Migration · Ceuta und Madrid

Amnesty dokumentiert 50 mutmaßliche Übergriffe von Soldaten und Polizisten auf Migranten in Ceuta

Amnesty International meldet 28 neue Fälle aus einem Besuch im Oktober, 22 davon unter Beteiligung von Militärangehörigen, und erklärt, 18 Vorfälle hätten sich ereignet, nachdem Spaniens Verteidigungsministerium eine interne Untersuchung angekündigt hatte.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Notícias ao Minuto, RTVE.es, eldiario.es und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

Für MitgliederDie ersten 30 Sekunden zum Probehören. Synthetische Stimme (KI).

Kurz gefasst

Ceuta, Madrid · Spanien
Wie es dazu kam
  1. 30.09.Amnesty veröffentlicht ihre erste Untersuchung zu den mutmaßlichen Übergriffen.
  2. 23.–26. Oktober 2026Amnestys zweiter Feldforschungsbesuch in Ceuta dokumentiert 28 neue Fälle.
  3. 5.11.Amnesty erhöht die Gesamtzahl der dokumentierten Fälle auf 50.

Fünfzig Fälle und ein systematisches Muster

Amnesty International (AI) hat die Zahl der dokumentierten Fälle mutmaßlicher Übergriffe von Militärangehörigen und Sicherheitskräften auf Migranten in Ceuta seit dem 30. Juli, als Tausende Menschen irregular in die autonome Stadt gelangten, auf 50 erhöht. Die Organisation ergänzte 28 neue Fälle zu den 22, die sie in ihrer ersten, Ende September veröffentlichten Untersuchung gemeldet hatte. Die neuen Fälle stammen aus Feldforschung zwischen dem 23. und 26. Oktober. AI erklärt, die Misshandlungen hätten angehalten, und beschreibt ein Muster, bei dem Soldaten nachts auf der Straße schlafende Migranten aufsuchen und sie mit Schlagstöcken, Tritten und Faustschlägen wecken.

Wer beschuldigt wird und welche Verletzungen es gab

Von den 28 neuen Fällen betreffen 22 Militärangehörige, sechs die Nationalpolizei und einer die Guardia Civil. AI erklärt, 18 der neuen Vorfälle hätten sich ereignet, nachdem das Verteidigungsministerium eine interne Untersuchung der ersten Berichte angekündigt hatte. Dreizehn der 28 Fälle betreffen Minderjährige. AI gibt an, die Verletzungen anhand von medizinischen Berichten und Zeugenaussagen überprüft zu haben, darunter Frakturen an Gliedmaßen und im Orbitalbereich, genähte Kopfwunden, Prellungen sowie Verletzungen durch Taser-Einsätze und Pfefferspray.

Neue Fälle nach mutmaßlichem Täter, Feldforschung Oktober 2026Fälle
Militärangehörige
22 Fälle
Nationalpolizei
6 Fälle
Guardia Civil
1 Fälle

Daten aus dem Artikeltext

Schilderungen aus dem Besuch im Oktober

Die Organisation dokumentierte die Schilderung eines Vaters von drei Kindern, der angab, am 24. Oktober gegen 3 Uhr morgens auf der Straße Sidi Embarek geweckt und mit Tasern im Brustbereich getroffen worden zu sein. Er habe das Bewusstsein verloren und sich übergeben, niemand habe ihn ins Krankenhaus gebracht, und aus Angst, seine Familie zu beunruhigen, habe er ihr nichts erzählt. Ein 17-Jähriger gab an, Soldaten hätten ihn am 18. und 23. Oktober angegriffen; er zeigte die zehn Stiche, die nach Schlagstockhieben am Kopf nötig waren. Ein 40-jähriger Tunesier erklärte, er sei um 7 Uhr morgens am Strand von Benítez mit einem Faustschlag ins Gesicht getroffen worden, der eine Prellung hinterließ, die zwei Wochen lang das Sehen auf einem Auge beeinträchtigte.

Ermittlungen, Schutz und Kriminalisierung von NGOs

AI erklärt, nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft von Ceuta und dem Verteidigungsministerium wisse sie von keinem Soldaten, gegen den ermittelt werde oder der vom Dienst entfernt worden sei, und von keinem Schutz vor Repressalien für Opfer oder Zeugen. Dem Bericht zufolge eröffneten mehrere Gerichte in Ceuta nach den ersten Erkenntnissen von AI und der Berichterstattung von elDiario.es Ermittlungsverfahren. Esteban Beltrán, Direktor von Amnesty International Spanien, sagte:

„Nachdem das Verteidigungsministerium eine Untersuchung angekündigt hatte, hätte man erwarten können, dass die Misshandlungen aufhören, aber das ist nicht geschehen: Sie halten an.“

Esteban Beltrán, Direktor von Amnesty International Spanien

AI fordert eine schnelle, unparteiische und erschöpfende Untersuchung, die Suspendierung der beteiligten Soldaten sowie straf- und disziplinarrechtliche Verantwortung. Die Organisation schrieb an Ministerpräsident Pedro Sánchez und an den Stadtpräsidenten von Ceuta, Juan Jesús Vivas, und bat sie, die gemeldeten Übergriffe zu untersuchen. Zudem prangert sie die Kriminalisierung von NGOs an, die Migranten helfen, und nennt dabei No Name Kitchen, gegen das wegen des Vorwurfs der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt wird.

Anzeichen für einen möglichen Rückgang

elDiario.es berichtet, mehrere Quellen deuteten auf weniger Übergriffe in der vergangenen Woche hin, da die militärische Präsenz auf den Straßen von Ceuta zurückgegangen sei und Nationalpolizei und Guardia Civil eine größere Rolle bei Razzien gegen Migranten übernommen hätten. Das Medium weist darauf hin, dass Soldaten nur über eine rechtliche Befugnis für Überwachungsaufgaben verfügten, während die Polizei Aufgaben der öffentlichen Sicherheit wahrnehme. Der jüngste Bericht von AI beschreibt dennoch weiterhin ein Muster von Gewalt, die vor allem nachts stattfinde, und seine Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung bleibt bestehen.

Fragen zu diesem Text

Quellen und Kontext

Pollar ist kostenlos und ohne Werbung im Text. Getragen wird es von seinen Mitgliedern.

Pollar unterstützen