
PiS verbietet Mitgliedern parteiinterne Vereinigungen: Morawiecki trotzt Ultimatum, Sasin beugt sich
Am 15. Juli 2026 ordnete die Führung der polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) allen Mitgliedern an, innerhalb von sieben Tagen aus parteiinternen politischen Vereinigungen auszutreten oder mit Ausschluss zu rechnen. Dabei wurden gezielt die Vereinigungen des ehemaligen Premierministers Mateusz Morawiecki, „Rozwój Plus“, und die von Jacek Sasin, „Po Pierwsze Polska“, genannt. Sasin löste seine Gruppe umgehend auf; Morawiecki weigerte sich.
Das Ultimatum
Am Mittwoch, den 15. Juli 2026, trat das Präsidium des Politischen Ausschusses von Prawo i Sprawiedliwość (PiS) in der Parteizentrale in der Nowogrodzka-Straße in Warschau zusammen. Nach der Sitzung teilte Parteisprecher Rafał Bochenek auf einer Pressekonferenz mit, die Führung habe eine Resolution verabschiedet, die PiS-Mitgliedern die Mitgliedschaft oder Mitarbeit in Vereinigungen, Stiftungen oder anderen Gremien verbietet, deren satzungsgemäßer oder tatsächlicher Zweck politische Tätigkeit ist.
Die Resolution nennt ausdrücklich zwei Organisationen: „Rozwój Plus“ unter der Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten und PiS-Vizepräsidenten Mateusz Morawiecki sowie „Po Pierwsze Polska“ unter der Leitung des ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten Jacek Sasin. Bochenek bezeichnete den Schritt als notwendig „für die Wahrung der ideologischen, organisatorischen und politischen Einheit“ der Partei.
Siebentägige Frist
Allen PiS-Abgeordneten und Europaabgeordneten wurde am Mittwoch eine Erklärung zugesandt. Sie müssen innerhalb von sieben Tagen (bis Donnerstag, 24. Juli) bestätigen, dass sie keiner solchen Organisation angehören. Mitglieder, die sich weigern, ihren Austritt zu erklären, droht der Ausschluss durch den Politischen Ausschuss.
Wenn sie ihre Tätigkeit in solchen Vereinigungen nicht aufgeben, wird über den Politischen Ausschuss ein Ausschlussverfahren aus der Partei eingeleitet.
Bochenek fügte hinzu, die Verpflichtung gelte „unabhängig von den ausgeübten Funktionen“ und Mitglieder dürften fortan nicht einmal an Treffen, Veranstaltungen oder Projekten dieser Gruppen teilnehmen, es sei denn, die Parteiführung habe ihre Zustimmung erteilt.
Sasin gibt nach
Jacek Sasin reagierte umgehend auf X. Er kündigte die Auflösung von „Po Pierwsze Polska“ an und betonte: „Unser Ziel war von Anfang an die Einheit von Prawo i Sprawiedliwość. Wir bleiben unserer Formation und Präsident Jarosław Kaczyński treu.“ Er erklärte, dass alle von seiner Vereinigung begonnenen oder geplanten Projekte nun innerhalb der PiS-Strukturen umgesetzt würden.
Morawiecki stellt sich quer
Mateusz Morawiecki, der an der Präsidiumssitzung nicht teilnahm, veröffentlichte am Mittwoch nach 19:30 Uhr seine eigene Antwort auf X. Er ging nicht direkt auf das Ultimatum oder die Androhung des Ausschlusses ein. Stattdessen verteidigte er die Erfolge seiner Vereinigung und erklärte, dass sie fortgesetzt werde.
Wir haben eine einzigartige Chance, ein Großes Polen aufzubauen, von dem Generationen geträumt haben. Wir dürfen dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, indem wir in einen Sumpf von Konflikten versinken. Das ist und bleibt das Ziel von Rozwój Plus.
Bereits am Vormittag hatte Morawiecki in der Polsat-Sendung „Graffiti“ auf die Frage, wie er auf ein solches Ultimatum reagieren würde, gesagt: „Wir wollen in Prawo i Sprawiedliwość sein und werden es auch sein. Und es lohnt sich, an verschiedenen Instrumenten innerhalb eines gut gestimmten Orchesters zu arbeiten.“
- Das PiS-Präsidium trifft sich in der Nowogrodzka-Straße und verabschiedet die Resolution, die Mitgliedern die Teilnahme an politischen Vereinigungen verbietet.
- Rafał Bochenek verkündet das Verbot auf einer Pressekonferenz, nennt „Rozwój Plus“ und „Po Pierwsze Polska“ und setzt eine siebentägige Frist.
- Jacek Sasin postet auf X, dass „Po Pierwsze Polska“ aufgelöst ist; alle Projekte werden innerhalb der PiS fortgeführt.
- Mateusz Morawiecki postet auf X, verteidigt „Rozwój Plus“ und weigert sich, es aufzulösen.
- Frist für Abgeordnete und Europaabgeordnete, um Erklärungen abzugeben, dass sie keiner verbotenen politischen Organisation angehören.
Fraktionsstimmen: „Kommen Sie zum Grillen“
Politiker aus Morawieckis Lager teilten der Polnischen Presseagentur (PAP) mit, dass sie in der Vereinigung bleiben und sich keine andere Entscheidung vorstellen können. Eine Quelle wurde mit den Worten zitiert: „Wir laden zum Grillen ein.“ Morawiecki feindlich gesinnte Quellen innerhalb der Partei sagten Newsweek Polska: „Es geht ums Ganze. Wenn er gehen will, soll er gehen.“
Politischer Hintergrund
Morawiecki gründete „Rozwój Plus“ im April 2026. Sein erklärtes Ziel ist die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung sowie eine moderne Debatte über die Zukunft Polens. In seinem Beitrag am Mittwochabend argumentierte Morawiecki, dass PiS auf neue Wähler (Unternehmer, junge Leute, Kommunalpolitiker) zugehen und auf flache Parolen verzichten müsse. Er erinnerte daran, dass ein solcher Ansatz der Partei in der Vergangenheit Rekordunterstützung eingebracht habe. Der ehemalige Premier nannte auch reale Herausforderungen, die seiner Meinung nach die Wähler beschäftigen: Demografie, der Zusammenbruch der öffentlichen Finanzen und die Sicherheit.
Weder Jarosław Kaczyński noch das Parteipräsidium äußerten sich über die Pressekonferenz des Sprechers hinaus offiziell.


