Nachdem ein junger Wolf am vergangenen Montag im Hamburger Stadtteil Altona eine Frau verletzte, ist die Entscheidung über den weiteren Verbleib des Tieres weiterhin offen. Das Tier wird derzeit in einer Wildtier-Auffangstation in Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg festgehalten, während Experten den genauen Hergang der Konfrontation untersuchen.

Ungeklärte Biss-Frage

Es ist umstritten, ob der Wolf die Frau gebissen oder lediglich mit der Pfote gekratzt hat.

Historischer Präzedenzfall

Ein bestätigter Biss wäre der erste Wolfsangriff in Deutschland seit der Wiederbesiedlung 1998.

Staatliche Prüfung

Die Umweltbehörde prüft Optionen zwischen Auswilderung, Dauerhaftung und Einschläferung.

Fast eine Woche nach der Verletzung einer Frau durch einen Wolf in einer Hamburger Einkaufspassage haben die Behörden noch keine Entscheidung über das Schicksal des eingefangenen Tieres getroffen. Dieses wird weiterhin in einer Wildtierstation in der Nähe von Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg untergebracht. Der Vorfall ereignete sich am Montagabend, dem 30. März 2026, als der junge Rüde in eine kleine Glaspassage im Zentrum von Altona lief und eine etwa 60-jährige Frau verletzte. Anschließend flüchtete das Tier mehrere Kilometer durch die Hamburger Innenstadt, bis es schließlich in die Binnenalster sprang und dort von der Polizei mit einer Fangschlinge gesichert werden konnte. Stand Sonntag, den 5. April 2026, gab es von offizieller Seite keine neuen Informationen zur Zukunft des Wolfes. Befürworter einer Freilassung planten für denselben Nachmittag eine Mahnwache am Hamburger Jungfernstieg. Biss oder Pfotenhieb? Experten und Zeugen widersprechen sichEin zentraler Streitpunkt ist die Frage, ob der Wolf die Frau tatsächlich gebissen oder lediglich mit der Pfote getroffen hat. Diese Unterscheidung ist für die rechtliche Bewertung und den Artenschutz von erheblicher Bedeutung. Die Umweltbehörde unter Leitung von Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) vertritt unter Berufung auf einen Polizeibericht die Ansicht, dass das Tier die Frau gebissen habe. Laut Fegebank habe die Frau offenbar versucht, das in Panik geratene Tier durch die automatischen Glastüren der Passage nach draußen zu leiten. Die Polizei hat den Bericht bisher jedoch nicht veröffentlicht, weshalb Details unbestätigt bleiben. Naturschützer widersprechen der Darstellung eines Bisses und verweisen auf einen Zeugen – einen Textilhändler mit Geschäft in der Passage –, der den Ablauf anders beschreibt.„Es sah eher so aus, als hätte der Wolf sie beim Hochspringen mit der Pfote im Gesicht getroffen.” — Unbenannter Textilhändler via Hamburger AbendblattNaturschützer argumentieren zudem, dass die ambulante Behandlung des Opfers im Universitätsklinikum Eppendorf nicht dem Schweregrad entspreche, der bei einem Wolfsbiss zu erwarten wäre. Erster Wolfsangriff auf Menschen seit Wiederbesiedlung 1998 – falls bestätigtSollte sich der Biss bestätigen, wäre dies der erste dokumentierte Fall eines Wolfsangriffs auf einen Menschen in Deutschland seit Beginn der Wiederbesiedlung. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Naturschutz erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass seit 1998 kein solcher Fall verzeichnet wurde. Die Bedeutung dieses Präzedenzfalls verschärft die Debatte über den Umgang mit dem Tier. Fegebank nannte drei Optionen: eine Auswilderung, die Einschläferung oder die Verbringung in einen Wildpark. Sie warnte davor, dass ein freigelassener Wolf erneut in besiedeltes Gebiet wandern könnte, was die Gefahr von Begegnungen auf Schulhöfen oder in Kitas berge.„Er hat es einmal getan, wird er es wieder tun?” — Katharina Fegebank via ZEIT ONLINE„Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde. Wölfe sind Raubtiere.” — Katharina Fegebank via ZEIT ONLINENachdem Wölfe rund 150 Jahre lang aus Deutschland verschwunden waren, siedelte sich Ende der 1990er Jahre das erste Rudel wieder an. Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz wurde seit dem Beginn der Wiederbesiedlung im Jahr 1998 kein Angriff auf Menschen registriert. Das in Hamburg beteiligte Tier war bereits am Wochenende vor dem Vorfall im Westen der Stadt gesichtet worden, was darauf hindeutet, dass es sich schon mehrere Tage im Stadtgebiet aufhielt. Experten schließen Wildpark aus, Mahnwache mobilisiert UnterstützerWolfsexperten halten die Unterbringung in einem Wildpark, die als humanste Lösung galt, für kaum umsetzbar. Norman Stier von der TU Dresden und Arne Vaubel, Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, erklärten, dass die Integration eines Wildwolfs in ein bestehendes Gehegerudel unmöglich sei. Hierbei stütze man sich auf Erfahrungen mit eingefangenen Hybriden aus der Frühphase der Wiederbesiedlung. Während die Behörden beraten, forderten Wolfsfreunde bei einer Mahnwache am Jungfernstieg die Freilassung des Tieres. Der Fall spaltet die öffentliche Meinung zwischen jenen, die den Wolf als Gefahr für den urbanen Raum betrachten, und jenen, die das Verhalten als reine Panikreaktion interpretieren.Wolfsvorfall in Hamburg – Zeitstrahl: — ; — ; — ; — ; —

Mentioned People

  • Katharina Fegebank — Wiceburmistrz Hamburga oraz senator ds. środowiska, klimatu, energii i rolnictwa

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