BSW will AfD-Abgeordneten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt wählen
Die Abgeordneten in Sachsen-Anhalt kommen am Dienstag zusammen, um ein neues Landtagspräsidium zu wählen. Fünf BSW-Abgeordnete wollen dem AfD-Kandidaten die für eine Mehrheit erforderlichen 42 Stimmen geben.
Präsidiumskandidaten und parlamentarische Arithmetik
Die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt hat Tobias Rausch einstimmig für das Amt des Landtagspräsidenten und Hans-Thomas Tillschneider für das Amt des Vizepräsidenten nominiert, bevor am Dienstag die konstituierende Sitzung in Magdeburg beginnt. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner gab die Entscheidungen nach einer Fraktionssitzung bekannt. Tillschneider, ein Islamwissenschaftler, der als stellvertretender Landes- und Fraktionsvorsitzender fungiert, führte zuvor die rechtsextreme Gruppierung „Flügel“ an und hat mit früheren parlamentarischen Provokationen für Aufsehen gesorgt.
Die AfD verfügt nach einem Wahlergebnis von fast 44 Prozent über 39 Sitze im Landtag. Die Fraktionen von CDU, Linke, SPD und Grünen kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze, während das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) 5 Sitze hält. Da für eine Mehrheit in der 83 Sitze umfassenden Kammer 42 Stimmen erforderlich sind, halten die 5 BSW-Abgeordneten das entscheidende Zünglein an der Waage, um Rausch zu bestätigen.
- AfD
- 39 Sitze
- CDU, Linke, SPD, Grüne
- 39 Sitze
- BSW
- 5 Sitze
BSW-Position und konkurrierende Präsidiumskandidaten
Das BSW in Sachsen-Anhalt bestätigte, dass seine Abgeordneten in der konstituierenden Sitzung am Dienstag für Rausch stimmen werden. Die Partei erklärte, die AfD sei mit fast 44 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden, und die Geschäftsordnung des Landtags weise das Präsidentenamt der größten Fraktion zu. Kirchner erklärte, die AfD habe vom BSW noch keine Hinweise darauf erhalten, ob es auch Tillschneider für das Amt des Vizepräsidenten unterstützen werde.
Andere politische Gruppen nominierten eigene Kandidaten für die Vizepräsidentenposten des Präsidiums. Die CDU wählte den bildungspolitischen Sprecher Carsten Borchert aus, während die SPD Wissenschaftsminister Armin Willingmann nominierte. Tobias Rausch, der nicht mit rechtsextremen Äußerungen aufgefallen ist, sich aber auch nicht gegen rechtsextreme Positionen innerhalb seiner Partei gestellt hat, steht mit BSW-Unterstützung vor der Übernahme des Präsidentenamts.
Bundesweite Kritik von Grünen und Linken
Die geplante Abstimmung stieß bei führenden Bundespolitikern in Berlin auf scharfe Kritik. Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak erklärte, das BSW ermögliche der AfD die Machtübernahme, ohne dass diese selbst eine absolute Mehrheit habe, und merkte an, was als Wahlalternative zur AfD begonnen habe, sei zu einer Initiative für sie geworden.
Zum ersten Mal seit 1945 steht ein Rechtsextremist an der Spitze eines deutschen Parlaments.
Banaszak kündigte an, dass er und Mitglieder des Grünen-Bundesvorstands am Dienstag nach Magdeburg reisen werden, um an öffentlichen Demonstrationen gegen die Abstimmung teilzunehmen.
Denen, die dort morgen grinsen werden, sage ich: Freut euch nicht zu früh. Ihr bekommt nicht unsere Angst, ihr bekommt nicht unsere Resignation und unseren Fatalismus, sondern unseren demokratischen Widerstand.
Verfassungsschutz-Einstufung und Abstimmungshaltung
Der Linke-Bundesvorsitzende Luigi Pantisano schloss sich der Kritik an und bezeichnete die Zusammenarbeit in Magdeburg als Warnsignal für die deutsche Politik insgesamt.
Was diese Woche in Sachsen-Anhalt geschieht, ist eine Warnung für das ganze Land.
Der Landesverfassungsschutz stuft die AfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistische Organisation ein. Während Grüne, SPD und Linke erklärten, den AfD-Kandidaten abzulehnen, empfahl CDU-Fraktionschef Sven Schulze den CDU-Abgeordneten, sich bei der Präsidentenwahl zu enthalten.
- AfD-Fraktion nominiert Tobias Rausch und Hans-Thomas Tillschneider
- Landtag tritt in Magdeburg zusammen, um das Landtagspräsidium zu wählen

