Am Ostersonntag, den 5. April 2026, befand sich der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal „Timmy“ weiterhin in einem kritischen Zustand. Die Behörden ordneten Wasserproben an, um die Auswirkungen des geringen Salzgehalts auf das Tier zu untersuchen. Umweltminister Till Backhaus besuchte den Einsatzort, während Experten davon ausgehen, dass der etwa zwölf Meter lange Wal verenden wird.
Gesundheitszustand kritisch
Der Wal weist Propellerverletzungen und Spuren von Netzen auf. Der niedrige Salzgehalt der Ostsee schädigt den Organismus zusätzlich.
Keine Euthanasie
Umweltminister Till Backhaus schließt eine aktive Einschläferung des Tieres aus; die Pflege werde bis zum Ende fortgesetzt.
Expertenurteil am Dienstag
Am 7. April wird eine finale Einschätzung durch international anerkannte Biologen und Tierärzte erwartet.
Der vor der Insel Poel nahe Wismar gestrandete Buckelwal „Timmy“ ist am Ostersonntag, dem 5. April 2026, weiterhin am Leben, befindet sich jedoch in einem kritischen Zustand. Deutsche Behörden ordneten die Entnahme von Wasserproben an, um den sich verschlechternden Gesundheitszustand des Tieres zu bewerten. Das rund zwölf Meter lange und zwölf Tonnen schwere Meeressäugetier sitzt seit Dienstag in den flachen Gewässern des Kirchsees fest; Experten gehen davon aus, dass es dort sterben wird. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus besuchte die Stelle am Sonntagnachmittag, um sich ein Bild der Lage zu machen. Ein Ministeriumssprecher beschrieb den Zustand des Wals als „unverändert“, was weder eine Besserung noch ein unmittelbares Ende bedeutet. Sämtliche formellen Rettungsversuche wurden bereits am Mittwoch, dem 1. April, eingestellt, nachdem Fachleute feststellten, dass das Tier nicht mehr über die Kraft verfügt, sich selbstständig zu befreien. Propellerverletzungen und Netzspuren bei geschwächtet Tier festgestelltDer körperliche Zustand des Wals hat sich verschlechtert, da sinkende Wasserstände zuvor nicht sichtbare Verletzungen freilegten. Backhaus bestätigte am Samstag, dass das Tier Wunden aufweise, die wahrscheinlich durch Schiffspropeller verursacht wurden – Schäden, die zuvor nicht erkennbar waren. „Das hatten wir vorher gar nicht gesehen.” — Till Backhaus via Der Tagesspiegel Zusätzlich zu den Propellerverletzungen identifizierten Spezialisten Male am Körper des Wals, bei denen vermutet wird, dass sie von einem Fischernetz stammen. Der niedrige Salzgehalt der Ostsee belastet das Tier zusätzlich; Backhaus erklärte, dass das Brackwasser dem Wal „schon massiv zugesetzt“ habe. Um verlässliche Daten über das Ausmaß dieser Belastung zu erhalten, ordneten die Behörden für Sonntag die Entnahme von Wasserproben in der Umgebung des Wals an, um den Salzgehalt zu testen. Zudem wurde eine Drohne eingesetzt, um weiteres Bildmaterial für die Analyse durch Wissenschaftler und Biologen zu gewinnen. „Wir wissen, dass das salzarme Wasser dem Tier schon massiv zugesetzt hat. Wir brauchen aber seriöse Daten, und die wollen wir heute gewinnen.” — Till Backhaus via Norddeutscher Rundfunk Regner kühlen die Haut, während der Wal alle paar Minuten atmetEinsatzkräfte der Feuerwehr besprühen die Haut des Wals rund um die Uhr mit Ostseewasser, um Schmerzen durch Austrocknung zu lindern. Wärmebildkameras bestätigten die Wirksamkeit dieser Maßnahme: Benetzte Hautpartien wiesen eine Temperatur von etwa 7,8 Grad Celsius auf, verglichen mit 20 bis 22 Grad Celsius an Stellen, die nicht befeuchtet werden konnten – etwa im Bereich der Lunge, der Nase und des Blaslochs. „Dort, wo wir ihn benetzen, ist die Temperatur deutlich niedriger. 7,8 Grad. Dort, wo wir ihn nicht benetzt haben wegen Lunge, Nase und Blasloch, waren wir bei etwa 20 bis 22 Grad.” — Till Backhaus via Norddeutscher Rundfunk Die Ausrichtung der Regner musste am Samstag angepasst werden, nachdem eine Änderung der Windrichtung den Wasserspiegel weiter sinken ließ, wodurch das Tier stärker aus dem Wasser ragte. Der Wal, der sich durch sein Eigengewicht etwa 50 Zentimeter tief in den Ostseeboden eingegraben hat, atmete am Samstag noch – teils alle zwei Minuten, teils alle vier bis fünf Minuten – und war akustisch wahrnehmbar. Backhaus merkte jedoch an, dass „seine Aktivitäten weniger werden“. Es wurde eine 500 (Meter) — Sperrzone um den gestrandeten Wal eingerichtet, um dem Tier ein Sterben ohne Störung durch Schaulustige zu ermöglichen. Euthanasie ausgeschlossen; Expertengutachten für Dienstag erwartetTrotz öffentlichen Drucks und einer Demonstration in Wismar am Samstag, bei der Bürger eine technische Rettung oder ein humanes Ende des Leids forderten, lehnte Backhaus eine Einschläferung kategorisch ab. „Das wird hier nicht stattfinden. Wir können ihn nicht einfach, mit welchen Mitteln auch immer, von seinem Leiden erlösen.” — Till Backhaus via N-tv Der Minister wies zudem Vorwürfe der Untätigkeit zurück und betonte, man kümmere sich „bis zur letzten Minute“ um den Wal; er räumte dabei auch die psychische Belastung für die Helfer ein. Eine abschließende Bewertung durch Meeresbiologen und Tierärzte – laut Backhaus „weltweit anerkannte“ Spezialisten – wird für Dienstag, den 7. April, erwartet. Danach soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation erläuterte den schweren Prozess, der bevorsteht. „Bei einem Großwal kann der Sterbeprozess mehrere Tage dauern, wobei der Druck des eigenen Körpergewichts die Organe zunehmend schädigt.” — Tamara Narganes Homfeldt via SRF News Der Tod werde durch vollständige Bewegungslosigkeit und das Ausbleiben der Atmung über einen Zeitraum von etwa einer Stunde festgestellt und mache sich später durch Verwesungsgase und -gerüche bemerkbar.Der Buckelwal war etwa vier Wochen lang durch die Ostsee gewandert, bevor er endgültig strandete. Seit Anfang März war das Tier viermal festgesetzt, konnte sich jedoch dreimal selbst befreien. Erstmals wurde er im Wismarer Hafen gesichtet, später am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein, wo er auf einer Sandbank auflief und mit Hilfe von Baggern befreit wurde. Am Montagabend vor der letzten Strandung befreite sich das geschwächte Tier nochmals aus eigener Kraft vom Boden und verschwand kurzzeitig, bevor es am Dienstag in die Wismarer Bucht zurückkehrte und vor Poel erneut auf Grund lief.Buckelwal Timmy — Chronik der Ereignisse: — ; — ; — ; — ; — ; — Das salzarme Ostseewasser stellt eine besondere Gefahr für Buckelwale dar, die an den offenen Ozean angepasst sind. Der Kirchsee, in dem das Tier feststeckt, bietet laut Experten vor Ort keine Chance auf Erholung.
Mentioned People
- Till Backhaus — Minister rolnictwa i środowiska kraju związkowego Meklemburgia-Pomorze Przednie
Sources: 8 articles
- Erneute Rettung von in Ostsee gestrandetem Wal wird geprüft (newsORF.at)
- Buckelwal bei Wismar - Rettung per Katamaran in Prüfung (Süddeutsche Zeitung)
- Buckelwal vor Ostseeküste: Doch noch Hoffnung für gestrandeten Wal? Minister bringt Rettung per Spezial-Katamaran ins Spiel - WELT (DIE WELT)
- Ostseeküste: Buckelwal bei Wismar - Rettung per Katamaran in Prüfung (ZEIT ONLINE)
- Buckelwal bei Wismar - Rettung per Katamaran in Prüfung (stern.de)
- Salzarmut und Verletzungen setzen Buckelwal schwer zu (stern.de)
- Ostseeküste: Salzarmut und Verletzungen setzen Buckelwal schwer zu (Der Tagesspiegel)
- Buckelwal in der Ostsee: Timmy atmet noch (Spiegel Online)
- Gestrandeter Buckelwal "Timmy" lebt - aber ist verletzt (SRF News)
- "Vorher nicht gesehen": Weitere Verletzungen an Buckelwal entdeckt - Wasserproben werden untersucht (Der Tagesspiegel)