Der Vorsitzende der polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński, hat im Sejm eine frei erfundene Geschichte über den ungarischen Wahlsieger Péter Magyar verbreitet. Trotz der späteren Richtigstellung durch einen Parteisprecher wurde bereits ein Antrag beim Ethikausschuss des Parlaments eingereicht. Die Behauptung stammte ursprünglich von einer kurz vor der Wahl in Ungarn erstellten Internetseite.
Falschbehauptung im Sejm
Jarosław Kaczyński behauptete fälschlicherweise, der ungarische Wahlsieger Péter Magyar habe einen Hund in einer Mikrowelle getötet.
PiS-Sprecher korrigiert Aussage
Die PiS räumte ein, dass die spezifische Behauptung unwahr ist, verwies jedoch auf die allgemeine Flut an kontroversen Berichten über Magyar.
Ethikausschuss angerufen
Der Europaabgeordnete Krzysztof Brejza reichte einen Antrag ein, um Kaczyński wegen Verstößen gegen die parlamentarische Würde zu belangen.
Ursprung der Desinformation
Die Meldung stammte von einer kurzlebigen ungarischen Website und wurde vor der Wahl von pro-russischen Profilen verbreitet.
Jarosław Kaczyński, der Vorsitzende der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), wiederholte am 14. April 2026 im polnischen Sejm eine Falschinformation über Péter Magyar. Dessen TISZA-Partei hatte zwei Tage zuvor die ungarischen Parlamentswahlen gewonnen. Kaczyński behauptete, Magyar habe einen „Welpen in der Mikrowelle gebraten“. Der PiS-Vorsitzende äußerte sich, als er von Journalisten gefragt wurde, warum er Magyar nicht zum Wahlsieg gratuliere. Er erklärte, er werde „unter keinen Umständen“ gratulieren und bezeichnete Magyar als jemanden, der „im öffentlichen Leben Polens, Europas und der Welt schlicht nicht existieren sollte“. Der PiS-Sprecher Rafał Bochenek räumte später auf der Plattform X ein, dass die spezifische Behauptung über den Hund unwahr sei. Er gab zu, dass Kaczyński sich auf „Informationen gestützt habe, die seit vielen Tagen in den Medien kursierten“. Der Vorfall löste umgehende politische Reaktionen aus, darunter einen formellen Antrag beim Ethikausschuss des Sejm. Falschmeldung auf kurz vor der Wahl erstellte Website zurückgeführtDie Behauptung basierte auf einem Artikel vom 6. April 2026, der auf dem Portal „Magyar Hirek 24“ veröffentlicht wurde. Diese Seite hatte erst einen Monat vor den ungarischen Parlamentswahlen mit der Publikation von Inhalten begonnen. In dem Artikel wurde Magyar beschuldigt, einen Hund in einer Mikrowelle getötet zu haben, wobei auf ein angebliches Buch seiner Ex-Frau Judit Varga, der ehemaligen ungarischen Justizministerin, verwiesen wurde. Ein solches Buch existiert in keinem Online-Buchhandel, und Varga selbst bestritt, eine Autobiografie geschrieben zu haben. Laut Berichten des polnischen Portals Konkret24 wurde die erfundene Geschichte in den Tagen vor der Wahl verstärkt von pro-russischen Konten in sozialen Netzwerken verbreitet. Kaczyński schrieb die Behauptung explizit Magyars Ehefrau zu und bezog sich auf das, „was seine Frau beschreibt, dass er einen Welpen gebraten hat“. Péter Magyar erlangte in Ungarn als Kritiker der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán politische Bedeutung. Seine TISZA-Partei trat bei den Parlamentswahlen am 12. April 2026 an und besiegte Orbáns Fidesz-Partei. Judit Varga, Magyars Ex-Frau, war von Juli 2019 bis zu ihrem Rücktritt im Juni 2023 ungarische Justizministerin. Die Wahlen in Ungarn fanden vor dem Hintergrund intensiver Desinformationskampagnen statt, wobei in den Wochen vor der Abstimmung zahlreiche Falschnarrative über Magyar kursierten. PiS räumt Fehler ein, verweist aber auf Flut an Materialien gegen MagyarIn Bocheneks Stellungnahme auf X wurde die Falschmeldung als einer von vielen „kontroversen Beiträgen“ über Magyar dargestellt, wobei sich dieser eine Punkt als „unwahr herausgestellt“ habe. Er fügte hinzu: „In der Flut zahlreicher kontroverser Materialien über den von Tusk unterstützten Kandidaten hat sich dieses eine spezielle als unwahr herausgestellt. Es wäre gut, wenn auch andere erfunden wären, aber das sind sie leider nicht.” — Rafał Bochenek via wpolityce.pl Der PiS-Abgeordnete Szymon Szynkowski vel Sęk räumte im Programm „Fakty po Faktach“ von TVN24 ein, dass „der Vorsitzende einen Fehler gemacht“ habe, verteidigte jedoch das Vorgehen der Partei aufgrund der schnellen Korrektur durch den Sprecher. Kazimierz Smoliński (PiS) wählte eine zurückhaltendere Verteidigung und argumentierte in der Sendung „Tak jest“, Kaczyński habe lediglich gesagt, es sei möglich, nicht jedoch, dass es eine Tatsache sei. Der Abgeordnete der Bürgerkoalition (KO), Konrad Frysztak, äußerte sich schärfer und erklärte, die Episode zeige den „derzeitigen Zustand von Jarosław Kaczyński“. Er vermutete, dass dessen Umfeld ihm ungefiltert Internetinhalte vorlese. Szynkowski vel Sęk entgegnete daraufhin, Ministerpräsident Donald Tusk mache nur deshalb „keine Fehler“, weil er „einfach bewusst lüge“. Antrag beim Ethikausschuss eingereichtDer KO-Europaabgeordnete Krzysztof Brejza reichte bei der Vorsitzenden des Ethikausschusses des Sejm, Ewa Schadler von der Partei Polska 2050, einen formellen Antrag ein, um eine Bestrafung Kaczyńskis zu erwirken. Brejza argumentierte, ein Mitglied des Sejm sei verpflichtet, sich der Würde des Mandats entsprechend zu verhalten, geleitet von den Grundsätzen der Verantwortung für das Wort und der Sorge um den Ruf des Parlaments. Er beschrieb Kaczyńskis Äußerung als Beispiel für die „Verbreitung ungeprüfter, sensationeller und potenziell falscher Informationen, was einen Fall von Desinformation im öffentlichen Raum darstellen kann“. Zudem senke der Rückgriff auf „drastische und schockierende Inhalte aus dem Privatleben ohne eindeutige Bestätigung“ das Niveau der öffentlichen Debatte. Ewa Schadler bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur PAP das Recht jedes Bürgers auf einen solchen Antrag, merkte jedoch am Dienstag an, dass ihr noch kein Schreiben von Brejza vorliege. Inzwischen wird im Sejm auch über die mögliche Auslieferung der ehemaligen polnischen Amtsträger Zbigniew Ziobro und Marcin Romanowski debattiert, die unter der Regierung Orbán Schutz in Ungarn gesucht hatten und deren Status sich durch den Sieg Magyars ändern könnte.
Mentioned People
- Jarosław Kaczyński — Polski polityk i doktor nauk prawnych, były premier, prezes partii Prawo i Sprawiedliwość
- Péter Magyar — Węgierski polityk i prawnik, lider partii TISZA, przewidywany przyszły premier Węgier
- Judit Varga — Węgierska prawniczka i była polityk, minister sprawiedliwości w latach 2019–2023
- Rafał Bochenek — Polski polityk i rzecznik prasowy partii Prawo i Sprawiedliwość
- Krzysztof Brejza — Polski polityk i prawnik, poseł do Parlamentu Europejskiego od 2024 roku
- Szymon Szynkowski vel Sęk — Poseł na Sejm z partii Prawo i Sprawiedliwość
- Konrad Frysztak — Poseł na Sejm z Koalicji Obywatelskiej
Sources: 14 articles
- Prezes i prawda (TVN24)
- Wydanie z 14.04.2026 (TVN24)
- Bochenek broni prezesa Kaczyńskiego po pomyłce (wpolityce.pl)
- A może ograniczyć politykom dostęp do social mediów? Kaczyński o "upieczonym psie" Magyara (oko.press)
- Poseł PiS: prezes Kaczyński popełnił błąd (TVN24)
- Kaczyński ukarany za krytykę zwycięzcy wyborów na Węgrzech? Poseł KO składa wniosek (wiadomosci.radiozet.pl)
- Maciej Tomczykiewicz, Kazimierz Smoliński (TVN24)
- Kaczyński, Magyar i "upieczenie szczeniaka". Rzecznik PiS: Informacja nieprawdziwa (rmf24.pl)
- Rzecznik PiS przyznaje: Kaczyński powielił nieprawdziwą informację (TVN24)
- Burza po słowach Kaczyńskiego. Jest wniosek do komisji etyki (www.gazetaprawna.pl)