Spaniens Verteidigungsministerium leitet Audioaufnahmen von Soldaten, die mit Schlägen gegen Migranten prahlen, an die Justiz weiter
Spaniens Verteidigungsministerium hat die von elDiario.es veröffentlichten Aufnahmen an das Gericht in Ceuta und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Auf dem Audio sind offenbar Stimmen von Soldaten zu hören, die nach dem Massenansturm Ende Juli scherzhaft über Schläge gegen Migranten sprechen.
Ministerium leitet Audio an die Justiz weiter
Spaniens Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, es habe den Bericht von elDiario.es, der Audioaufnahmen von Soldaten enthält, die offenbar mit Schlägen gegen Migranten prahlen, an das zuständige Gericht in Ceuta und an die Staatsanwaltschaft geschickt. Das von Margarita Robles geführte Ministerium fügte den neuen Artikel dem Material bei, das es bereits am 30. September weitergegeben hatte. Es bezeichnete die Aufnahmen als mutmaßlich strafbares Verhalten von in Ceuta eingesetzten Militärangehörigen und erklärte, es habe das Operationskommando (MOPS) gebeten, die individuelle Verantwortung festzustellen.
In seiner Erklärung hieß es:
Die Informationen werden zum geeigneten Zweck und zur Wahrung des guten Rufs der Streitkräfte weitergeleitet.
Was auf den Aufnahmen zu hören ist
Laut elDiario.es wurden in der Nacht vom 21. auf den 22. September drei Stimmen, die offenbar zu wachhabenden Soldaten gehören, mit Handys von Anwohnern aufgezeichnet. Die Männer waren an der Straße neben dem Aufnahmezentrum für Migranten (CETI) nahe dem Viertel Los Rosales stationiert und blieben dort etwa 50 Minuten. In einem Ausschnitt beschreibt ein Sprecher, wie sie einen Migranten dazu brachten, hinter ihrem Fahrzeug stehen zu bleiben, bevor sie ihn überraschend schlugen. In anderen Wortwechseln wird scherzhaft davon gesprochen, Menschen ohne Handschuhe zu schlagen. Aus Verteidigungskreisen heißt es, das Ministerium werte die Aufnahmen noch aus.
Amnesty-Bericht und frühere Weiterleitung
Bereits am 30. September hatte das Ministerium den Bericht von Amnesty International an dasselbe Gericht und dieselbe Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Amnesty erklärte, eine Mission in Ceuta zwischen dem 10. und 15. September habe 22 direkte Zeugenaussagen gesammelt, die Schläge, Schikanen, Demütigungen, Gelddiebstahl sowie die Beschlagnahme oder Zerstörung von Mobiltelefonen beschreiben, die Militärpatrouillen zugeschrieben werden. Die Organisation verwies „insbesondere“ auf Einheiten der Regulares und der Legion und beschrieb ein Muster statt isolierter Vorfälle. Der Bericht nannte weder Opfer noch mutmaßliche Täter. Esteban Beltrán, Direktor von Amnesty International Spanien, reagierte auf die neuen Aufnahmen:
Es handelt sich schlicht um Strafaktionen, die darauf abzielen, Einwanderer zu demütigen. Und in diesem Fall kann es sich eindeutig um Folter, grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung handeln.
Forderungen nach Aufklärung und die Untersuchung
Beltrán sagte, Amnesty habe an die Ministerin geschrieben und um einen Zwischenstand der zuvor vom Verteidigungsministerium angekündigten internen Untersuchung gebeten, einschließlich der Frage, ob sie gründlich sei und ob beteiligte Soldaten vorsorglich suspendiert worden seien. Aus Verteidigungskreisen wurde RNE mitgeteilt, das Ministerium arbeite die Aufnahmen mit der zuständigen Stelle auf, die die im September eingeleitete Untersuchung führe. Die Enthüllungen würden diese laufende Untersuchung grundsätzlich nicht beeinflussen, und das Ministerium stehe weiterhin in ständigem Kontakt mit dem Operationskommando, das die Einheiten in Ceuta beaufsichtige. Der Verband der Soldaten und Marinesoldaten, ATME, forderte, die Unschuldsvermutung zu respektieren und zu prüfen, ob die Stimmen tatsächlich von Soldaten stammen. Sein Präsident Marco Antonio Gómez sagte, wer das Gesetz breche, habe in den Streitkräften keinen Platz, und verlangte dieselbe Schnelligkeit bei der Untersuchung von Angriffen auf Soldaten.
Kontext und offene Fragen
elDiario.es berichtet, Dutzende Migranten hätten seit Monaten Schläge und erniedrigende Behandlung durch Militärpatrouillen angezeigt, unter Berufung auf Zeugenaussagen, Fotos, medizinische Berichte und Videos, die die Redaktion nach eigenen Angaben überprüft hat. Die Misshandlungsvorwürfe betreffen Migranten, die beim Massenansturm Ende Juli aus Marokko kamen. Der zeitliche Ablauf des Falls ist unten dargestellt.
- Mission von Amnesty International in Ceuta sammelt 22 Zeugenaussagen
- Nacht, in der die Aufnahmen nach Angaben nahe dem CETI entstanden sein sollen
- Verteidigungsministerium leitet Amnesty-Bericht an Gericht und Staatsanwaltschaft in Ceuta weiter
- Verteidigungsministerium leitet Bericht und Audio von elDiario.es an dasselbe Gericht und dieselbe Staatsanwaltschaft weiter
Die Erklärung des Ministeriums lässt offen, ob ein Soldat identifiziert wurde. Zu den offenen Fragen gehören die Echtheit und Herkunft der Aufnahmen, die laut ATME überprüft werden müssen, sowie das Ergebnis der vom Ministerium angeordneten Untersuchungen.