Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez hat zum Tag der Arbeit eine Anpassung der Gehälter in Aussicht gestellt. Während Gewerkschaften für Donnerstag zu Protesten in Caracas aufrufen, bleibt die genaue Höhe der Erhöhung unter Verweis auf Inflationsrisiken noch unklar. Aktuell liegt der monatliche Mindestlohn inflationsbedingt bei einem Gegenwert von teilweise unter einem US-Dollar.

Gehaltsanpassung zum 1. Mai

Präsidentin Rodríguez verspricht eine Lohnerhöhung, nennt aber keine konkreten Zahlen, um Inflation zu vermeiden.

Extreme Inflation und Armut

Bei einer Inflation von bis zu 682 % reicht der Mindestlohn von 130 Bolivar kaum für Grundnahrungsmittel.

Wirtschaftliche Neuausrichtung

Die Regierung setzt auf Öl- und Bergbaukooperationen mit den USA nach der Festnahme Maduros im Januar 2026.

Energiekrise und Rationierung

Aufgrund von Strommangel wurde eine 45-tägige Rationierung angeordnet, begründet mit klimatischer Strahlung.

Venezuelas amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez hat den Arbeitnehmern für den 1. Mai 2026 eine Lohnerhöhung versprochen, ohne jedoch die genaue Höhe zu nennen. Zeitgleich bereiten Gewerkschaftsgruppen für diesen Donnerstag einen Marsch in Caracas vor, um höhere Bezüge zu fordern. Rodríguez erklärte am Mittwoch in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache, dass es sich um eine „verantwortungsvolle Erhöhung“ handle. Damit solle ein inflationärer Schub verhindert werden, wie er nach früheren Lohnanpassungen aufgetreten war. Konkrete Zahlen nannte sie nicht und verwies darauf, dass die Regierung die Einkommen kontinuierlich verbessern werde, sobald Venezuela Zugang zu weiteren Ressourcen erhalte. Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund einer schweren wirtschaftlichen Belastung: Der Mindestlohn des Landes ist seit März 2022 bei 130 Bolivar pro Monat eingefroren. Zum offiziellen Wechselkurs entspricht diese Summe etwa 3,50 US-Dollar, während sie auf dem Parallelmarkt auf bis zu 0,27 US-Dollar sinkt – ein Wert, der deutlich unter der von den Vereinten Nationen definierten Grenze für extreme Armut von 3 US-Dollar pro Tag liegt. Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst überleben mit etwa 160 US-Dollar pro Monat, wenn staatliche Boni eingerechnet werden, während Angestellte im privaten Sektor laut AP News im vergangenen Jahr durchschnittlich etwa 237 US-Dollar verdienten.

Inflation von über 600 Prozent entwertet Lohnzuwächse Der Lohnstopp hielt über Jahre einer massiven Inflation stand, welche die Kaufkraft im ganzen Land zerstört hat. Der Internationale Währungsfonds schätzt Venezuelas jährliche Inflationsrate auf 682 Prozent – der höchste Wert aller Länder, für die Daten vorliegen. Die venezolanische Zentralbank, die seit November 2024 keine Inflationsdaten mehr veröffentlicht hatte, gab im vergangenen Monat Zahlen bekannt, nach denen die Jahresrate 2025 bei 475 Prozent lag, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 48 Prozent des Vorjahres. Laut dem „Venezuelan Finance Observatory“, einem unabhängigen Gremium, kostete der Warenkorb für eine fünfköpfige Familie im März 2026 etwa 548 US-Dollar. Ein Arbeiter müsste demnach mehr als das 150-fache des aktuellen Mindestlohns verdienen, um allein den Grundbedarf an Lebensmitteln zu decken. „Ein Gehalt von 130 Bolivar ist ein Todesurteil. Wir können von dem, was wir im Monat verdienen, nicht einmal ein Kilo Fleisch kaufen” — Pablo Zambrano via Le Figaro Rodríguez räumte die Schwere der Lage ein, bat jedoch um Geduld. Sie stellte die Erhöhung am 1. Mai als Beginn einer schrittweisen Erholung dar, nicht als sofortige Lösung. „Es muss mit Vorsicht geschehen, mit Bewusstsein, mit Geduld, aber mit einem tiefen Geist des Optimismus für die Zukunft Venezuelas” — Delcy Rodríguez via AP News

130 (Bolivar pro Monat) — Venezuelas eingefrorener Mindestlohn seit März 2022

Mindestlohn (offizieller Kurs): 3.50, Mindestlohn (Parallelkurs): 0.27, Öffentlicher Dienst (inkl. Boni): 160, Durchschnitt Privatsektor: 237, Grundbedarf Lebensmittel (5 Personen): 548, Grundbedarf Lebensmittel (Einzelperson, DW-Schätzung): 645

Venezuelas Wirtschaft ist im letzten Jahrzehnt unter der Regierung von Nicolás Maduro stark geschrumpft. Maduro wurde am 3. Januar 2026 bei einer Razzia in Caracas von US-Streitkräften festgenommen und unter dem Vorwurf des Drogenhandels in die Vereinigten Staaten überführt. Delcy Rodríguez, die unter Maduro als Vizepräsidentin fungierte, übernahm am 5. Januar 2026 die amtierende Präsidentschaft. Der Mindestlohn des Landes verharrt seit März 2022 bei 130 Bolivar; stattdessen verteilt die Regierung zusätzliche Boni über die digitale Plattform „Patria“, die jedoch nicht für Sozialleistungen oder Dienstaltersberechnungen zählen. Arbeitnehmer und Gewerkschaften fordern wiederholt, diese Boni in das Grundgehalt zu integrieren.

Rodríguez ruft zur Pilgerfahrt auf und kündigt Stromrationierungen an Neben der Lohnankündigung gab Rodríguez in ihrer halbstündigen Ansprache im Staatsfernsehen weitere politische und wirtschaftliche Maßnahmen bekannt. Sie rief zu einer „großen Pilgerfahrt gegen die Blockade“ auf, die vom 19. April bis zum 1. Mai durch Venezuela führen und in Caracas enden soll; sie werde den Marsch selbst anführen. Zudem kündigte sie eine 45-tägige Phase der Stromrationierung an und begründete die Engpässe mit der Sonneneinstrahlung in der Karibik – eine Erklärung, die bei Oppositionellen und Kommentatoren auf Kritik stieß. Rodríguez schlug die Schaffung eines Nationalen Wirtschaftsrates vor, um ein neues Steuermodell zu entwerfen, und ordnete die Bildung einer Kommission an, die prüfen soll, welche Staatsgüter als strategisch eingestuft werden, was potenzielle Privatisierungen einschränken würde. Eine Privatisierung von PDVSA, dem staatlichen Ölkonzern, schloss sie explizit aus. Dieser Schritt wird weithin als Absage an die Oppositionsführerin María Corina Machado gewertet, die eine stärkere Öffnung des Energiesektors befürwortet. Rodríguez rief zudem eine nationale Dialogkommission ins Leben, an der Staat, Privatsektor, Arbeitnehmer und Rentner beteiligt sein sollen, und forderte Oppositionsfraktionen auf, dem „Radikalismus“ abzuschwören.

Lockerung der US-Sanktionen bei Öl- und Bergbauabkommen Die Wirtschaftsstrategie von Rodríguez stützt sich maßgeblich auf den Ausbau des Öl- und Bergbausektors, um die notwendigen Einnahmen für Lohnverbesserungen zu generieren. Die Trump-Regierung hat den Sanktionsdruck auf Venezuela teilweise gelockert, und das US-Finanzministerium hat persönliche Sanktionen gegen Rodríguez aufgehoben, wie aus Berichten unter Berufung auf Reuters hervorgeht. Seit der Festnahme Maduros hat sich das Verhältnis zwischen beiden Regierungen verbessert, wobei Washington eine stärkere US-Präsenz im venezolanischen Öl- und Bergbausektor anstrebt. Rodríguez reformierte das Kohlenwasserstoffgesetz und deutete neue Bergbauregulierungen an, um ausländisches Kapital anzuziehen. „Unser unmittelbares, mittel- und langfristiges Ziel ist es, die Einkommen der Arbeitnehmer durch produktives Wachstum im Öl- und Bergbausektor stetig und schrittweise wiederherzustellen, da diese Sektoren nach einer Produktionserholung sofortige Einnahmen generieren” — Delcy Rodríguez via Reuters Trotz der diplomatischen Annäherung forderte Rodríguez die USA erneut auf, alle verbleibenden Sanktionen aufzuheben. Blockierte Auslandsvermögen sollten umgehend in den Ölsektor, den Bergbau und die Infrastruktur, einschließlich Strom, Wasser, Straßen, Schulen und Krankenhäuser, fließen. Die Gewerkschaften zeigten sich von den Ankündigungen am Mittwoch unbeeindruckt und hielten an ihren Plänen fest, am Donnerstag, dem 9. April 2026, in Caracas für sofortige und konkrete Lohnverbesserungen zu demonstrieren.

Mentioned People

  • Delcy Rodríguez — pełniąca obowiązki prezydenta Wenezueli od 2026 r., po ujęciu Nicolása Maduro przez USA
  • Nicolás Maduro — prezydent Wenezueli od 2013 r., pojmany przez siły USA 3 stycznia 2026 r.
  • Donald Trump — 47. prezydent Stanów Zjednoczonych
  • Jorge Rodríguez — przewodniczący Zgromadzenia Narodowego i brat Delcy Rodríguez
  • Diosdado Cabello — minister spraw wewnętrznych i sprawiedliwości

Sources: 9 articles