
Warschauer Krankenhausleiche: Illegales Bestattungsgeschäft? Kaczyński spricht von 'NekroAfera'
Vorwürfe eines geheimen Bestattungsbetriebs in der Leichenhalle des Warschauer Südkrankenhauses verschärfen den Skandal um die Einrichtung. Oppositionsführer Jarosław Kaczyński zieht Parallelen zum berüchtigten 'Hautjäger'-Fall und gibt der Regierungskoalition die Schuld.
Vorwürfe werden laut
Medienberichte vom 30. Juni 2026 enthüllten, dass die Leichenhalle des Warschauer Südkrankenhauses (Szpital Południowy) unter der Leitung von Artur Habowski ein illegales Bestattungsgeschäft betrieben haben soll. Das Portal zero.pl berichtete unter Berufung auf Angehörige Verstorbener, Krankenhauspersonal und Bestattungsbranchenquellen, dass Habowski trauernde Angehörige an ein bestimmtes Bestattungsunternehmen verwies, das mit seinem Geschäftspartner verbunden war, und diejenigen behinderte, die andere Anbieter wählten. Ein Zeuge berichtete, dass sie ohne Vorwarnung an anderen Leichen vorbeigeführt wurde, bevor sie ihre Mutter identifizieren konnte. Angeblich postete Habowski auch grafische Bilder von zerstückelten menschlichen Überresten in sozialen Medien; einige Fotos zeigen laut einer Krankenhausquelle möglicherweise Patienten aus der Leichenhalle.
- Habowski bietet Leichenhalle angeblich als Filmlocation an
- Beginn des Zeitraums, in dem Sterbeurkunden angeblich gefälscht wurden
- Ende des mutmaßlichen Fälschungszeitraums
- Ermittlungen zum Abhörgerät mangels Beweisen eingestellt
- Zero.pl veröffentlicht Berichte über angebliches illegales Bestattungsgeschäft
Politischer Sturm
Die Enthüllungen lösten eine sofortige Reaktion von Jarosław Kaczyński, dem Vorsitzenden der oppositionellen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), aus. Auf der Social-Media-Plattform X schrieb er:
Das Südkrankenhaus und die weiteren skandalösen Berichte über die dortigen Praktiken erinnern an den Fall der 'Hautjäger'. Alles geschah unter der Aufsicht und Beobachtung der KO-Politiker. #NekroAfera zeigt wie ein Brennglas, wohin Tusks Herrschaft führt.
Die Konfederacja-Europaabgeordnete Ewa Zajączkowska-Hernik verurteilte die Praktiken ebenfalls als 'ekelhaft, widerlich und krank' und behauptete, die Leichenhalle sei für Filmaufnahmen und unbefugte Einbalsamierungsschulungen an Leichen von Patienten genutzt worden.
Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft
Piotr Antoni Skiba, Sprecher der Warschauer Staatsanwaltschaft, erklärte, dass zwei Ermittlungen laufen. Eine betrifft die angebliche Fälschung von 20 Sterbeurkunden zwischen dem 22. August und dem 9. September 2025; es wurden bisher keine Anklagen erhoben. Die andere, die Platzierung eines Abhörgeräts in einem Büro der Leichenhalle, in dem Angehörige mit Mitarbeitern zusammentrafen, wurde in diesem Monat eingestellt, nachdem festgestellt wurde, dass das Gerät keine Aufnahmen enthielt und der betroffene Mitarbeiter, der dort nicht mehr arbeitet, keine Strafverfolgung beantragt hatte. Skiba fügte hinzu:
Es wurden noch keine Anklagen erhoben. Die Beweise wurden analysiert, Zeugen wurden befragt, und solche Praktiken wurden nicht bestätigt.
Die Staatsanwaltschaft prüfte, ob Bestattungsdienstleistungen innerhalb des Krankenhauses angeboten wurden, fand aber keine Beweise für Rechtswidrigkeit.
Das Echo der 'Hautjäger'
Kaczyńskis Anspielung bezieht sich auf einen Skandal von 2002 in Łódź, bei dem Rettungsdienstmitarbeiter angeblich Bestechungsgelder von Bestattungsunternehmen für Informationen über Todesfälle annahmen und beschuldigt wurden, den Tod von Patienten beschleunigt zu haben. Dieser Fall führte zu einem gesetzlichen Verbot, Bestattungsdienstleistungen in Krankenhäusern anzubieten oder zu bewerben, das heute in Artikel 13 des polnischen Gesetzes über die ärztliche Tätigkeit kodifiziert ist.
Größerer Skandal
Das Südkrankenhaus stand bereits in der Kritik, weil es angeblich Politiker der regierenden Bürgerkoalition (KO) in der Notaufnahme bevorzugt und Sterbeurkunden gefälscht hatte. Die ehemalige Direktorin Anna Łukasik wurde nach Ausbruch des Skandals entlassen.


