Kurz gefasst
Hughes Brulin und Didier Reynders tauschten dem geleakten Material zufolge von 2019 bis Ende 2022 WhatsApp-Nachrichten aus, als Reynders Außenminister und später EU-Kommissar für Justiz war.
Am Freitag, 27. September 2019, am Abend jenes Tages, an dem ein Korruptionsverfahren gegen Reynders eingestellt wurde, schickte Brulin ihm eine Nachricht, in der er ihm gute Gesundheit mit einem Single Malt wünschte und Hilfe für einen Gegenangriff anbot.
Im Dezember 2022 schrieb Brulin, die „Mission“ sei weitgehend erfüllt, und Reynders antwortete: „Gut gemacht mit der Arbeit.“ Fünf ehemalige und aktuelle Beamte sagten EUObserver, das eigentliche Ziel sei gewesen, die VSSE an der Prüfung von Reynders' Verbindungen nach Russland zu hindern.
Reynders steht im Verdacht, Geld über Rubbellose der Nationalen Lotterie gewaschen zu haben. Die belgische Polizei durchsuchte im Dezember 2024 mehrere Orte, und die Brüsseler Staatsanwaltschaft bestätigte im September, dass sie seine Verbindungen nach Moskau erneut prüft.
Reynders' Anwalt nannte die Nachrichten routinemäßige Kontakte mit einem ehemaligen Kollegen und kündigte an, den Untersuchungsrichter zu informieren. Krzysztof Bosak bezeichnete Reynders auf X als Betrüger, und Mariusz Kamiński sagte, der Skandal wäre enorm, hätte Russland über Reynders Einfluss auf die Kommission genommen.
- 27.09.Korruptionsverfahren gegen Reynders an diesem Abend eingestellt; Brulin schickt eine Nachricht, in der er ihm gute Gesundheit mit einem Single Malt wünscht
- Dezember 2022Brulin schreibt, die „Mission“ sei weitgehend erfüllt; Reynders antwortet: „Gut gemacht mit der Arbeit“
- Dezember 2024Belgische Polizei durchsucht mehrere mit Reynders verbundene Orte wegen Geldwäscheverdachts
Nachrichten aus den Jahren 2019 bis 2022
EUObserver und De Tijd veröffentlichten am 23. Oktober 2026 eine Reihe von WhatsApp-Nachrichten zwischen Didier Reynders (MR) und Hughes Brulin, der bis Ende 2022 Stabsdirektor beim belgischen Staatssicherheitsdienst (VSSE) war. Die beiden schrieben sich von 2019 bis Ende 2022 regelmäßig, als Reynders Außenminister war und später EU-Kommissar für Justiz wurde. Die Nachrichten wurden auf Reynders' Mobiltelefon im Rahmen einer Untersuchung wegen Geldwäsche und Korruption gefunden, die von der Brüsseler Generalstaatsanwaltschaft geführt wird. Die meisten der veröffentlichten Nachrichten betreffen Nicolas Ullens de Schooten, einen ehemaligen VSSE-Offizier, der Reynders mit Korruptionsvorwürfen ins Visier genommen hatte. Ob Geheimnisse ausgetauscht wurden, ist weniger klar; offen bleibt die Frage, ob Brulin seine Amtsverschwiegenheit verletzt hat.
Eine Nachricht nach der Einstellung des Verfahrens
Am Freitag, 27. September 2019, am Abend jenes Tages, an dem ein Korruptionsverfahren gegen Reynders eingestellt wurde, schickte Brulin ihm eine Nachricht. Der übersetzte Wortlaut wünschte ihm gute Gesundheit mit einem Single Malt und bot an, für einen „Gegenangriff“ zur Verfügung zu stehen, falls Reynders dies für angebracht halte. Reynders dankte ihm für seine freundliche Unterstützung. Zu diesem Zeitpunkt war Reynders stellvertretender Premierminister, zuständig unter anderem für Außenpolitik und Verteidigung, und war bereits für die Europäische Kommission vorgeschlagen, seine formelle Ernennung aber noch nicht endgültig. Brulin war unter der Regierung von Premierminister Charles Michel auf einen neu geschaffenen Posten berufen worden. Interne VSSE-Quellen sagten, er habe nie an Fallakten gearbeitet oder Zugang zu vertraulichen Dossiers gehabt; er habe Logistik, ICT und Personal bearbeitet.
Ein angeblicher Versuch, die Russland-Untersuchung zu blockieren
Fünf ehemalige und aktuelle belgische Geheimdienstmitarbeiter sagten gegenüber EUObserver, Brulins eigentliche Aufgabe sei gewesen, die VSSE daran zu hindern, Reynders zu untersuchen und seine möglichen Verbindungen nach Russland zu prüfen. Das deutlichste Beispiel stammt aus dem Dezember 2022, als Brulin schrieb, die „Mission“ sei weitgehend erfüllt, und Reynders, damals bereits Europäischer Kommissar, antwortete: „Gut gemacht mit der Arbeit.“ Derselben Recherche zufolge schlug Brulin auch Wege vor, einen Whistleblower im Zusammenhang mit den Russland-Vorwürfen „anzugreifen“. Im September bestätigte die Brüsseler Staatsanwaltschaft, dass sie Reynders' Verbindungen nach Moskau erneut prüft. Diese Verbindungen betreffen den russischen Oligarchen Oleg Deripaska, der auf EU- und US-Sanktionslisten steht und den EUObserver als engen Vertrauten von Wladimir Putin beschreibt.
Geldwäscheverdacht und ein separates Verfahren
Reynders steht im Verdacht, jahrelang Geld gewaschen zu haben, indem er Rubbellose der Nationalen Lotterie mit Bargeld kaufte. Die belgische Polizei durchsuchte im Dezember 2024 mehrere Orte, die mit ihm in Verbindung stehen, als sich der Verdacht auf die Nationale Lotterie konzentrierte, die er einst leitete. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein separates Verfahren zu seinen Verbindungen zu Deripaska nach Durchsuchungen in einem Antiquitätenladen eines mit Reynders befreundeten Kunsthändlers. Die belgische Finanzaufklärung soll eine Brüsseler Kunststiftung, die mit beiden Männern verbunden ist, als Vehikel für die Geldwäsche für den Oligarchen betrachtet haben.
Reaktionen
Reynders' Anwalt sagte De Tijd, das Leck verletze das Untersuchungsgeheimnis und die Rechte der Verteidigung, und kündigte an, den Untersuchungsrichter zu informieren. Er bezeichnete die Nachrichten als routinemäßige Kontakte mit einem ehemaligen Kollegen, der selbst Opfer von Ullens' Erfindungen geworden sei. Der FÖD Justiz, bei dem Brulin heute arbeitet, erklärte, zu Justizakten keine Stellung nehmen zu können, während die VSSE eine Antwort ablehnte, weil der Beamte dort nicht mehr beschäftigt sei. In Polen bezeichnete Krzysztof Bosak, stellvertretender Sejmmarschall, Reynders auf X als Betrüger. Mariusz Kamiński, polnischer Europaabgeordneter und ehemaliger Innenminister, sagte:
„Laut der journalistischen Recherche versuchte Reynders, die Arbeit der belgischen Sonderdienste zu torpedieren, damit seine Verbindungen nach Russland nicht untersucht würden.“
Kamiński fügte hinzu, die Angelegenheit müsse vollständig aufgeklärt werden, und sollte Russland über Reynders Einfluss auf die Europäische Kommission genommen haben, wäre der Skandal enorm.