
Wettlauf gegen die Zeit in Venezuela: 33 aus Trümmern geborgen, Zahl der Toten steigt auf über 1.400
Vier Tage nach zwei schweren Erdbeben im Norden Venezuelas haben Rettungsteams 33 Menschen lebend aus eingestürzten Gebäuden geborgen. Doch die Wut über eine aus Sicht vieler unzureichende Regierungsreaktion wächst.
Zahl der Toten und Verwüstung
Zwei schwere Erdbeben trafen Venezuela in der Nacht zum Mittwoch, 24. Juni, und ließen Gebäude in Caracas und entlang der Nordküste einstürzen. Die Angaben der Regierung zur Zahl der Toten variieren: Die jüngste offizielle Bilanz, auf die sich SIC Notícias beruft, beziffert die Opferzahl auf 1.430, während andere Berichte von 1.450 Toten sprechen. Tausende weitere wurden verletzt, Schätzungen zufolge zwischen 3.150 und 3.360 Verwundete. An manchen Orten graben Bewohner mit bloßen Händen und warten auf schwere Maschinen, die noch nicht eingetroffen sind.
Die Rettung der Menschen, die noch am Leben sind, hat für uns Priorität.
Rettungsarbeiten gegen die Zeit
Mehr als 14.000 venezolanische Soldaten und Polizisten sind im Einsatz, unterstützt von rund 1.000 Rettern aus anderen Nationen. Bis Sonntag, den 28. Juni, bestätigte die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez, dass 33 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen wurden. Darunter sind ein neun Monate alter Säugling und seine Mutter, die am 27. Juni von einem amerikanischen Team gerettet wurden; ein elfjähriger Junge, der nach 76 Stunden unter Betonplatten in Caraballeda befreit wurde; und eine 60-jährige Frau, die nach 86 Stunden geborgen wurde – eine Rettung, die von El Salvadors Präsidenten Nayib Bukele bekannt gegeben wurde. Das Überschreiten der 72-Stunden-Marke hat die Hoffnung schwinden lassen, aber die Teams arbeiten weiter gegen die Uhr.
- Zwei schwere Erdbeben treffen nachts den Norden Venezuelas und verursachen weitreichende Gebäudeeinstürze.
- Über 14.000 venezolanische Militär- und Polizeikräfte werden zusammen mit 1.000 internationalen Rettern eingesetzt.
- Ein amerikanisches Rettungsteam birgt einen neun Monate alten Säugling und seine Mutter lebend aus den Trümmern.
- Ein elfjähriger Junge wird in Caraballeda nach 76 Stunden Verschüttung gerettet.
- Eine 60-jährige Frau wird nach 86 Stunden gerettet, bekannt gegeben von El Salvadors Präsident Nayib Bukele.
- Die Regierung meldet bisher 33 gerettete Überlebende; die Zahl der Toten wird auf 1.430 bis 1.450 geschätzt.
Frustration über die Reaktion der Regierung
In La Guaira und Caracas beschreiben viele Venezolaner eine staatliche Reaktion, die bei weitem nicht ausreicht. Angehörige von Vermissten warten vor eingestürzten Gebäuden, hören manchmal Stimmen unter den Trümmern, können aber nicht helfen. Ein Familienmitglied von Carlos Eduardo, einem 31-jährigen Mann, der in La Guaira noch immer eingeschlossen ist, sagte der BBC, man wisse, wo er sei, aber es fehle an Mitteln, um ihn zu befreien. In Caraballeda berichtete die freiwillige Helferin Mileidy Romero, sie habe Leichen gesehen, darunter neugeborene Babys, die nicht geborgen worden seien. „Worauf warten sie?“, fragte sie.
Wir sind alle sehr frustriert, weil die Regierung nicht das bietet, was sie sollte: ernsthafte Hilfe.
Gesundheitssystem am Rande des Zusammenbruchs
Die Beben haben eine bereits bestehende Gesundheitskrise verschärft. Krankenhäuser in den betroffenen Gebieten sind beschädigt, Notaufnahmen überfüllt, es mangelt an Betten, Grundversorgungsgütern und Medikamenten. Patienten müssen oft ihre eigenen Lebensmittel und Medikamente mitbringen – Güter, die nach der Katastrophe noch knapper und teurer geworden sind. Internationale Hilfe und lokale Solidarität haben die Einrichtung von Feldlazaretten ermöglicht, aber das öffentliche Gesundheitssystem steht aufgrund häufiger Strom- und Wasserausfälle kurz vor dem Zusammenbruch.
Internationale Hilfe und Solidarität
24 Länder haben direkte Hilfe geschickt, darunter die Vereinigten Staaten, Spanien, Portugal und El Salvador. Portugiesische Freiwillige in Aveiro sammeln Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs, die Anfang Juli nach Venezuela verschifft werden sollen. Eine portugiesische Rettungsmission ist bereits vor Ort im Einsatz. Unter den Toten befinden sich mindestens 51 portugiesische Staatsbürger und Menschen portugiesischer Abstammung. Solidaritätskampagnen vervielfachen sich, aber die Behörden räumen ein, dass die endgültige Zahl der Opfer noch steigen könnte, da rund 50.000 Menschen weiterhin unerreichbar sind.


