
Evonik weist BASF-Übernahmeavance zurück – das letzte Wort hat die RAG-Stiftung
Evonik hat die Avance von BASF zurückgewiesen, doch die Entscheidung liegt bei der RAG-Stiftung, die 44 % der Evonik-Anteile hält. Die Gewerkschaft IG BCE hegt Zweifel an der Standhaftigkeit der Stiftung.
Evonik lässt BASF abblitzen
Evonik hat BASF die kalte Schulter gezeigt, wie RP Online berichtet, doch das letzte Wort hat die RAG-Stiftung, der 44 % der Evonik-Anteile gehören. Das Handelsblatt berichtet, eine Erklärung der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen habe mit dem Satz geendet, die eigenständige Entwicklung Evoniks dürfe nicht gefährdet werden. Insider im Unternehmen und in der Chemiebranche lesen darin eine versteckte vorläufige Absage an den Deal. Sie sagen, BASF strebe eine vollständige Übernahme mit anschließender Komplettintegration in den Ludwigshafener Konzern an, was mit keiner Form von Eigenständigkeit des Zielunternehmens vereinbar sei.
Die Stiftung und die Landesregierung
Die Landesregierung hat eine starke Position im Aufsichtsrat der RAG-Stiftung. Den Vorsitz führt der frühere NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), dem Gremium gehören zudem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) an. Beteiligte erwarten, dass Wüst zunächst versuchen wird, die Avance von BASF zu blockieren oder eine Entscheidung zumindest aufzuschieben, da alles andere im Vorfeld der NRW-Landtagswahl im April 2027 als ungelegen gilt. Ein Berater wird mit den Worten zitiert, Chemiearbeiter, die aus Angst um ihre Jobs bei Evonik vor der Düsseldorfer Staatskanzlei Trillerpfeifen blasen, könne Wüst nicht gebrauchen. Ob sich diese Linie durchsetzt, ist keineswegs sicher, und es ist auch unklar, ob der Aufsichtsrat am Freitag überhaupt zu einer Entscheidung kommt.
Gewerkschaftsbrief an die Betriebsräte
IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis verbrachte diese Woche mehrere Tage in Singapur, wo er sich mit Evoniks Interimschef Claus Rettig austauschte. Nach seiner Rückkehr schickte Vassiliadis am Mittwoch einen gemeinsam mit Alexander Bercht verfassten Brief an die Betriebsräte von Evonik und BASF. Der Brief stellt einen vollständigen Verkauf an BASF infrage, lehnt das Angebot aber nicht klar ab und unterstützt es ebenso wenig. Es geht um verlorene und bedrohte Arbeitsplätze in der Chemiebranche und um die Sparprogramme bei BASF und Evonik. Der Brief stellt den Betriebsräten drei Fragen.
Zweifel an der Stiftung
RP Online berichtet, der Brief säe Zweifel an der Standhaftigkeit der RAG-Stiftung, die von Bernd Tönjes geführt wird. Vassiliadis erinnert die Stiftung an ihre Verpflichtungen und stellt ihr Investitionsurteil infrage. Die SPD fordert eine Staatsbeteiligung an Evonik.
Arbeitsplätze und der Wettbewerb um die Gunst der Gewerkschaft
Evonik hat kürzlich einen weiteren Stellenabbau von 3200 Jobs angekündigt. Evonik-Manager deuten die drei Fragen der Gewerkschaft als Einladung, um die Gunst der Gewerkschaft zu konkurrieren, nach dem Prinzip, wer den Beschäftigten das beste Angebot macht. Nach Kreisen, die das Handelsblatt zitiert, sieht sich Evonik in diesem Wettbewerb trotz der jüngst angekündigten Stellenstreichungen vorn.

