
Evonik kündigt 3.200 Stellenstreichungen weltweit und Verkauf von zwei Tochtergesellschaften an
Der deutsche Spezialchemiekonzern Evonik wird bis 2029 3.200 Stellen abbauen, davon 2.150 in Deutschland, und bereitet den Verkauf der Töchter Oxeno und Syneqt vor.
Umstrukturierung und Personalabbau
Der deutsche Spezialchemiehersteller Evonik treibt ein Konzernumbauprogramm voran, das bis 2029 weltweit 3.200 Arbeitsplätze abbauen wird. Das in Essen ansässige Unternehmen gab nach einer Klausur von Vorstand und Aufsichtsrat bekannt, dass 2.150 dieser Stellenstreichungen an den deutschen Standorten erfolgen werden. Das Management plant, die Kürzungen ohne betriebsbedingte Kündigungen durchzuführen und setzt dabei auf Abfindungsprogramme, Altersteilzeit und das Nichtwiederbesetzen freiwerdender Stellen. Die Maßnahmen erweitern eine bereits laufende Effizienzoffensive aus dem Jahr 2024, die bis Ende 2026 rund 2.800 Stellen abbauen soll. Evonik beschäftigte Ende 2025 31.053 Mitarbeiter, ein Rückgang von knapp 900 im Vergleich zum Vorjahr.
Der Interims-Vorstandsvorsitzende Claus Rettig äußerte sich nach der Vorstandsklausur zur strategischen Ausrichtung.
Wir werden diese Polykrise nutzen, um alte Strukturen zu verändern und uns besser aufzustellen.
- Evonik startet ein Konzernumbauprogramm als Reaktion auf die Krise der Chemiebranche
- Claus Rettig übernimmt nach dem Ausscheiden von Maike Schuh interimistisch die Aufgaben des Finanzvorstands
- Die Belegschaft des Konzerns umfasst 31.053 Mitarbeiter, ein Rückgang um knapp 900
- Michael Rauch übernimmt das Amt des Finanzvorstands
- Vorstandsvorsitzender Christian Kullmann wird operiert und begibt sich in Rehabilitation
- Claus Rettig wird zum stellvertretenden Vorsitzenden ernannt, um das Unternehmen während Kullmanns Abwesenheit zu führen
- Ziel: Abschluss von rund 2.800 Stellenstreichungen aus der laufenden Effizienzoffensive
- Evonik plant den Start des formellen Verkaufsprozesses für die Tochtergesellschaft Syneqt
- Zieltermin für den Abschluss des Abbaus von 3.200 Arbeitsplätzen weltweit
Verkauf von Tochtergesellschaften und Portfolioveränderungen
Neben dem Personalabbau bereitet Evonik den Verkauf seiner Tochtergesellschaften Oxeno und Syneqt vor, die zusammen rund 4.300 Mitarbeiter beschäftigen. Syneqt vereint 3.500 Beschäftigte an den Produktionsstandorten Marl und Wesseling. Evonik führt derzeit Gespräche mit potenziellen Investoren über Oxeno, deren Ergebnisse noch vor Ende 2026 erwartet werden, während der formelle Verkaufsprozess für Syneqt für 2027 vorgesehen ist. Das Unternehmen stellt zudem sein Polyestergeschäft ein, eine Sparte mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro. Die Produktionsbetriebe an sechs deutschen Hauptstandorten erhalten definierte Aufgaben, während das Unternehmen sein Produktportfolio nach Rollenprofilen organisiert.
- Geplante Kürzungen in Deutschland bis 2029
- 2150 Mitarbeiter
- Laufende Effizienzkürzungen bis Ende 2026
- 2800 Mitarbeiter
- Weltweit geplante Kürzungen bis 2029
- 3200 Mitarbeiter
- Belegschaft der Tochter Syneqt
- 3500 Mitarbeiter
- Gesamtbelegschaft von Oxeno und Syneqt
- 4300 Mitarbeiter
Führungswechsel in der Branchenkrise
Die Umstrukturierung findet unter der kommissarischen Leitung von Claus Rettig statt, der am 1. September 2026 das Amt des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden übernahm. Der 66-jährige Chemiker wurde aus Singapur zurückgerufen, wo er das Asien-Geschäft von Evonik leitete, nachdem Vorstandschef Christian Kullmann im August erkrankt war. Kullmann befindet sich derzeit in Rehabilitation; intern wird damit gerechnet, dass seine krankheitsbedingte Abwesenheit bis ins Frühjahr 2027 andauern könnte. Rettig hatte bereits Ende 2025 nach dem Ausscheiden von Maike Schuh interimistisch das Amt des Finanzvorstands übernommen und dieses bis zum Eintritt von Michael Rauch im Mai 2026 inne. Die Aufsichtsratsmitglieder wählten Rettig zum Interimschef, während die Vorstandskolleginnen Lauren Kjeldsen und Claudine Mollenkopf weiterhin für das operative Geschäft zuständig blieben.
Rettig betonte den breiten Konsens in der Unternehmensführung über die Lage der Branche.
Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter teilen eine Überzeugung: Wir befinden uns in einer strukturellen und wirtschaftlichen Krise unserer Branche.
Regionale Schwerpunkte und Marktreaktion
Evonik strebt eine geografische Expansion außerhalb Europas an und sieht die wichtigsten Wachstumschancen in Asien und Amerika, wo das Management weitere Investitionsprojekte prüft. Am Montagabend traf sich Rettig mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst, um über die Konzernpläne und die regionale Industriestruktur zu sprechen. Die Unternehmensführung gab keine konkreten Finanzzahlen zu den erwarteten Kosteneinsparungen oder Sonderbelastungen im Zusammenhang mit dem Programm bekannt. Die Aktien von Evonik, die im MDax notiert sind, legten am Dienstagmorgen nach der Strategieankündigung um knapp fünf Prozent zu.


