Dublin schließt sich München, Paris und Rom an: Wasserbeschränkungen wegen Hitzewelle und leerer Reserven
Ein sechswöchiges Gartenschlauchverbot trat in der Nacht in Dublin in Kraft, während München seine erste verbindliche Wassersparverordnung erließ – ein Zeichen für eine sich verschärfende Krise auf dem Kontinent nach einem trockenen Winter und Frühling.
Irland handelt, während der Verbrauch steigt
In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli trat in Dublin und Teilen Ostirlands eine sechswöchige „Wasserschutzverordnung“ in Kraft. Der staatliche Versorger Uisce Éireann teilte mit, dass die Pegel von Flüssen und Stauseen sinken, während der private Wasserverbrauch landesweit rund 20 % über dem Normalwert liegt. In Großraum Dublin erreichte der tägliche Verbrauch zuletzt 693 Millionen Liter, etwa 50 Millionen über dem Durchschnitt. Das Bewässern von Gärten, Autowaschen und das Befüllen großer Schwimmbecken mit einem Schlauch sind nun verboten, ebenso das Nachfüllen von Zierteichen und Springbrunnen. Fischteiche sind ausgenommen. Nennenswerter Regen ist nicht in Sicht.
Nennenswerter Regen ist vorerst nicht in Sicht.
Deutschland sieht sich einer neuen Normalität gegenüber
Rund 80 deutsche Gemeinden erlassen nach Angaben des Deutschen Städtetages jeden heißen Sommer Allgemeinverfügungen, die die Nutzung von Trink- oder Grundwasser einschränken und die Entnahme aus Flüssen und Seen vorübergehend verbieten. In München gilt seit dem 14. Juli eine rechtsverbindliche Anordnung – die erste in der Geschichte der Stadt –, die Privathaushalten verbietet, Pools zu füllen, Rasen zu sprengen oder Wasser aus Seen und Bächen zu pumpen. Bußgelder können bis zu 50.000 Euro betragen. Oberbürgermeister Dominik Krause erklärte, die Ressourcen stünden bereits nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling unter außergewöhnlicher Belastung. Die Stadt strebt eine Reduzierung des Verbrauchs um rund 20 % an. Privathaushalte machen etwa zwei Drittel des Münchner Wasserverbrauchs aus.
Nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling sind die Ressourcen der Münchner Wasserversorgung derzeit äußerst strapaziert.
Frankreich und Italien verschärfen die Regeln
Frankreich kämpft nach der dritten Hitzewelle mit weit verbreiteter Trockenheit. Beschränkungen gelten nicht nur im Süden, sondern auch im Grenzdépartement Moselle, wo der Präfekt bis Ende August Einschränkungen verhängte. In Italien haben Regionen wie die Toskana und Latium die Nutzung von Trinkwasser zur Gartenbewässerung, Autoreinigung und Poolbefüllung verboten.
Forderung nach gewerblichen Abgaben
Deutsche Spitzenpolitiker nutzten den Moment, um strukturelle Veränderungen anzumahnen. Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, sagte der Funke-Mediengruppe, Wasser sei keine unbegrenzte Ressource mehr. Er forderte Bund und Länder auf, einheitliche Entnahmegebühren für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft zu schaffen, die Privathaushalte ausdrücklich ausnehmen. Die Grünen-Vorsitzende Britta Haßelmann erklärte, Unternehmen, die große Mengen Wasser förderten, müssten Verantwortung übernehmen, und bundesweite Regeln sollten sicherstellen, dass Trinkwasser stets Vorrang habe.
Trinkwasser für Menschen muss immer Vorrang haben. Es ist keine Ware wie jede andere.
Wie es weitergeht
Die irischen Beschränkungen sind auf sechs Wochen ausgelegt. In Deutschland, so der Präsident des Deutschen Landkreistages, Achim Brötel, setzten die Kommunen zunächst auf den gesunden Menschenverstand der Bürger. Die Debatte über Entnahmegebühren dürfte sich verschärfen, wenn die Umweltminister der Länder im Spätsommer zusammentreffen.
- München erlässt erste Allgemeinverfügung zur Einschränkung des privaten Wasserverbrauchs; Bußgelder bis zu 50.000 Euro eingeführt.
- Sechswöchige 'Wasserschutzverordnung' beginnt in Dublin und Ostirland.
- Die Beschränkungen im französischen Département Moselle laufen derzeit Ende August aus.


