Die britische Fluggesellschaft easyJet hat für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres eine deutliche Ausweitung ihres Vorsteuerverlustes auf bis zu 560 Millionen Pfund prognostiziert. Hauptgrund für die Verschlechterung sind die massiv gestiegenen Treibstoffpreise infolge des militärischen Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran. Trotz eines Passagierwachstums belasten geopolitische Spannungen und juristische Rückstellungen die Bilanz erheblich.
Massive Verluste durch Kerosinpreise
Ein Kerosinpreis von 200 Dollar pro Barrel belastet das Halbjahresergebnis mit bis zu 560 Millionen Pfund.
Geopolitische Auswirkungen auf Buchungen
Der Konflikt führt zu kürzeren Buchungsfristen und einer Verschiebung der Reiseziele in den westlichen Mittelmeerraum.
Robuste operative Basis
Trotz finanzieller Defizite stieg die Auslastung auf 90 Prozent; die Liquidität liegt bei 4,7 Milliarden Pfund.
EasyJet warnte am Donnerstag vor einem Vorsteuerverlust zwischen 540 Millionen und 560 Millionen Pfund für das am 31. März 2026 endende erste Halbjahr des Geschäftsjahres. Dies stellt eine erhebliche Verschlechterung gegenüber dem Verlust von 394 Millionen Pfund im Vorjahreszeitraum dar. Der britische Billigflieger führte die negative Entwicklung primär auf den anhaltenden Krieg der USA und Israels gegen den Iran zurück, der die Kerosinpreise in den vergangenen Wochen auf bis zu 200 US-Dollar pro Barrel getrieben hat. Allein im März 2026 verursachte der Konflikt zusätzliche Treibstoffkosten in Höhe von 25 Millionen Pfund, während eine Nettoerhöhung der Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit um 30 Millionen Pfund den finanziellen Druck weiter verschärfte. Die Aktien von easyJet fielen im frühen Handel an der Londoner Börse um bis zu 9 Prozent, bevor sie sich am Vormittag bei einem Minus von etwa 3 Prozent stabilisierten.
560m (GBP) — Maximal prognostizierter Vorsteuerverlust von easyJet im ersten Halbjahr
Vorsteuerverlust von easyJet im ersten Halbjahr: Verlust (H1 2024-25) (before: 394 Millionen Pfund, after: 540–560 Millionen Pfund (H1 2025-26))
Treibstoff-Hedging deckt 70 Prozent, ungesicherte Kosten belasten dennoch Kenton Jarvis, der das Amt des Vorstandsvorsitzenden bei easyJet im Januar 2025 übernahm, erklärte, die Fluggesellschaft habe 70 Prozent ihres Treibstoffbedarfs für das restliche Geschäftsjahr bis September abgesichert, um die Anfälligkeit für Preisschwankungen zu begrenzen. Der ungesicherte Teil bleibt jedoch hochgradig riskant: Laut Unternehmen führt jede Veränderung des Spotpreises für Kerosin um 100 US-Dollar pro Tonne zu Mehrkosten von etwa 40 Millionen Pfund. Der aktuelle Preis liegt rund 800 US-Dollar höher als vor Beginn des Konflikts. Jarvis betonte, dass die Treibstoffversorgung normal verlaufe, und wies Spekulationen über mögliche Flugstreichungen im Sommer zurück. „„Wir haben Sicht bis Mitte Mai und haben keine Bedenken.“” — Kenton Jarvis via The Independent Er räumte jedoch eine Veränderung im Passagierverhalten ein und sprach von einer „allgemeinen Verkürzung des Buchungszeitraums, da die Menschen mit der Buchung bis kurz vor dem Abflug warten“. Die Buchungen für das dritte Quartal liegen zwei Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau; laut Handelsblatt sind derzeit 63 Prozent der Sitzplätze verkauft, verglichen mit 65 Prozent im Vorjahr. Trotz dieses Gegenwinds verwies Jarvis auf die bisher geschäftigsten Osterfeiertage der Unternehmensgeschichte und erklärte, die Vorbereitungen auf die sommerliche Hochsaison verliefen nach Plan.
4.7bn (GBP) — Vom CEO angeführter Liquiditätspuffer von easyJet
Ryanair-Chef O'Leary warnt vor Versorgungsengpässen in Europa Michael O'Leary, Chef des Konkurrenten Ryanair, äußerte eine allgemeinere Warnung für die Branche. Anfang April gab O'Leary gegenüber Sky News zu bedenken, dass europäischen Fluggesellschaften im Mai und Juni Versorgungsengpässe beim Treibstoff drohen könnten, falls der Krieg andauere und die Straße von Hormus geschlossen bleibe. Jarvis widersprach dieser Darstellung und sah für easyJet bis Mitte Mai keine Versorgungsprobleme. Die Fluggesellschaft berichtete zudem, dass die Nachfrage nach Zielen wie Zypern, der Türkei und Ägypten nach einem iranischen Angriff auf den britischen Stützpunkt Akrotiri auf Zypern zunächst eingebrochen sei, sich aber inzwischen teilweise erholt habe. Laut Jarvis gibt es eine leichte Verschiebung der Passagierströme vom östlichen zum westlichen Mittelmeerraum, wo die Nachfrage vergleichsweise stabil bleibt. Auch die Inlandsstrecken zeigten sich robust.
Der militärische Einsatz der USA und Israels gegen den Iran, bekannt als „Operation Epic Fury“, begann am 28. Februar 2026 und führte bereits in der Anfangsphase zum Tod von Ali Chamenei. Der Konflikt löste sofortige Störungen im globalen Luftverkehr aus, darunter Luftraumsperrungen und eine Blockade des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus, was die Öl- und Kerosinpreise drastisch ansteigen ließ. EasyJet mit Hauptsitz am Flughafen London-Luton verzeichnet üblicherweise in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres – der Winterperiode – Verluste und ist auf die Sommersaison angewiesen, um den Großteil des Jahresgewinns zu erwirtschaften.
Vollständige Ergebnisse für den 16. Mai erwartet EasyJet plant die Veröffentlichung der vollständigen Halbjahreszahlen für den 16. Mai 2026. Die Auslastung der Flugzeuge stieg im Zeitraum von Oktober 2025 bis März 2026 um zwei Prozentpunkte auf 90 Prozent – ein Zeichen dafür, dass das Passagiervolumen trotz der verschlechterten Finanzlage stabil blieb. Jarvis erklärte, dass die Fluggesellschaft dank ihrer soliden Bilanz und einer Liquidität von 4.7 Milliarden Pfund gut aufgestellt sei, um kurzfristige geopolitische Schocks abzufedern. „„Trotz dieser positiven Aspekte hat sich unsere finanzielle Leistung im ersten Halbjahr im Jahresvergleich verschlechtert, beeinflusst durch den Konflikt im Nahen Osten und das Wettbewerbsumfeld in einigen Märkten.“” — Kenton Jarvis via The Wall Street Journal Zu den Details der juristischen Altlasten, die zu den Rückstellungen in Höhe von 30 Millionen Pfund führten, machte das Unternehmen keine Angaben. Jarvis warnte, dass bei dauerhaft hohen Treibstoffkosten steigende Ticketpreise in der gesamten Branche die zwangsläufige Folge wären.
Mentioned People
- Kenton Jarvis — Dyrektor generalny easyJet od stycznia 2025 roku
- Michael O'Leary — Dyrektor generalny grupy Ryanair
- Johan Lundgren — Były dyrektor generalny easyJet (grudzień 2017 – styczeń 2025)
Sources: 11 articles
- EasyJet asegura que tiene "garantizado" el 70% del queroseno para... (europa press)
- EasyJet annonce une perte semestrielle qui se creuse sous l'effet du conflit au Moyen-Orient (SudOuest.fr)
- Der Börsen-Tag: Iran-Krieg macht Easyjet zu schaffen - Aktie bricht ein (N-tv)
- EasyJet warns profits will suffer as Iran war hits bookings and fuel prices (The Guardian)
- EasyJet espera prejuízos acima dos 600 milhões no 1.º semestre devido à guerra no Médio Oriente (Diario de Noticias)
- EasyJet shares drop 9% as it suffers £25m higher fuel bill from Middle East war (The Independent)
- Easyjet annonce une perte semestrielle creusée par la guerre au Moyen-Orient (Mediapart)
- EasyJet: Iran war causing 'near-term uncertainty on fuel costs and customer demand' (The Independent)
- Luftfahrt: Easyjet rechnet mit höherem Verlust - Aktie bricht ein (Handelsblatt)
- easyJet Flags First-Half Loss as Middle East Conflict Bites (The Wall Street Journal)