
Deutschland legt 160-seitigen Infraplan zur Modernisierung des Schienennetzes bis 2030 vor
Das Bundesministerium für Verkehr hat in Berlin den Infraplan 2026 vorgestellt und damit verbindliche Leistungsindikatoren festgelegt, die die Sanierung und den Ausbau des Schienennetzes bis 2030 steuern sollen.
Fünfjahresrahmen für das Schienennetz
Das Bundesministerium für Verkehr stellte am Dienstag in Berlin den Infraplan 2026 vor und formulierte darin Ziele für Instandhaltung, Digitalisierung und Ausbau des nationalen Schienennetzes zwischen 2026 und 2030. Das 160 Seiten starke Dokument etabliert ein einheitliches System aus acht verbindlichen Steuerungskennzahlen für die bundeseigene Bahninfrastrukturtochter DB InfraGO. Diese Indikatoren erfassen jährlich neu gebaute Gleiskilometer, Elektrifizierungsquoten, Lärmsanierungsmaßnahmen sowie Verspätungen, die durch Infrastrukturausfälle verursacht werden. Zu den konkreten Zielmarken gehört der Bau von 155 neuen Gleiskilometern bis 2030. Nach dem Vorbild mehrjähriger Planungssysteme in Österreich und der Schweiz koordiniert die Strategie Baumaßnahmen über das gesamte Schienennetz hinweg, statt einzelne regionale Projekte isoliert zu bewerten.
Der Bund setzt Ziele und Prioritäten, DB InfraGO setzt sie um, und wir machen transparent, dass wir vorankommen.
Operative Nachverfolgung und Korridorprüfungen
Die Initiative folgt auf erhebliche Betriebsstörungen im Bahnsystem: Im September 2026 verzeichnete fast die Hälfte aller Fernverkehrszüge Verspätungen, Ursache waren umfangreiche Ausfälle von Anlagen und Infrastruktur. Die bisherige Strategie der Regierung setzte auf vollständige Korridorsperrungen für umfassende Sanierungen, doch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger zeigte sich unzufrieden, nachdem wiedereröffnete Strecken weiterhin technische Störungen aufwiesen. Daher wurden die Zielwerte für sanierte Korridorkilometer zwischen 2027 und 2030 zurückgehalten, während das übergreifende Modell der Korridorsanierung überarbeitet wird. Beamte rechnen damit, dass in den kommenden Jahren weniger Streckenkorridore für eine gleichzeitige Erneuerung gesperrt werden, um einen flächendeckenden Stillstand im Netz zu verhindern.
- Das Bundesverkehrsministerium stellt den 160-seitigen Infraplan 2026 in Berlin vor
- Zieldatum für das Inkrafttreten der neuen Leistungsvereinbarung mit DB InfraGO
- Geplante gesetzliche Verankerung des gesamten Infrastrukturkonzepts im Bundesrecht
- Geplanter Start des eigenen Bundesfonds für Schieneninfrastruktur
- Zieltermin für 155 neu gebaute Gleiskilometer
- Horizont für den abgestimmten bundesweiten Deutschlandtakt
Haushaltskoordinierung und Finanzierungsstruktur
Der Parlamentarische Staatssekretär Ulrich Lange betonte, der Infraplan fungiere als Steuerungsleitlinie und nicht als eigenständige Finanzierungszusage. Die tatsächliche Umsetzung der Projekte bleibe an die jährlichen Haushaltsmittel gebunden, die das Bundesparlament bewilligt. Zur Stabilisierung der künftigen Finanzierung bereitet die Regierung eine Leistungsvereinbarung mit DB InfraGO vor, die zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Zudem plant der Bund, den Planungsrahmen 2027 gesetzlich im Bundesrecht zu verankern und bis Januar 2028 einen operativen Schieneninfrastrukturfonds einzurichten. Die gesamten Bahninvestitionen sollen in der laufenden Legislaturperiode 100 Milliarden Euro übersteigen und knüpfen an zuletzt gestiegene Pro-Kopf-Ausgaben des Bundes an.
- 2023
- 115 EUR
- 2025
- 222 EUR
Reaktionen aus Industrie und Gewerkschaften
Vertreter der Branche und Verkehrsverbände reagierten mit eingeschränkter Zustimmung und forderten zugleich verbindliche finanzielle Absicherung. Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, erklärte, der Rahmen schaffe die nötige Transparenz für die Betreiber, mahnte aber schnellere Fortschritte bei der Streckenelektrifizierung an. Nele Wesseln vom Güterbahnverband Die Güterbahnen warnte, ohne gesetzliche Garantien, ein definiertes Zielnetz und dauerhafte Haushaltslinien drohe die Roadmap zu einem unerfüllten Papier zu werden. Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Martin Burkert, bezeichnete die Veröffentlichung als überfällige Maßnahme und erklärte, die jahrelange Vernachlässigung durch den Bund habe die Gleisinfrastruktur für Fahrgäste wie Güterverkehrsunternehmen gleichermaßen unzuverlässig gemacht.
Klare Prioritäten schaffen die Grundlage für effektive Planung und Umsetzung.

