Kurz gefasst
- 2024Apple verpflichtet sich zum NFC-Zugang für Zahlungen in der EU
- 20.10.CMA veröffentlicht Vorschläge zur Öffnung des Apple-NFC-Zugangs in Großbritannien
- 17.11.Konsultation zu den Vorschlägen endet
Die Vorschläge der Aufsichtsbehörde
Die Competition and Markets Authority (CMA), die britische Wettbewerbsbehörde, hat vorgeschlagen, dass Apple den Near-Field-Communication-Chip in iPhones zu faireren Bedingungen für mehr Drittanbieter öffnet. Die Behörde erklärt, Unternehmen hätten ihr mitgeteilt, dass Apples Gebühren, Vertragsbedingungen und technischen Beschränkungen es Wettbewerbern schwer machten, konkurrierende Produkte zu entwickeln. CMA-Chefin Sarah Cardell argumentierte, der Abbau dieser Hürden könne britischen Fintech-Unternehmen helfen, Zahlungs-Apps, digitale Ausweise und Fahrkarten zu entwickeln. Die CMA erwartet zudem, dass die Vorschläge niedrigere Zugangsgebühren bringen.
Cardell begründete den Plan in klaren Worten:
„Diese Vorschläge öffnen die Tür zu mehr Innovation, mehr Auswahl und Wirtschaftswachstum, auch im wichtigen britischen Fintech-Sektor.“
Der EU-Präzedenzfall
Apple erklärte sich 2024 bereit, Entwicklern in der Europäischen Union NFC-Zugang für Zahlungen zu gewähren, ebenso Zugang zu Funktionen wie der Authentifizierung per Face ID. Die Zusage ersparte Apple zudem eine mögliche Kartellstrafe von bis zu 10 % seines weltweiten Jahresumsatzes. Ein halbes Jahr nach dieser Vereinbarung brachte Vipps als erstes Unternehmen eine alternative Zahlungs-App auf den Markt, gefolgt von PayPal, Klarna, Curve und BBVA. In Großbritannien dagegen hat laut CMA bislang kein einziges Unternehmen eine vergleichbare Wallet gestartet, obwohl kontaktloses Bezahlen inzwischen 39 % aller Zahlungen ausmacht – gegenüber 3 % zehn Jahre vor dieser Konsultation. Über 60 % der britischen Erwachsenen nutzen eine digitale Wallet, und Apple Wallet ist die beliebteste.
Was die CMA vorschlägt
Der erste Vorschlag würde Apple verpflichten, beide der international verbreiteten Kontaktlos-Standards zu unterstützen. Beim Secure Element bleiben die Zahlungsdaten auf dem Gerät, bei der hostbasierten Kartenemulation bleiben sie außerhalb des Geräts – Apple bietet in Großbritannien derzeit nur den ersten an. Die Beweislage der CMA deutet darauf hin, dass keiner der beiden Standards grundsätzliche Sicherheitsbedenken aufwirft, und die Unterstützung beider würde britischen Unternehmen ermöglichen, Dienste zu starten, die in der EU bereits laufen. Der zweite Vorschlag betrifft den Preis. Die Behörde wird die Gebühren nicht selbst festsetzen, hat aber Grundsätze für ihre Bemessung vorgeschlagen und erwartet, dass das Ergebnis „deutlich niedriger“ ausfällt als Apples derzeitige Entgelte und Apple dennoch fair entlohnt. Über Zahlungs-Apps hinaus sieht die CMA in der Öffnung die Grundlage für digitale Ausweise und Altersprüfungen, digitale Schlüssel für Autos, Hotels und Arbeitsplätze, Tickets, Fahrkarten und Kundenbindungsprogramme.
Apples Einwände
Apple wehrt sich gegen den Plan, und ein Sprecher sagte Reuters, das Unternehmen lehne ihn aus Gründen des Datenschutzes und der Sicherheit ab.
„Wir sind der Ansicht, dass die CMA Apple nicht verpflichten sollte, einen Ansatz mit geringeren Datenschutz- und Sicherheitsstandards zu wählen.“
Apple erklärt, Entwicklern in Großbritannien und anderswo bereits kontaktlose Transaktionen in ihren eigenen Apps über seine NFC- und SE-Plattform zu ermöglichen. Das Unternehmen nennt Zahlungen im Geschäft, Fahrkarten, Autoschlüssel und Veranstaltungstickets als Anwendungsfälle und argumentiert, dieses Modell erlaube Banken und Entwicklern Wettbewerb, während die Nutzerdaten geschützt blieben. Zudem hat das Unternehmen erklärt, weiter mit der Behörde an einer Lösung arbeiten zu wollen, die seinen Kunden dient. Banken und andere Zahlungsanbieter haben separat Bedenken wegen der von Apple erhobenen Gebühren geäußert.
Nächste Schritte
Die Konsultation endet am 17. November 2026; anschließend wird die CMA die Stellungnahmen prüfen, bevor sie eine endgültige Entscheidung trifft.
David Geale, Executive Director für Verbraucher, Zahlungen und Wettbewerb bei der FCA, unterstützte das Bemühen der Behörde um mehr Wettbewerb und Innovation im Zahlungsverkehr. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen, der Ausgang bleibt offen.