Die Europäische Union und Australien haben am 24. März 2026 in Canberra ihr Freihandelsabkommen abgeschlossen. Nach acht Jahren Verhandlungen einigten sich beide Seiten auf Zollabbau, Regeln für Agrarimporte und einen Kompromiss bei Herkunftsbezeichnungen. Vor dem Inkrafttreten müssen noch die EU-Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und das australische Parlament zustimmen.
Abkommen nach acht Jahren Verhandlungen abgeschlossen
Die EU und Australien haben ihr Freihandelsabkommen am 24. März 2026 in Canberra unterzeichnet. Die Gespräche hatten 2018 begonnen und waren mehrfach ins Stocken geraten.
Mehr als 99 Prozent der Zölle sollen entfallen
Nach Angaben von AFP über die Deutsche Welle werden mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Warenausfuhren nach Australien abgeschafft. Europäische Unternehmen könnten dadurch jährlich rund 1 Milliarde Euro sparen.
Rindfleisch bleibt zentraler Streitpunkt
Die Quote für australisches Rindfleisch steigt von 3.389 auf 30.600 Tonnen. Das bleibt unter der Forderung australischer Landwirte nach mindestens 50.000 Tonnen.
Kompromiss bei Prosecco und Feta
Australische Produzenten dürfen „Prosecco“ im Inland weiter nutzen, für Exporte wird die Bezeichnung über zehn Jahre auslaufen. Auch für Namen wie „Feta“ und „Gruyère“ gelten Übergangs- und Bestandsschutzregeln.
Sicherheits- und Rohstoffpartnerschaft ergänzt Handelspakt
Parallel zum Handelsabkommen vereinbarten beide Seiten eine Zusammenarbeit in Sicherheit und Verteidigung. Ein Schwerpunkt liegt auf kritischen Rohstoffen wie Lithium und Wolfram.
Ratifizierung steht noch aus
Bevor das Abkommen in Kraft treten kann, müssen die EU-Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und das australische Parlament zustimmen.
Die Europäische Union und Australien haben am 24. März 2026 in Canberra ein weitreichendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premierminister Anthony Albanese unterzeichneten die Vereinbarung im australischen Parlamentsgebäude. Begleitet wurde von der Leyen von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič. Nach Angaben von AFP, auf die sich die Deutsche Welle beruft, werden durch das Abkommen mehr als 99% (of tariffs) — Mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Warenausfuhren nach Australien entfallen. Für europäische Unternehmen ergibt sich daraus demnach eine jährliche Entlastung von rund 1 Milliarde Euro. Albanese bezeichnete die Einigung als „einen bedeutenden Moment“ für Australien und verwies darauf, dass es sich um ein Abkommen mit „der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt“ handle. Von der Leyen stellte die Vereinbarung in einen geopolitischen Zusammenhang und sagte vor Reportern: „Heute erzählen wir der Welt eine wichtige Geschichte, in einer Zeit, in der sie sich tiefgreifend verändert. In einer Welt, in der große Mächte Zölle als Druckmittel einsetzen und Lieferketten als ausnutzbare Schwachstellen betrachten.” — Ursula von der Leyen via Deutsche Welle Bevor das Abkommen formell in Kraft treten kann, müssen noch die EU-Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und das australische Parlament zustimmen.
Die Verhandlungen zwischen der EU und Australien hatten 2018 begonnen, kamen jedoch mehrfach ins Stocken. Streitpunkte waren vor allem der Marktzugang für Agrarprodukte sowie die Nutzung europäischer geografischer Herkunftsbezeichnungen durch australische Produzenten. Nach Angaben von RTBF ist die EU für Australien der drittgrößte bilaterale Handelspartner und die zweitgrößte Quelle ausländischer Investitionen. EU-Unternehmen exportierten 2025 Waren im Wert von 37 Milliarden Euro nach Australien und 2024 Dienstleistungen im Wert von 31 Milliarden Euro. Beide Seiten bemühen sich seit Längerem, ihre Handelsnetze breiter aufzustellen. Hintergrund sind der Druck der Vereinigten Staaten und die wirtschaftliche Abhängigkeit von China, das für Australien der wichtigste Exportmarkt bleibt.
Rindfleischquote steigt auf mehr als das Neunfache, Bauern forderten dennoch mehr Der umstrittenste Punkt im Agrarbereich war der Zugang für australisches Rindfleisch zum europäischen Markt. Gelöst wurde er mit einer Quote von 30.600 Tonnen. Das entspricht gegenüber dem bisherigen Niveau von 3.389 Tonnen einer Steigerung auf mehr als das Neunfache, liegt aber weiter unter der von australischen Landwirten geforderten Mindestmenge von 50.000 Tonnen. Nach Angaben von La Libre.be sollen 55 Prozent der Quote aus grasgefüttertem Fleisch bestehen, das zollfrei eingeführt werden kann. Für 45 Prozent werden die Zölle auf 7,5 Prozent gesenkt. Im Verlauf der ersten fünf Jahre gilt zunächst nur ein Drittel der Quote, erst danach greift die vollständige Umsetzung. Darüber hinaus lässt die EU 25.000 Tonnen australisches Schaf- und Ziegenfleisch von grasgefütterten Tieren zu. Diese Regelung wird schrittweise über sieben Jahre eingeführt. Andrew McDonald von Meat and Livestock Australia äußerte sich kritisch zum Ergebnis. „Für Australiens Produzenten, Verarbeiter und Exporteure von rotem Fleisch ist das ohne Zweifel eine verpasste Gelegenheit.” — Andrew McDonald via BBC Die australischen Behörden erwarten laut Deutsche Welle, dass das Abkommen ihrer Wirtschaft jährlich 10 Milliarden Australische Dollar, umgerechnet etwa 6 Milliarden Euro, einbringen wird.
Prosecco und Feta: ein auf zehn Jahre angelegter Kompromiss bei den Namensrechten Bei den geografischen Herkunftsangaben, einem der politisch sensibelsten Elemente der Gespräche, fanden beide Seiten einen sorgfältig austarierten Kompromiss. Australische Winzer dürfen die Bezeichnung „Prosecco“ auf dem Inlandsmarkt weiterhin verwenden, müssen sie für den Export jedoch innerhalb von zehn Jahren schrittweise aufgeben. Nach Angaben der BBC ist Australien damit das einzige Land außerhalb Italiens, das von der EU die Erlaubnis erhalten hat, den Namen weiter zu nutzen. Auch Bezeichnungen wie „Feta“ und „Gruyère“ dürfen australische Hersteller weiter verwenden, sofern sie diese Namen seit mindestens fünf Jahren genutzt haben. Dabei gelten Bestandsschutzregelungen und Übergangsfristen. Europäische Autohersteller dürften davon profitieren, dass Australien die Schwelle für die Luxusfahrzeugsteuer bei Elektrofahrzeugen anhebt. Dadurch werden drei Viertel aller Elektrofahrzeuge von dieser Steuer befreit. Auf der Exportseite der EU entfallen nach Angaben der Deutschen Welle die australischen Zölle auf Wein, Schaumwein, Obst, Gemüse und Schokolade unmittelbar mit Inkrafttreten des Abkommens. Die Zölle auf Käse werden über drei Jahre hinweg schrittweise gesenkt. Von der Leyen nannte die Vereinbarung „eine perfekte Balance“, die australischen Exporteuren den Zugang zum EU-Markt erleichtere und zugleich mehr in der EU hergestellte Waren in Australien verfügbar mache.
Australische Rindfleischquote: vor und nach dem EU-Australien-FTA: Jährliche Rindfleischquote für die EU (before: 3,389 tonnes, after: 30,600 tonnes); Nutzung von Prosecco im Export (before: Permitted, after: Phased out over 10 years); Befreiung von der Luxussteuer für Elektrofahrzeuge (before: Partial, after: Three quarters of EVs exempt)
Sicherheits- und Verteidigungspakt verleiht dem Abkommen zusätzliches Gewicht Über den Handel hinaus unterzeichneten die EU und Australien eine eigene Partnerschaft für Sicherheit und Verteidigung. Sie umfasst die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie, bei Cybersicherheit, wirtschaftlicher Sicherheit, Terrorismusbekämpfung, im Weltraumbereich, bei maritimer Sicherheit und bei der Abwehr hybrider Bedrohungen. Von der Leyen hob insbesondere die Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen wie Lithium und Wolfram hervor. Das sei eine strategische Priorität, um Europas Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu verringern. „Wir dürfen bei solchen entscheidenden Bestandteilen nicht übermäßig von einem einzelnen Lieferanten abhängen, und genau deshalb brauchen wir einander. Unsere Sicherheit ist Ihre Sicherheit, und mit unserer neuen Partnerschaft in Sicherheit und Verteidigung unterstützen wir uns gegenseitig.” — Ursula von der Leyen via France 24 Beide Seiten kündigten zudem an, ab 2027 Verhandlungen über eine australische Beteiligung am Forschungsprogramm Horizon Europe aufzunehmen. Damit könnten australische Einrichtungen auf EU-Mittel zugreifen und an internationalen wissenschaftlichen Projekten mitwirken. Nach Angaben der Deutschen Welle und der Europäischen Kommission rechnet die EU damit, dass ihre Exporte nach Australien im kommenden Jahrzehnt um 33 Prozent wachsen werden. La Libre.be berichtet zudem von einem erwarteten Plus von 50 Prozent speziell in den Bereichen Molkereiprodukte und Automobil. Von der Leyen, die während ihres ersten Australien-Besuchs seit Amtsantritt vor dem australischen Parlament sprach, beschrieb eine „brutale, harte und unerbittliche“ Welt und wertete die Handels- und Sicherheitsabkommen als Beleg dafür, dass „Freundschaft und Zusammenarbeit in Zeiten von Turbulenzen noch wichtiger sind“.
Mentioned People
- Ursula von der Leyen — Przewodnicząca Komisji Europejskiej od 2019 r.
- Anthony Albanese — 31. premier Australii od 2022 r.
- Maroš Šefčovič — Komisarz UE ds. handlu i bezpieczeństwa gospodarczego oraz stosunków międzyinstytucjonalnych i przejrzystości (2024–2029)
Sources: 16 articles
- La UE y Australia firman un acuerdo comercial que elimina aranceles por 1.000 millones de euros (eldiario.es)
- União Europeia e Austrália assinam acordo histórico de comércio livre em Camberra (Jornal Expresso)
- UE e Austrália fecham acordo de comércio livre com foco na resiliência económica e sustentável (SAPO)
- L'Australie et l'Europe signent un vaste accord commercial: ce qu'il faut savoir (7sur7)
- AB-Avustralya'dan Trump ve Çin'e mesaj niteliğinde anlaşma (Deutsche Welle)
- Australia y la UE sellan un acuerdo de libre comercio tras casi una década de negociaciones (LaVanguardia)
- Quota de boeuf explosé, appellation "feta" et "gruyère" australien... : les points à retenir de l'accord commercial avec l'Australie (La Libre.be)
- Commerce : après 8 ans de négociations, l'Australie et l'Union européenne concluent un vaste accord de libre-échange - RTBF Actus (RTBF)
- L'Australie et l'Europe signent un vaste accord commercial: "Nous ne pourrions être plus proches dans notre vision du monde" (La Libre.be)
- La Unión Europea y Australia sellan un acuerdo de libre comercio tras ocho años de negociaciones (France 24)