
Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt auf 1.450 – Retter bergen Vater und Sohn vier Tage nach der Katastrophe lebend aus den Trümmern
Suchmannschaften mit Spürhunden finden am Sonntag weiterhin Überlebende, nachdem am Mittwoch zwei schwere Erdbeben Venezuela erschütterten. Die bestätigte Zahl der Todesopfer stieg auf 1.450, während die UNO von schätzungsweise 50.000 Vermissten ausgeht.
Das Ausmaß der Katastrophe
Zwei aufeinanderfolgende Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 erschütterten am Mittwoch Venezuela und verursachten entlang der Nordküste weitreichende Zerstörung. Bis Sonntag gab der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, bekannt, dass die Zahl der Todesopfer 1.450 erreicht habe. Insgesamt wurden 774 Gebäude beschädigt, 189 davon stürzten vollständig ein. Die Vereinten Nationen schätzen, dass rund 50.000 Menschen vermisst werden, während die venezolanischen Behörden von einigen hundert Vermissten ausgehen.
Die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf 1.450 Menschen, Frauen und Männer, die bei der brutalsten Naturkatastrophe, die unser Land je erlitten hat, ums Leben gekommen sind.
Eine dramatische Rettung in Caraballeda
Fast vier Tage nach den Beben wurden ein Vater und sein jugendlicher Sohn in Caraballeda, einer Küstenstadt nördlich von Caracas, lebend aus den Trümmern geborgen. Rettungsteams aus den USA und Frankreich trugen das Paar auf Tragen einen Berg aus Schutt hinunter, beide nackt, mit Staub bedeckt und sichtlich geschockt. Der Teenager, der Blut am rechten Knie und eine bandagierte rechte Hand hatte, wurde zuerst geborgen, gefolgt von seinem Vater, der bereits medizinisch versorgt worden war.
- Zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 erschüttern Venezuela.
- Die Zahl der Todesopfer erreicht 1.450; 774 Gebäude beschädigt, 189 eingestürzt.
- Vater und jugendlicher Sohn werden in Caraballeda lebend aus den Trümmern geborgen.
- Geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez verlängert Schulschließungen um eine Woche.
Wut über die Reaktion des Militärs
In Caraballeda kochte die Frustration über, als Anwohner venezolanische Soldaten konfrontierten, die tatenlos danebengestanden hatten. Eine Gruppe von Einheimischen zwang die Truppen, Spitzhacken und Schaufeln zu nehmen und sich an den Räumungsarbeiten zu beteiligen. Der freiwillige Helfer Alexander Mijares, ein 26-jähriger Ladenbesitzer, beschrieb die Szene.
Meine Empörung rührt daher, dass ein General mit etwa zwanzig bewaffneten Soldaten ankam und sie an einer Wand kleben blieben. Wir mussten eine tote Person rausholen und sie standen einfach nur da, ruhig, in einer Ecke.
Die Soldaten begannen später, von Hand Schutt zu räumen. Das Militär, das unter den früheren Präsidenten Hugo Chávez und Nicolás Maduro lange ein privilegierter Machtpfeiler war, ist wegen seiner langsamen Reaktion scharf kritisiert worden.
Die Suche geht in der gesamten Region weiter
Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez erklärte am Sonntagabend, dass die Such- und Rettungsaktionen nicht ausgesetzt würden, und verlängerte die Schulschließungen um eine weitere Woche. In La Guaira, einem der am stärksten betroffenen Gebiete, suchte Héctor Aguilera nach vier Familienmitgliedern, die seit Mittwoch verschüttet waren. Zwei weitere Verwandte waren zuvor gerettet worden.
Wir haben keine Mittel, um unsere Familie da rauszuholen. Wir schaffen das nicht allein. Sie sind da unten begraben: Wir wissen, dass sie tot sind, aber wir sind hier. Wir haben keine Hoffnung mehr. Mir bleiben nur noch Erinnerungen.
Im Stadtteil San Bernardino von Caracas kletterten freiwillige Retter auf ein eingestürztes Gebäude, bohrten mit Bohrern in Beton und bildeten menschliche Ketten, um Schutt von Hand zu entfernen. In Chacao zeigten elektronische Werbetafeln, die normalerweise für Werbung genutzt werden, die Gesichter vermisster Personen, um diese zu lokalisieren.
Ein Land in der Krise
Venezuela steckt seit Jahren in einer Wirtschaftskrise und politischen Unruhen. Der frühere Präsident Nicolás Maduro wurde im Januar von US-Streitkräften gefangen genommen, und das Land ist nun stark auf internationale Hilfe angewiesen. Rettungsteams aus den USA und Frankreich gehören zu den führenden Suchtrupps, während ein salvadorianischer Retter anmerkte, dass die meisten Leichen zwar leblos seien, aber dennoch manchmal Überlebende gefunden werden könnten.


