20 % steigen dürfe. Er forderte zudem ein weiteres Anheben des Renteneintrittsalters mit steigender Lebenserwartung und ein Ende der Milliardenausgaben für die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte in Zeiten, in denen Unternehmen Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden.

Wer die Ausgabendynamik in der Sozialversicherung nicht stoppt, verschärft die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands.

Die politische Arena

Bundeskanzler Friedrich Merz wurde Mitte Mai auf einem DGB-Gewerkschaftskongress ausgebuft, als er die geplante Rentenreform auf eine einfache Rechenaufgabe reduzierte. Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) war sechs Monate zuvor auf dem Arbeitgebertag ausgelacht worden, als sie erklärte, dass die Rentengarantie ausschließlich aus Steuermitteln finanziert werde. Als Reaktion hat die Koalition nun vier Arbeitgeber- und vier Gewerkschaftsvertreter zu den Koalitionsausschussgesprächen an diesem Mittwoch eingeladen – ein Schritt, den die CDU lange abgelehnt hatte, aus Angst, die Gewerkschaften könnten die Reformen verwässern.

Wir müssen aus diesem Schwarz-Weiß-Denken heraus und alles tun, um den Laden zusammenzuhalten.

Gewerkschaftlicher Widerstand

DGB-Bezirkschef Ernesto Harder warnte, die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre wäre ein „harter Schlag" und ein „scharfes Sparprogramm" statt einer Reform. Er argumentierte, die Lebenserwartung in Deutschland sei seit 15 Jahren nicht gestiegen und viele Beschäftigte in DGB-nahen Branchen könnten körperlich nicht bis 70 arbeiten. Stattdessen schlug Harder vor, mehr Menschen in das Rentensystem einzubeziehen, etwa Politiker und Unternehmer, lehnte jedoch die Einbeziehung von Beamten ab, wenn dies deren Bedingungen verschlechtern würde.

Das ist keine Reform, das wäre ein scharfes Sparprogramm.

Was als Nächstes kommt

Die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission, besetzt mit Wissenschaftlern und Koalitionsvertretern, soll ihre Reformvorschläge am 28. Juni vorlegen. Die Gespräche an diesem Mittwoch bringen den Koalitionsausschuss mit Arbeitgebern und Gewerkschaften zusammen – vor dem Hintergrund nahezu täglicher Ankündigungen von Stellenabbau und gestrichenen Investitionen, zuletzt von den Pharmakonzernen Boehringer Ingelheim und Eli Lilly.

Zeitplan der Rentenreform
  1. Rentenerhöhung um über 4,2 % für mehr als 21 Millionen Rentner
  2. Koalitionsausschuss trifft sich mit Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertretern
  3. Rentenkommission soll Reformvorschläge vorlegen
  4. Renten werden voraussichtlich um über 4,7 % steigen
Berlin

5 Quellen

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