Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat am Donnerstag, 26. März 2026, ein weitreichendes Paket zur Senkung der Kraftstoffpreise vorgestellt. Vorgesehen sind niedrigere Mehrwert- und Verbrauchsteuern sowie ein täglicher Höchstpreis für Kraftstoff. Die Regierung rechnet mit einem Rückgang der Preise an den Zapfsäulen um rund 1,2 polnische Zloty je Liter.
Steuersenkungen auf Kraftstoffe
Die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel soll von 23 Prozent auf 8 Prozent sinken; die Verbrauchsteuer wird auf EU-Mindestniveau gesenkt.
Monatliche Belastung für den Haushalt
Andrzej Domański beziffert die Kosten auf 900 Millionen Zloty pro Monat für die Mehrwertsteuer und 700 Millionen Zloty für die Verbrauchsteuer.
Dynamische Preissteuerung
Der Energieminister soll täglich einen Höchstpreis für Kraftstoff festlegen, um auf die Marktlage zu reagieren.
Folgen des Nahostkriegs
Die Regierung reagiert auf gestiegene Öl- und Kraftstoffpreise nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran am 28. Februar 2026.
Mögliche Gegenfinanzierung
Eine Übergewinnsteuer für Kraftstoffunternehmen soll geprüft werden, um die Mindereinnahmen teilweise auszugleichen.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat am Donnerstag, 26. März 2026, ein umfassendes Paket zur Intervention bei den Kraftstoffpreisen angekündigt. Die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel soll von 23 Prozent auf 8 Prozent sinken, zudem soll die Verbrauchsteuer auf das nach EU-Recht zulässige Minimum zurückgeführt werden. An den Tankstellen sollen die Preise dadurch um etwa 1,2 polnische Zloty je Liter fallen. Das Paket mit dem Namen CPN (Ceny Paliw Niżej) — auf Deutsch etwa „Kraftstoffpreise niedriger“ — wurde bei einer außerordentlichen Sitzung des Ministerrats vorgestellt, die am Donnerstagnachmittag einberufen worden war. Tusk bezeichnete das Vorhaben als „den massivsten Vorschlag, den man sich vorstellen kann“, wenn es um staatliche Eingriffe gehe. Besonders auffällig ist die Einführung eines täglichen Höchstpreises für Kraftstoff, der vom Energieminister festgelegt werden soll. Tusk räumte ein, dass dies „immer mit großer Vorsicht“ geschehen müsse, erklärte aber, die Regierung halte den Schritt für notwendig. Der Ministerpräsident versicherte zugleich, dass es keine Gefahr von Kraftstoffengpässen gebe. „Polen ist bei der Versorgung sicher“, sagte er.
„Wir müssen aus Sicht jedes Verbrauchers die niedrigstmöglichen Kraftstoffpreise sicherstellen. Zugleich mussten wir dafür sorgen, dass sich dabei niemand an den Taschen der Polen bereichert.” — Donald Tusk via Business Insider
Haushalt verliert monatlich 1,6 Milliarden Zloty Minister der Finanzen und der Wirtschaft Andrzej Domański legte auf der Pressekonferenz am Donnerstag die genauen fiskalischen Kosten des Pakets dar. Allein die Senkung der Mehrwertsteuer werde den Staatshaushalt monatlich 900 Millionen Zloty kosten, sagte er. Die Absenkung der Verbrauchsteuer komme mit weiteren 700 Millionen Zloty pro Monat hinzu. Domański betonte, die Maßnahmen seien vorübergehender Natur. Die Regierung werde die Verbrauch- und Mehrwertsteuersätze „flexibel an die sich verändernde Marktsituation anpassen“. Zugleich kündigte er die Arbeit an einer windfall tax auf Übergewinne für Kraftstoffunternehmen an. Damit solle das Loch im Haushalt teilweise geschlossen werden, indem Firmen stärker belastet würden, die von hohen Ölpreisen und hohen Margen überdurchschnittlich profitierten. Domański sagte, am Donnerstag seien die Großhandelspreise für Diesel um 30 Groszy gefallen, obwohl die Rohölpreise auf den Weltmärkten wieder gestiegen seien. Die Senkung der Verbrauchsteuer beläuft sich auf 29 Groszy je Liter bei Benzin und 28 Groszy je Liter bei Diesel. Beide Sätze werden damit auf das nach EU-Vorgaben zulässige Minimum gesenkt.
CPN-Paket — zentrale Steueränderungen: Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe (before: 23%, after: 8%); Verbrauchsteuer auf Benzin (before: Regelsatz, after: um 29 Groszy/Liter gesenkt (EU-Mindestmaß)); Verbrauchsteuer auf Diesel (before: Regelsatz, after: um 28 Groszy/Liter gesenkt (EU-Mindestmaß))
Ölpreise seit Beginn des Nahostkriegs um 45 Prozent gestiegen Die Intervention der Regierung ist eine direkte Reaktion auf die Sprünge bei den Kraftstoffpreisen, die durch den anhaltenden US-israelischen Krieg gegen Iran ausgelöst wurden. Dieser begann am 28. Februar 2026. Nach Angaben von Domański sind die Preise am Ölmarkt in den vergangenen Wochen um 45 Prozent gestiegen. Die Dieselpreise legten um mehr als 40 Prozent zu, die Benzinpreise um mehr als 20 Prozent, wie Gazeta Prawna berichtete. Aus Web-Suchdaten geht hervor, dass die europäischen Gaspreise seit Beginn des Konflikts um mehr als 60 Prozent gestiegen sind. Dieser Wert liegt über den von Domański genannten 45 Prozent für die Ölmärkte. Die Abweichung dürfte auf unterschiedliche Rohstoffe und Messzeiträume zurückgehen. Der Analyst Rafał Zywert von Refleks berechnete, dass die Kombination aus Mehrwertsteuer- und Verbrauchsteuersenkung den Dieselpreis im Schnitt um 1,36 Zloty je Liter und den Benzinpreis um 1,16 Zloty je Liter senken würde. Zywert sagte zudem, auf dem Großhandelsmarkt zeichne sich bereits eine Korrektur ab. Der Großhandelspreis für Diesel sei seit Montag um 500 Zloty netto je Tonne gefallen, der für Benzin um 100 Zloty netto. Teilweise sei dies auf Berichte über Friedensgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zurückzuführen. Der aktuelle Einkaufspreis an den Tankstellen, unter Berücksichtigung von Rabatten, habe bei etwa 7,95 Zloty brutto je Liter Diesel und 6,56 Zloty brutto je Liter Benzin gelegen, sagte Zywert.
Polen hat in der Vergangenheit bereits Notfallmaßnahmen bei der Kraftstoffbesteuerung ergriffen, zuletzt während der Energiekrise, die 2022 durch Russlands Krieg gegen die Ukraine ausgelöst worden war. Damals wurden Mehrwertsteuer und Verbrauchsteuer gesenkt, später erwiesen sich die Schritte aber als schwer rückgängig zu machen. Der Energieanalyst Wojciech Jakóbik sagte, die 2022 eingefrorenen Energiepreise seien noch Jahre lang eingefroren geblieben, nachdem sich die Lage beruhigt habe. Das zeige die politische Schwierigkeit, solche Maßnahmen wieder zurückzunehmen. Die aktuelle Krise folgt auf den Beginn der US-israelischen Militäroperation gegen Iran am 28. Februar 2026, die weltweite Öllieferketten störte und die Energiepreise in Europa deutlich nach oben trieb.
Senat beruft Sondersitzung am Freitag ein, um Gesetze zu beschleunigen Marschallin des Senats Małgorzata Kidawa-Błońska kündigte eine zusätzliche Sitzung des Senats für Freitag um 14 Uhr an. Dort sollen die Gesetze zu den Senkungen von Verbrauchsteuer und Mehrwertsteuer beraten werden. Tusk zeigte sich zuversichtlich, dass sowohl die Abstimmungen im Parlament als auch die Unterschrift des Präsidenten „so schnell wie möglich“ folgen würden. Ziel sei es ausdrücklich, die Instrumente „vor den Feiertagen“ in Kraft zu haben. Der Energieanalyst Wojciech Jakóbik lobte gegenüber wnp.pl die Entscheidung, Höchstpreise täglich zu aktualisieren, statt sie schlicht einzufrieren. Dieser Ansatz minimiere Marktverzerrungen, weil er die tatsächliche Lage abbilden könne. Jakóbik warnte jedoch auch, dass die Senkung von Mehrwert- und Verbrauchsteuer der „teuerste und riskanteste“ Teil des Pakets sei. Sie werde die Nachfrage ankurbeln und könne ein Signal senden, dass noch mehr Kraftstoff gekauft werden könne, was an anderer Stelle der Wirtschaft zusätzlichen Inflationsdruck auslösen könne. Er regte außerdem an, die Freigabe eines Teils der strategischen Kraftstoffreserven zu prüfen, die von Unternehmen und Staat gehalten werden. Wegen der Mitgliedschaft Polens in der Internationalen Energieagentur wäre eine koordinierte Freigabe möglich, um das Angebot zu erhöhen und die Preise zu dämpfen, ohne die Versorgung mit Kraftstoff zu verringern. „Wunder wird es nicht geben. Es wird eine sehr ernsthafte und verantwortungsvolle Politik geben, damit die Geldbörsen der polnischen Familien so weit wie möglich geschont werden.” — Donald Tusk via polsatnews.pl
Mentioned People
- Donald Tusk — Premier Polski od 2023 roku, szef trzeciego gabinetu
- Andrzej Domański — Minister finansów i gospodarki w trzecim rządzie Donalda Tuska od 2025 roku
- Małgorzata Kidawa-Błońska — Marszałek Senatu XI kadencji od 2023 roku
- Wojciech Jakóbik — Analityk sektora energetycznego w Centrum Bezpieczeństwa Energetycznego
Sources: 12 articles
- Nawrocki podpisze CPN? "Prezydent oczekuje działania rządu" (TOK FM)
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