Die britische Regierung hat die geplante Übergabe des Chagos-Archipels an Mauritius auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund für die Suspendierung des Milliarden-Vertrags ist der fehlende Rückhalt durch US-Präsident Donald Trump.
Kurswechsel in London
Die britische Regierung setzt den Vertrag zur Rückgabe der Chagos-Inseln aus, da die notwendige Unterstützung durch US-Präsident Donald Trump fehlt.
Finanzielle Folgen
Das Abkommen sah Zahlungen in Höhe von insgesamt 3,4 Milliarden Pfund an Mauritius vor, die nun vorerst nicht geleistet werden.
Strategische Bedeutung
Der Stützpunkt Diego Garcia bleibt unter britischer Verwaltung, da Washington den Souveränitätswechsel für das restliche Archipel ablehnt.
Die Vereinigten Staaten haben Pläne Großbritanniens zur Rückgabe der Chagos-Inseln an Mauritius am 11. April 2026 ins Stocken gebracht, nachdem US-Präsident Donald Trump seine Unterstützung verweigerte. Ein Sprecher von Premierminister Keir Starmer bestätigte die Entscheidung und erklärte, London sei weiterhin davon überzeugt, dass das Abkommen der beste Weg zur langfristigen Sicherung des Militärstützpunkts Diego Garcia sei. Man habe das weitere Vorgehen jedoch stets von der Unterstützung Washingtons abhängig gemacht. Der Gesetzentwurf hätte beide Kammern des Parlaments vor dem Ende der laufenden Sitzungsperiode im Mai passieren müssen, doch es wird nicht erwartet, dass das Vorhaben in der Thronrede des Königs zur Festlegung der nächsten Regierungsagenda enthalten sein wird. Trump, der die Vereinbarung zunächst zu akzeptieren schien, änderte später seinen Kurs und verurteilte sie öffentlich als „großen Fehler“ und bezeichnete das Vorgehen Londons als „große Dummheit“. Ehemaliger Spitzendiplomat sieht keine AlternativeSimon McDonald, der von 2015 bis 2020 als ranghöchster Beamter im Foreign Office tätig war, sagte, der Regierung bleibe „keine Wahl“, als das Abkommen auf Eis zu legen. McDonald erklärte im „Today“-Programm von BBC Radio 4, dass das Vereinigte Königreich zwei Ziele gleichzeitig verfolgt habe – die Einhaltung des Völkerrechts und die Stärkung der Beziehungen zu den USA. Ein offen feindseliger amerikanischer Präsident mache es unmöglich, beides zu vereinen. Er wies darauf hin, dass der Internationale Gerichtshof bereits 2019 empfohlen hatte, den Archipel an Mauritius zurückzugeben, was die Minister an einen Kurs band, den Trump nun untergraben habe. McDonald warnte zudem vor einem globalen Wandel politischer Normen: Die USA führten nun eine „Stimmung der Missachtung des Völkerrechts“ an, die Russland und China zwar schon lange praktizierten, Washington jedoch bisher nicht. Den ungelösten Disput beschrieb er als Überbleibsel aus der Kolonialzeit, das nun noch länger andauern werde. Da London zudem keinen formellen Notenaustausch aus Washington erhalten hatte – ein technisch notwendiger Schritt für das Inkrafttreten des Vertrags –, fehlte die rechtliche Grundlage. „Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten offen feindselig eingestellt ist, muss die Regierung umdenken. Daher wird dieses Abkommen, dieser Vertrag, vorerst auf Eis gelegt.” — Simon McDonald via BBC Radio 4 Mauritius kündigt rechtliche Schritte an, Chagossianer fühlen sich im Stich gelassenDer mauritische Außenminister Dhananjay Ramful reagierte auf die Aussetzung mit der Ankündigung, sein Land werde alle verfügbaren diplomatischen und rechtlichen Wege ausschöpfen. „Wir werden keine Mühen scheuen, um jeden diplomatischen oder rechtlichen Weg zu nutzen, um den Dekolonisierungsprozess in diesem Teil des Indischen Ozeans abzuschließen.” — Dhananjay Ramful via France 24 Ramful bezeichnete die Angelegenheit als eine Frage der Gerechtigkeit. Mauritius prüft bereits rechtliche Instrumente gegen London infolge der Intervention Trumps im Vormonat. Auch die Gemeinschaft der Chagossianer, von denen zwischen den 1960er-Jahren und 1973 etwa 2.000 vertrieben wurden, um Platz für den Stützpunkt zu schaffen, zeigte sich enttäuscht. Toby Noskwith, Sprecher der Gruppe „Indigenous Chagossian People“, kritisierte, dass die Betroffenen stets übergangen wurden. „Wir sind fassungslos, dass es so weit gekommen ist. Dies wurde hauptsächlich als Problem zwischen Staaten dargestellt, aber die Menschen, die dabei verloren gingen, sind die Chagossianer, insbesondere die Älteren und Überlebenden.” — Toby Noskwith via Reuters Noskwith hinterfragte zudem die hohen Summen, die für Verhandlungen ohne Ergebnis ausgegeben wurden. 3,4 Milliarden Pfund und die strategische Bedeutung von Diego GarciaDas im Mai 2025 unterzeichnete Abkommen sah vor, dass das Vereinigte Königreich die Souveränität über den Chagos-Archipel an Mauritius zurückgibt, während es Diego Garcia für 99 Jahre pachtet, um den Militärstützpunkt zu erhalten. 3.4 (Milliarden Pfund) — Gesamtzahlungen an Mauritius über 100 Jahre im Rahmen des Deals Mauritius hätte jährliche Zahlungen von rund 101 Millionen Pfund erhalten, was sich über die Pachtdauer auf 3,4 Milliarden Pfund summiert hätte. Diego Garcia diente als entscheidender Ausgangspunkt für Militäroperationen in den Irak-Kriegen sowie in Afghanistan. Die strategische Relevanz wurde jüngst im Konflikt mit dem Iran deutlich: Laut Berichten von Politico soll der Iran zwei ballistische Raketen auf Diego Garcia abgefeuert haben, die ihr Ziel jedoch verfehlten. Die Aussetzung des Deals spiegelt auch Spannungen im britisch-amerikanischen Verhältnis wider. Premierminister Starmer hatte die Unterstützung für US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran abgelehnt und die Nutzung britischer Stützpunkte durch Washington auf rein defensive Operationen beschränkt. Regierungskreise bezeichneten die Lage als „zutiefst frustrierend“, betonten jedoch, dass die Gespräche mit Washington und Mauritius fortgesetzt würden.Chagos-Inseln-Abkommen: Vereinbarte Bedingungen vs. aktueller Status: Souveränitätsübertragung (before: Vereinbart: Rückgabe des Archipels durch UK an Mauritius, after: Ausgesetzt: Gesetz wird vor Ende der Sitzungsperiode im Mai 2026 nicht verabschiedet); Pachtvertrag Diego Garcia (before: Vereinbart: 99-jähriger Pachtvertrag (UK/USA) mit Verlängerungsoption, after: Ungeklärt: Formeller Notenaustausch der USA nie erfolgt); Finanzielle Bedingungen (before: Vereinbart: 101 Mio. GBP jährlich, 3,4 Mrd. GBP über 100 Jahre, after: Ausgesetzt: Zahlungen werden nicht aufgenommen)
Mentioned People
- Keir Starmer — Brytyjski polityk i prawnik, premier Wielkiej Brytanii od 2024 roku
- Donald Trump — Amerykański polityk i biznesmen, 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
- Dhananjay Ramful — Polityk z Mauritiusa, minister spraw zagranicznych od 2024 roku
- Simon McDonald — Były stały sekretarz w brytyjskim Ministerstwie Spraw Zagranicznych
- Toby Noskwith — Rzecznik grupy kampanijnej rdzennych mieszkańców Czagos
Sources: 46 articles
- UK freezes deal to return Chagos Islands to Mauritius (Deutsche Welle)
- Sous pression de Donald Trump, Londres va suspendre la restitution des îles Chagos à Maurice (France 24)
- Londres suspend son accord sur les Chagos, "un revers embarrassant" pour Keir Starmer (Courrier international)
- UK puts Diego Garcia handover on hold to appease Trump (POLITICO)
- Maurícia promete recuperar arquipélago de Chagos após suspensão (Notícias ao Minuto)
- Großbritannien legt Rückgabe-Plan für Chagos-Inseln wegen US-Kritik auf Eis (stern.de)
- UK has 'no choice' but to shelve Chagos Islands deal (RTE.ie)
- Regatul Unit suspendă restituirea Insulelor Chagos către Mauritius, din cauza opoziţiei lui Trump (G4Media.ro)
- L'île Maurice promet de récupérer l'archipel des Chagos, où se trouve une base américano-britannique (Mediapart)
- Face à l'opposition de Trump, Londres suspend la restitution des Chagos à Maurice (Mediapart)