Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat am 9. April 2026 im Parlament Rechenschaft über ihre Regierungsarbeit abgelegt. Knapp zwei Wochen nach der Ablehnung ihrer Justizreform im Referendum vom 22. und 23. März betonte sie die Stabilität ihrer Koalition. In einer außergewöhnlich deutlichen Stellungnahme kritisierte sie zudem israelische Angriffe auf italienische UN-Soldaten im Libanon.
Stabilität der Regierung
Meloni schließt Neuwahlen und eine Kabinettsumbildung nach der Niederlage beim Referendum definitiv aus.
Spannungen mit Israel
Die Regierung verurteilt Angriffe der israelischen Armee auf italienische UN-Friedenstruppen im Libanon scharf.
Distanzierung von Trump
In der Iran-Politik betont Meloni die Notwendigkeit von Deeskalation und grenzt sich von der Rhetorik Donald Trumps ab.
Wirtschaftliche Entlastung
Trotz politischer Turbulenzen setzt die Regierung Maßnahmen wie das Dekret zur Senkung der Energiekosten um.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat sich am Vormittag des 9. April 2026 an die Abgeordnetenkammer gewandt und für den Nachmittag eine Rede vor dem Senat angekündigt, um in einer dringlichen Unterrichtung über das Regierungshandeln zu berichten. Dies geschieht etwas mehr als zwei Wochen nachdem ihr Bündnis im Referendum über die Justizreform am 22. und 23. März eine Niederlage hinnehmen musste. Meloni leitete ihre Ausführungen mit einer direkten Anerkennung des Abstimmungsergebnisses ein und beschrieb das Votum als von hoher Beteiligung und einer starken Polarisierung geprägt. Sie bestätigte, dass die Ablehnung laut Angaben der Nachrichtenagentur ANSA mit etwa 54 Prozent gegenüber 46 Prozent Ja-Stimmen gesiegt habe. Die Ministerpräsidentin bezeichnete das Ergebnis als eine verpasste historische Chance zur Modernisierung des italienischen Justizsystems und dessen Anpassung an europäische Standards, beharrte jedoch darauf, dass die Notwendigkeit einer Reform weiterhin bestehe. „Wir respektieren das Urteil der Italiener stets, wie auch immer es ausfallen mag, selbst wenn es nicht mit unseren Ansichten und Erwartungen übereinstimmt.” — Giorgia Meloni via ANSA Sie verdeutlichte, dass sie die Niederlage nicht als Auftrag für einen Kurswechsel sehe, sondern als Herausforderung, die politische Debatte wieder auf konkrete Sachergebnisse für die Bürger zu lenken.
Meloni schließt Regierungsumbildung und Neuwahlen aus Meloni schloss sowohl eine Kabinettsumbildung als auch vorgezogene Neuwahlen kategorisch aus und erklärte, die Koalition werde die volle fünfjährige Legislaturperiode zu Ende führen. Sie räumte ein, dass einige Regierungsmitglieder zuletzt zurückgetreten seien, bezeichnete dies jedoch als schwierige, aber notwendige Entscheidungen im nationalen Interesse. „Es gibt keinen Neustart zu vermelden, da die Regierung nie aufgehört hat zu arbeiten. Auch neue programmatische Leitlinien sind nicht erforderlich. Es gibt keinerlei Absicht für eine Regierungsumbildung.” — Giorgia Meloni via Il Sole 24 ORE Sie drückte ihr Vertrauen in ihre beiden Stellvertreter, Antonio Tajani und Matteo Salvini, aus und bezeichnete die Mehrheit als „solide und geschlossen“. Meloni stellte die jüngste interne Reorganisation nicht als Zeichen der Schwäche dar, sondern als Beweis dafür, dass ihre Regierung dem nationalen Interesse Vorrang vor parteipolitischen Erwägungen einräume. „Wir haben erneut das Interesse der Nation über das der Partei gestellt. Wir haben keine Zeit in endlosen und mutwilligen Kontroversen zu verlieren.” — Giorgia Meloni via ANSA Sie forderte die Oppositionsparteien auf, sich an der inhaltlichen Arbeit statt an politischem Streit zu beteiligen, und erklärte sich zu einer sachlichen Debatte bereit.
Ministerpräsidentin verschärft Ton gegenüber Israel nach UNIFIL-Vorfall In einer Positionierung, die Beobachter als bislang schärfste Haltung gegenüber der Regierung von Benjamin Netanjahu einordnen, verurteilte Meloni „unverantwortliche Handlungen“ der israelischen Armee gegen einen italienischen Konvoi der UNIFIL-Mission im Südlibanon. Italien bestellte daraufhin den israelischen Botschafter in die Farnesina, das Außenministerium, um eine formelle Klärung der Vorfälle einzufordern. Meloni erklärte, es sei inakzeptabel, dass Personal unter der Flagge der Vereinten Nationen durch solche Aktionen gefährdet werde. Dies sei bereits das dritte Mal, dass italienische Blauhelmsoldaten trotz gegenteiliger Zusicherungen aus Tel Aviv ins Visier geraten seien. Zudem distanzierte sie sich von den Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegen den Iran und betonte die Bedeutung eines Waffenstillstands zwischen Iran, den USA und Israel zur Vermeidung einer globalen Energiekrise. Diese Position sei auch in einer gemeinsamen Erklärung mit führenden Regierungschefs der EU, des Vereinigten Königreichs und Kanadas festgehalten worden. Zudem unterstrich sie Italiens Engagement für die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus als Voraussetzung für regionale Stabilität. Laut Berichten von Rai News wurde innerhalb ihrer Koalition jedoch auch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber dem scharfen Ton von Verteidigungsminister Guido Crosetto in den vergangenen Tagen registriert.
Nothilfe nach Erdrutsch in Molise und Wirtschaftsentlastungen Neben der parlamentarischen Unterrichtung sollte Meloni am Nachmittag des 9. April eine Kabinettssitzung leiten, um über Sofortmaßnahmen nach einem Erdrutsch in der süditalienischen Region Molise zu beraten. Die Regierungschefin nutzte diesen Termin, um ihre Argumentation zu untermauern, dass die Regierungsarbeit trotz der politischen Unruhe der letzten Wochen nie unterbrochen worden sei. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Verabschiedung des sogenannten „decreto bollette“, welches Entlastungen bei den Energiekosten für Familien und Unternehmen vorsieht. Meloni argumentierte, dass die internationale Lage, einschließlich steigender Ölpreise infolge der Konflikte im Nahen Osten, nationale Schutzmaßnahmen dringlicher denn je mache. „Die internationale Lage erlaubt es niemandem mehr, behaupten zu wollen, alles sei Melonis Schuld – selbst die Erhöhung der weltweiten Ölpreise.” — Giorgia Meloni via ANSA Antonio Tajani schloss sich dieser Darstellung vor der Abgeordnetenkammer an und erklärte, dass eine Beruhigung der Lage im Nahen Osten nicht nur für die dortige Bevölkerung, sondern auch für die italienische Wirtschaft von Vorteil wäre. Die Parlamentssitzung diente dem Zweck, Bilanz über die jüngste Regierungsarbeit zu ziehen und gleichzeitig Handlungsfähigkeit für die verbleibende Legislaturperiode zu demonstrieren.
Das Referendum über die Justizreform am 22. und 23. März 2026 war ein zentrales Projekt der Regierung Meloni, die es als notwendige Modernisierung des Rechtssystems beworben hatte. Das „Nein“-Lager siegte mit rund 54 Prozent. Die Abstimmung galt als politischer Gradmesser für Meloni, die beträchtliches politisches Kapital in das Vorhaben investiert hatte. Italien blickt auf eine lange Geschichte angespannter Verhältnisse zwischen Politik und Justiz zurück. Die UNIFIL-Mission, an der Italien seit Jahrzehnten maßgeblich beteiligt ist, genießt in Rom hohe Priorität, weshalb Vorfälle mit italienischem Personal die diplomatischen Beziehungen zu Israel besonders belasten.
Wichtige Ereignisse rund um die Regierungserklärung: — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Giorgia Meloni — Prezes Rady Ministrów Republiki Włoskiej od 22 października 2022 roku
- Matteo Salvini — Wiceprezes Rady Ministrów oraz minister infrastruktury i transportu w rządzie Meloni od 2022 roku
- Antonio Tajani — Wiceprezes Rady Ministrów oraz minister spraw zagranicznych i współpracy międzynarodowej w rządzie Meloni od 22 października 2022 roku
- Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
Sources: 10 articles
- Meloni, pronti a misure sui profitti delle società in caso di speculazione - Notizie - Ansa.it (ANSA.it)
- Meloni says no resignations or reshuffles, we will govern for five years - Politics - Ansa.it (ANSA.it)
- Meloni: "Opposizioni ci definiscono un pericolo ma non chiedono le dimissioni: posizione bizzarra" (Il Messaggero)
- Meloni, se crisi in Iran peggiora sospendere il Patto di stabilità - Ultima ora - Ansa.it (ANSA.it)
- Meloni, sgomberato il campo da polemiche vi sfido sulla politica vera - Ultima ora - Ansa.it (ANSA.it)
- Governo Meloni, quel bivio davanti alla tregua (lastampa.it)
- Governo, Meloni: "Con referendum persa occasione storica, nessuna intenzione di fare un rimpasto" (Adnkronos)
- Meloni, al referendum grande partecipazione e grande polarizzazione - Ultima ora - Ansa.it (ANSA.it)
- Meloni dopo la sconfitta al referendum: "Nessuna ripartenza da fare, nessun rimpasto" (Il Sole 24 ORE)
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