Trotz einer von Russland angeordneten 32-stündigen Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest werfen sich Kiew und Moskau fortgesetzte Angriffe vor. Das ukrainische Militärkommando registrierte am Karsamstag allein rund 470 Vorfälle durch russische Truppen. Flankiert wurde die brüchige Ruhe von einem durch die Vereinigten Arabischen Emirate vermittelten Austausch von 350 Kriegsgefangenen.

Brüchige Oster-Waffenruhe

Trotz der von Putin angeordneten 32-stündigen Feuerpause berichten beide Seiten von Hunderten Verstößen und fortgesetzten Drohnen- sowie Artillerieangriffen.

Gefangenenaustausch vollzogen

350 Kriegsgefangene und 14 Zivilisten wurden unter Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate kurz vor Beginn der Waffenruhe ausgetauscht.

Humanitäre Geste oder Taktik?

Während der Kreml den religiösen Charakter der Pause betont, sieht Präsident Selenskyj darin einen Test für die russische Friedensbereitschaft.

Russland und die Ukraine haben sich über den gesamten orthodoxen Karsamstag hinweg gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vorgeworfen. Die von Russlands Präsident Wladimir Putin angeordnete 32-stündige Feuerpause trat um 16:00 Uhr Ortszeit in Kraft, wobei das ukrainische Militärkommando allein an diesem Tag etwa 470 Vorfälle von russischer Seite verzeichnete. Putin hatte die Waffenruhe am Donnerstag, den 9. April, angekündigt und den russischen Streitkräften befohlen, die Kampfhandlungen von Samstagnachmittag bis zum Ende des Sonntags, den 12. April, einzustellen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Waffenruhe ursprünglich vorgeschlagen und sich zu deren Einhaltung verpflichtet, warnte jedoch davor, dass die ukrainischen Streitkräfte auf Verstöße symmetrisch reagieren würden. Trotz der gegenseitigen Beschuldigungen vollzogen beide Seiten einen bedeutenden Gefangenenaustausch unter Vermittlung der VAE. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete Putins Initiative als humanitäre Geste, die ausschließlich mit dem orthodoxen Osterfest verbunden sei, und fügte hinzu, dass die kurze Pause nicht mit laufenden diplomatischen Verhandlungen in Zusammenhang stehe. 470 Vorfälle registriert – gegenseitige Schuldzuweisungen dauern anDas ukrainische Militärkommando meldete am Karsamstag rund 470 russische Vorfälle, die ein breites Spektrum an Angriffen auf ukrainisches Territorium umfassten. Den ukrainischen Streitkräften zufolge führte Russland 57 (Luftangriffe) — am Karsamstag verzeichnete russische Luftangriffe durch und setzte 182 Lenkbomben ein. Zudem wurden 2.454 Artillerieangriffe auf besiedelte Gebiete und Truppenstellungen gezählt. Serhii Kolesnychenko, Kommunikationsoffizier der 148. Artillerie-Brigade, erklärte gegenüber Associated Press, dass das Artilleriefeuer in seinem Sektor zwar eingestellt worden sei, die russischen Streitkräfte jedoch weiterhin Drohnen für Angriffe auf ukrainische Stellungen nutzten. „Die Waffenruhe wird von russischer Seite nicht respektiert” — Serhii Kolesnychenko via Associated Press, sagte Kolesnychenko und fügte hinzu, die ukrainischen Truppen antworteten mit „Stille auf Stille und Feuer auf Feuer“. Russland wiederum warf der Ukraine vor, eine Tankstelle in der Stadt Lgow in der Region Kursk mit einer Drohne angegriffen zu haben. Laut dem Gouverneur von Kursk, Alexander Khinshtein, wurden dabei drei Personen verletzt, darunter ein Säugling. Der Gouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, berichtete zudem von ukrainischen Drohnenangriffen auf ein Fahrzeug in Schebekino sowie auf eine Frau in Graiworon. Laut der staatlichen russischen Agentur TASS seien in Schebekino durch ukrainischen Beschuss zudem Fenster zerstört sowie 18 Häuser und 6 Autos beschädigt worden.Oster-Waffenruhe — Wichtige Ereignisse: — ; — ; — ; — ; — ; — 350 Gefangene kurz vor Inkrafttreten der Pause freigelassenBei dem Gefangenenaustausch, der wenige Stunden vor Beginn der Waffenruhe abgeschlossen wurde, kamen auf beiden Seiten jeweils 175 Soldaten und sieben Zivilisten frei. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, bei den sieben freigelassenen russischen Zivilisten handle es sich um Bewohner der Region Kursk, die seit dem ukrainischen Vorstoß im Jahr 2024 festgehalten worden seien. Dies seien laut der Menschenrechtsbeauftragten Tatjana Moskalkowa die letzten betroffenen Bewohner gewesen. Selenskyj teilte über das Netzwerk X mit, dass die zurückgekehrten ukrainischen Soldaten an verschiedenen Fronten im Osten und Süden gedient hätten und sich größtenteils seit 2022 in russischer Gefangenschaft befanden. Ein freigelassener Soldat namens Maksym äußerte gegenüber der Deutschen Welle seine Erleichterung: „Ich habe noch nicht begriffen, dass ich endlich hier bin, dass ich meine Träume verwirklichen kann und endlich frei bin” — Maksym via Deutsche Welle. Selenskyj nutzte seine Ansprache am Samstagabend, um eine längerfristige Waffenruhe zu fordern und die Osterpause als Chance für Friedensfortschritte darzustellen. „Wir haben Russland diesen Vorschlag unterbreitet. Wenn Russland sich erneut für den Krieg entscheidet, wird dies der Welt und den USA zeigen, wer was wirklich will” — Volodymyr Zelenskyy via Deutsche Welle. Friedensgespräche seit zwei Monaten stockendDie Oster-Waffenruhe ist die vierte seit Beginn der großangelegten russischen Invasion im Februar 2022. Sie erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Friedensverhandlungen laut Berichten von Notícias ao Minuto und eldiario.es seit fast zwei Monaten stagnieren, was dem anhaltenden Konflikt im Iran zugeschrieben wird. Russland begann die umfassende Invasion der Ukraine im Februar 2022. Frühere Versuche einer Waffenruhe, wie das Osterfest 2025, blieben weitgehend wirkungslos. Bisherige Verhandlungsrunden fanden unter anderem im Dezember 2025 in Florida und im Januar 2026 in Paris statt. Eine Koalition aus 35 Ländern hat der Ukraine Sicherheitsgarantien zugesagt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte, dass der Osterpause keine Absprachen mit Kiew oder Washington vorausgegangen seien. Der ukrainische Chefunterhändler Kyrylo Budanow deutete hingegen in einem Interview mit Bloomberg an, dass Gespräche über ein mögliches Abkommen voranschritten. „Jeder versteht, dass der Krieg enden muss, deshalb wird verhandelt” — Kyrylo Budanov via Público. Selenskyj, der die Reaktion auf Verstöße mit Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj besprach, bekräftigte das Ziel einer dauerhaften Lösung. Vor Beginn der Ruhepause hatten russische Angriffe in Odessa mindestens zwei Todesopfer gefordert; in der Region Sumy und in Kramatorsk wurden zudem zahlreiche Zivilisten verletzt.

Mentioned People

  • Vladimir Putin — Prezydent Rosji
  • Volodymyr Zelenskyy — Prezydent Ukrainy
  • Alexander Khinshtein — Gubernator obwodu kurskiego od września 2025 roku
  • Vyacheslav Gladkov — Gubernator obwodu biełgorodzkiego
  • Tatyana Moskalkova — Rzecznik Praw Człowieka Federacji Rosyjskiej
  • Andrey Belousov — Minister Obrony Federacji Rosyjskiej

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