Konflikte · Wien und London

Telegraph: Ex-Wirecard-Flüchtling Marsalek will an Kurz' Sturz 2021 beteiligt gewesen sein

Nachrichten, die dem flüchtigen Jan Marsalek zugeschrieben werden, beschreiben die Beschlagnahme eines Handys aus dem Umfeld eines Kurz-Beraters. Die Dokumente belegen weder, dass Marsalek die Beschlagnahme organisierte, noch dass Russland Kurz' Rücktritt herbeiführte.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Mediafax.ro, adevarul.ro, Digi24 und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

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Kurz gefasst

Foto: Bundesministerium für Finanzen, CC BY 2.0 (Wikimedia Commons, Ausschnitt). Archivbild, 2021
Wie es dazu kam
  1. 9.10.Kurz kündigt seinen Rücktritt an
  2. 22.10.Marsalek schreibt Nachrichten an Roussev und behauptet, die Gruppe habe Kurz gestürzt
  3. Anfang 2023Die britische Polizei nimmt das Spionagenetzwerk fest und stellt sein Ermittlungsmaterial sicher

Aussagen in den Nachrichten

Laut Dokumenten, die der „Telegraph“ erlangte und am 7. November 2026 veröffentlichte, schrieb der flüchtige frühere Wirecard-Manager Jan Marsalek am 22. Oktober 2021 an Orlin Roussev. Roussev wird als Koordinator eines Spionagenetzwerks beschrieben, das im Vereinigten Königreich tätig war. In dem Austausch soll Marsalek behauptet haben, seiner Gruppe sei es gelungen, Sebastian Kurz zu stürzen, der rund zwei Wochen zuvor, am 9. Oktober 2021, seinen Rücktritt als österreichischer Kanzler angekündigt hatte. Als Methode habe er die Beschlagnahme des Mobiltelefons eines Mannes beschrieben, der Kurz' geheime Wahlkampffinanzierung verwaltete. Ermittler lesen die Nachrichten als Behauptung einer Beteiligung, nicht als deren Beleg, und die Dokumente zeigen weder, dass Marsalek die Beschlagnahme organisierte, noch dass russische Dienste Kurz' Rücktritt verursachten.

Die Handy-Beschlagnahme und Kurz' Rücktritt

Das Telefon gehörte Thomas Schmid, einem früheren hochrangigen Beamten im österreichischen Finanzministerium und engen Vertrauten von Kurz. Österreichische Ermittler beschlagnahmten das Gerät 2019, und die daraus gewonnenen Nachrichten wurden zu zentralen Beweismitteln in mehreren Korruptionsverfahren, darunter die Inseratenaffäre, die letztlich zu Kurz' Abgang führte. Schmid ist nach deutschsprachigen Berichten inzwischen Kronzeuge der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Kurz wurde 2017 mit 31 Jahren Kanzler und war damals der jüngste Regierungschef der Welt. Am 6. Oktober 2021 durchsuchten die Ermittler das Kanzleramt, das Finanzministerium und die Parteizentrale; der darauffolgende politische Druck führte zu seinem Rücktritt. Kurz hat die Korruptionsvorwürfe stets bestritten und wollte die neu gefundenen Nachrichten nicht kommentieren, während ihm nahestehende Personen erklärten, er sei von der Möglichkeit einer Verbindung nach Russland überrascht.

Marsalek und das Spionagenetzwerk

Marsalek verschwand im Juni 2020 nach dem Zusammenbruch des deutschen Technologiekonzerns Wirecard. Er wird wegen Betrugs mit einem internationalen Haftbefehl gesucht und in mehreren europäischen Ländern, darunter sein Heimatland Österreich, wegen Spionage ermittelt. Spätere Berichte deuteten darauf hin, dass er mehr als ein Jahrzehnt für den Kreml tätig war, und die britische Polizei beschrieb seine Spionagetätigkeit als im „industriellen“ Maßstab. Roussev wurde im Vereinigten Königreich wegen Spionage verurteilt, und die britische Polizei stellte Ermittlungsmaterial sicher, als das Netzwerk Anfang 2023 festgenommen wurde. Nach Angaben von Digi24 unter Berufung auf den „Telegraph“ enthielt das sichergestellte Material Hunderttausende Nachrichten mit Details zu geplanten Operationen auf britischem Boden. Ein Teil davon wurde an die österreichischen Behörden weitergegeben, die prüfen, ob eigene Spione Informationen an Marsalek und über ihn an Russland lieferten.

Reaktionen und offene Fragen

Sir Iain Duncan Smith, Co-Vorsitzender der parteiübergreifenden Parlamentsgruppe für Magnitski-Sanktionen und früherer Vorsitzender der Konservativen, sagte, die Recherche des „Telegraph“ zeige, wie dreist Russland geworden sei. Moskau sei es egal, ob man ihm solche Taten zutraue, weil es das Vereinigte Königreich für zu schwach halte, um zu reagieren. Graeme Downie, Labour-Abgeordneter im Verteidigungsausschuss, nannte die Erkenntnisse der Zeitung beunruhigend. Er fügte hinzu, das strategische Ziel von Wladimir Putin sei es, die Demokratien gegeneinander aufzubringen. Der „Telegraph“ berichtete zudem, mehrere europäische Sicherheitsdienste gingen seit Langem davon aus, dass der Kreml versuche, Zwietracht zu säen und Regierungen auf dem gesamten Kontinent zu destabilisieren. Die Ermittler haben Marsaleks Behauptungen nicht unabhängig bestätigt; die Untersuchungen dauern an.

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