Die Lufthansa-Gruppe hat am Donnerstag das sofortige Aus für ihre Regionaltochter CityLine bekannt gegeben. Betroffen sind 27 Flugzeuge, die aufgrund massiv gestiegener Kerosinkosten und anhaltender Streiks stillgelegt werden. Die Entscheidung erfolgt unmittelbar nach dem 100. Jubiläum des Konzerns am 15. April 2026.
Sofortiges Aus für Lufthansa CityLine
Die Regionaltochter wird geschlossen und 27 Flugzeuge werden mit Wirkung zum 18. April 2026 stillgelegt.
Massiver Flottenumbau
Neben CityLine werden A340-600 und Boeing 747-400 ausgemustert, während Discover Airlines neun neue A350 erhält.
Konflikt mit Gewerkschaften
UFO und Vereinigung Cockpit kritisieren den Schritt als Vergeltung für Streiks; 2.100 Jobs sind gefährdet.
Lufthansa hat am Donnerstag die sofortige Schließung ihrer Regionaltochter Lufthansa CityLine verkündet. Damit werden alle 27 aktiven Maschinen der Tochtergesellschaft aus dem Linienbetrieb abgezogen. Als Gründe nannte der Konzern stark gestiegene Kerosinpreise sowie die wachsenden Kosten durch anhaltende Arbeitskämpfe. Laut Angaben der Fluggesellschaft haben sich die Kerosinpreise im Vergleich zum Zeitraum vor dem Krieg im Iran mehr als verdoppelt, was den Betrieb der CityLine wirtschaftlich untragbar mache. Finanzvorstand Till Streichert bezeichnete die Entscheidung als einen „schmerzhaften Schritt“, insbesondere für die Beschäftigten der Tochtergesellschaft, ordnete dies jedoch in einen umfassenderen dreistufigen Plan zur Kapazitätsreduzierung ein. Die formale Stilllegung der 27 Flugzeuge soll am Samstag, den 18. April, in Kraft treten. In der Praxis wurde der Flugbetrieb der CityLine jedoch sofort eingestellt, da aufgrund der laufenden Streiks für Donnerstag und Freitag keine Flüge geplant waren. Die Ankündigung erfolgte nur einen Tag nach dem 100-jährigen Bestehen der Lufthansa am 15. April 2026 – eine Feierlichkeit, die selbst von protestierenden Piloten und Kabinenpersonal vor dem Veranstaltungsort gestört worden war.
Dreistufiger Plan baut die gesamte Lufthansa-Flotte um Die Schließung der CityLine stellt den ersten von drei Schritten dar, mit denen die Lufthansa die Kapazitäten und Kosten im gesamten Konzern senken will. In der zweiten Phase sollen bis zum Ende des Sommerflugplans vier ältere Langstreckenjets vom Typ Airbus A340-600 sowie zwei Boeing 747-400 aus der Flotte der Kernmarke Lufthansa ausgemustert werden. In der dritten Phase, während des Winterpfplans 2026/2027, soll die Kurz- und Mittelstreckenkapazität um weitere fünf Flugzeuge reduziert werden. Gleichzeitig wird die Ferientochter Discover Airlines schneller wachsen und neun zusätzliche Langstreckenjets vom Typ Airbus A350 erhalten. Streichert nannte die „stark gestiegenen Kerosinpreise“ und die „geopolitische Instabilität“ als Hauptgründe für den Flottenumbau, hielt jedoch fest, dass das Ende der CityLine „als Teil unserer strategischen Weiterentwicklung bereits seit langem geplant“ gewesen sei. Der Konzern kündigte zudem Maßnahmen zur Senkung der Verwaltungskosten an, wobei Einsparungen bei Rekrutierung, internen Veranstaltungen und externer Beratung angestrebt werden. Dies ergänzt den bereits angekündigten Plan, bis zum Jahr 2030 insgesamt 4.000 Stellen in der Verwaltung abzubauen.
Kapazitätsreduzierungsplan der Lufthansa: CityLine-Flugzeuge (before: 27 Flugzeuge im Linienbetrieb, after: Dauerhaft abgezogen ab 18. April 2026); Langstreckenflotte (Kernmarke) (before: Beinhaltet 4 A340-600 und 2 Boeing 747-400, after: Ausmusterung bis Ende Sommer 2026); Kurz-/Mittelstrecke (Kernmarke) (before: Aktuelle Kapazität, after: Reduzierung um 5 Flugzeuge ab Winter 2026/2027); Discover Airlines (before: Aktuelle A350-Flotte, after: Zuwachs um 9 zusätzliche A350)
Gewerkschaften bezeichnen Schließung als Krieg gegen die Belegschaft Die Schließung stieß bei den beiden am Tarifkonflikt beteiligten Gewerkschaften auf scharfe Kritik. Die Kabinengewerkschaft UFO wertete den Schritt als direkte Vergeltung für die Streiks, die die Woche über zu hunderten Flugausfällen an deutschen Flughäfen geführt hatten. „„Wir sind erschüttert und schockiert über so viel Skrupellosigkeit. Das ist ein offener Krieg gegen die eigenen Leute.“” — Harry Jaeger via Reuters Andreas Pinheiro, Präsident der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, bestätigte, dass die Streiks bei Lufthansa und CityLine am Freitag wie geplant fortgesetzt würden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte zuvor moniert, dass die Kernmarke auf einigen kürzeren Strecken keinen Gewinn mehr erwirtschafte – eine Aussage, die von den Gewerkschaften als Vorbote für Strafmaßnahmen gesehen wurde. Die Lufthansa erklärte, sie beabsichtige nicht, einen Sozialplan mit der UFO auszuhandeln; Gespräche über einen Sozialplan für die rund 500 Piloten und 800 Flugbegleiter sollen stattdessen mit den Betriebspartnern geführt werden. Die Ankündigung erfolgte inmitten der geplanten Jubiläumswoche des Konzerns, während der UFO und die Vereinigung Cockpit abwechselnd zu insgesamt fünf Streiktagen aufgerufen hatten.
418 (Millionen Euro) — Gesamtkosten der sozialen Konflikte für die Lufthansa Group im Jahr 2023
Rund 2.100 Arbeitsplätze betroffen – Widerstand gegen Wechselangebote Nach Unternehmensangaben sind etwa 2.100 Mitarbeiter der CityLine von der Schließung betroffen. Die Lufthansa erklärte, sie strebe eine Weiterbeschäftigung innerhalb des Konzerns an. Dabei würden Stellen bei anderen Töchtern angeboten, darunter City Airlines, ein kostengünstigerer Ableger, der speziell für einen Betrieb mit niedrigeren Kostenstrukturen gegründet wurde. Allerdings hatten viele CityLine-Beschäftigte laut einem Bericht der Wirtschaftswoche frühere Wechselangebote zur City Airlines bereits abgelehnt. Streichert betonte, das Ziel bleibe, den CityLine-Besatzungen „Optionen für eine berufliche Perspektive innerhalb der Lufthansa Group“ anzubieten. Bevor der Betrieb rechtlich eingestellt werden kann, muss ein formeller Sozialplan abgeschlossen werden; die Gespräche hierzu mit den Betriebspartnern stehen noch aus. Die Lufthansa präzisierte, dass sie in diesen Verhandlungen nicht mit der UFO zusammenarbeiten werde – eine Haltung, die die Gewerkschaft als Beweis für fehlende Vertrauenswürdigkeit bezeichnete.
Lufthansa CityLine wurde 1958 gegründet und spezialisierte sich auf Regionalverbindungen von und zu den Drehkreuzen Frankfurt und München. Die Airline wurde als 100-prozentige Tochter der Lufthansa Group geführt, zu der auch Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Eurowings gehören. Soziale Konflikte kosteten den Lufthansa-Konzern im Jahr 2023 insgesamt 418 Millionen Euro, wovon allein 53 Millionen Euro auf die CityLine entfielen. Der Konzern verzeichnete 2023 einen Nettogewinn von 1,67 Milliarden Euro (nach 791 Millionen Euro im Jahr 2022), prognostizierte jedoch aufgrund der Normalisierung der Nachfrage und anhaltend hoher Kosten ein sinkendes operatives Ergebnis für die Zukunft.
Mentioned People
- Till Streichert — Dyrektor Finansowy Grupy Lufthansa
- Carsten Spohr — Prezes i Dyrektor Generalny (CEO) Lufthansy
- Harry Jaeger — Ekspert ds. układów zbiorowych w związku zawodowym personelu pokładowego UFO
- Andreas Pinheiro — Prezes związku zawodowego pilotów Vereinigung Cockpit
Sources: 23 articles
- Lufthansa zieht sich aus Cityline zurück: Gewerkschaft spricht von "offenem Krieg" (Neue Zürcher Zeitung)
- Hohe Kerosinkosten und Arbeitskämpfe: Lufthansa stoppt Flugangebot von Cityline (stern.de)
- Lufthansa accelerates cost cuts, closing subsidiary, as fuel prices surge (France 24)
- Plombée par les grèves et la flambée du kérosène, Lufthansa enterre précipitamment sa filiale CityLine (LesEchos.fr)
- Aviação. Subida do preço dos combustíveis força suspensões e cancelamentos de voos e reservas (RTP - Rádio Televisão Portuguesa)
- Lufthansas Cityline gegroundet: Swiss-Schwester ist am Ende (Blick.ch)
- Teure Streiks und Kerosin - Lufthansa legt Cityline still (Süddeutsche Zeitung)
- Lufthansa Streik: Konzern legt CityLine still und flottet Jets aus (Wirtschafts Woche)
- Teure Streiks und Kerosin - Lufthansa legt Cityline still (stern.de)
- Streiks und knappes Kerosin: Lufthansa setzt Änderungen in der Flotte um (Frankfurter Allgemeine)