DLRG meldet 248 Ertrinkungsfälle im deutschen Sommer – Juni-Hitzewelle treibt Todeszahlen
Zwischen Anfang Mai und dem 15. September ertranken 248 Menschen in deutschen Gewässern, ein Anstieg um 12 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Juni erwies sich mit mindestens 101 Todesfällen nach hohen Temperaturen als tödlichster Monat.
Nationale Sommerbilanz und Juni-Hitzewelle
Zwischen Anfang Mai und dem 15. September ertranken 248 Menschen in Deutschland, ein Anstieg um 12 Todesfälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im gesamten Kalenderjahr bis zum 15. September verzeichnete die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) 320 tödliche Wasserunfälle, gegenüber 328 im Vorjahreszeitraum. Hohe Temperaturen im Frühsommer lockten große Menschenmengen an offene Gewässer, was den Juni mit mindestens 101 Ertrinkungstoten zum tödlichsten Einzelmonat des Jahres 2026 machte. Diese Zahl ist die höchste für einen Juni seit 2003 und macht 43 % aller zwischen Mai und August registrierten tödlichen Unfälle aus. DLRG-Präsidentin Ute Vogt identifizierte den Juni nach anhaltender Hitze im ganzen Land als Spitzenzeit für Unfälle.
Demografische Aufschlüsselung und Risikofaktoren bei Männern
Die Todesfälle stiegen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen deutlich an. Seit Jahresbeginn sind 88 Menschen im Alter zwischen 11 und 30 Jahren in deutschen Gewässern ertrunken, 15 mehr als in den gesamten zwölf Monaten des Jahres 2025. Männer machten 85 % aller Opfer aus, bei denen das Alter erfasst wurde, und mehr als 90 % der Todesfälle in der Altersgruppe der 11- bis 30-Jährigen waren männlich. Auch ältere Menschen waren erhöhten Risiken ausgesetzt, wobei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in kaltem Wasser von Rettungsdiensten als Hauptgefahr genannt wurden. In Baden-Württemberg ertranken 14 Menschen über 60 Jahre, gegenüber acht im Jahr 2025, während in Bayern 13 Menschen im Alter zwischen 71 und 80 Jahren ums Leben kamen. Vogt beschrieb die in dieser Saison beobachteten Verhaltensmuster.
Junge Menschen und junge Männer gehen häufig vermeidbare Risiken ein. Leichtsinn, Selbstüberschätzung und mangelnde Schwimmkompetenz spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Regionale Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die Zahl der Todesfälle variierte stark nach Region und Gewässertyp. Bayern verzeichnete bis zum 15. September mit 61 Todesfällen die höchste Gesamtzahl aller Bundesländer, gegenüber 73 im Vorjahreszeitraum. Nordrhein-Westfalen folgte mit 54 Todesfällen, gegenüber 38 im Jahr 2025, während Baden-Württemberg 35 Todesfälle verzeichnete, einen mehr. In Sachsen verdoppelten sich die Ertrinkungsfälle auf 19 Todesfälle, verglichen mit neun im Jahr 2025, wobei 11 in Seen auftraten. In Mecklenburg-Vorpommern sanken die Todesfälle um vier auf 22, darunter 10 in der Ostsee. Thüringen meldete zwei Todesfälle und reihte sich damit neben Bremen und dem Saarland unter den Bundesländern mit den niedrigsten Zahlen ein.
- Bayern
- 61
- Nordrhein-Westfalen
- 54
- Baden-Württemberg
- 35
- Mecklenburg-Vorpommern
- 22
- Sachsen
- 19
- Thüringen
- 2
Im Binnenland stellten unbewachte Gewässer die größte Gefahr für Schwimmer dar. In Bayern ereigneten sich 31 Todesfälle in Seen, 18 in Flüssen und fünf in öffentlichen Schwimmbädern. In Baden-Württemberg entfielen 19 Todesfälle auf Seen und Teiche, neun auf Flüsse und Bäche und drei auf Schwimmbäder.
- Seen
- 31
- Flüsse
- 18
- Schwimmbäder
- 5
Infrastruktursorgen und Präventionsforderungen
DLRG-Rettungsschwimmer retteten in der Saison 2026 Hunderte von Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen. Mehr als 50.000 aktive DLRG-Lebensretter leisten jährlich 2,6 Millionen Stunden Überwachung an deutschen Badestellen. Während die Jugendeinschreibung in Rettungsschwimmausbildungen zunimmt, betonten Wasserrettungsorganisationen, dass Schulschwimmunterricht und kommunale Einrichtungen strukturelle Unterstützung benötigen. Vogt appellierte direkt an die Politik bezüglich der Ausbildungseinrichtungen.
Bund, Länder und Gemeinden müssen gemeinsam daran arbeiten, bundesweit deutlich mehr in die sanierungsbedürftige Schwimmbadlandschaft und den Schulschwimmunterricht zu investieren. Sonst befürchten wir dauerhaft höhere Opferzahlen unter jungen Menschen.


