Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot hat die ungarische Regierung scharf kritisiert, nachdem Tonaufnahmen eine enge Abstimmung zwischen Budapest und Moskau nahelegen. Den Berichten zufolge soll Außenminister Péter Szijjártó vertrauliche Informationen aus EU-Gremien direkt an seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow weitergegeben haben. Die Enthüllungen belasten Ministerpräsident Viktor Orbán unmittelbar vor den Parlamentswahlen am 12. April 2026.

Schwere Vorwürfe aus Paris

Außenminister Jean-Noël Barrot bezeichnet das ungarische Vorgehen als Verrat an der europäischen Solidarität.

Geleakte Aufnahmen belasten Szijjártó

Transkripte legen nahe, dass der ungarische Außenminister EU-Geheimnisse während Gipfeltreffen direkt an Russland weitergab.

Wahlkampf unter Hochspannung

Die Enthüllungen kommen kurz vor der Wahl am 12. April, bei der Orbáns Fidesz-Partei erstmals hinter der Tisza-Partei liegt.

Diplomatische Reaktionen

Frankreich, Polen und Deutschland planen Sicherheitsberatungen; Portugal äußert sich besorgt über die Schwere der Vorwürfe.

Frankreichs Minister für Europa und äußere Angelegenheiten, Jean-Noël Barrot, hat Ungarn am Donnerstag, dem 9. April 2026, des „Verrats“ bezichtigt. Hintergrund sind geleakte Tonaufnahmen, die darauf hindeuten, dass der ungarische Außenminister Péter Szijjártó wiederholt vertrauliche Beratungen der Europäischen Union mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow geteilt hat, einschließlich Details zu den Beitrittsgesprächen mit der Ukraine. In einem Interview mit dem französischen Radiosender France Inter bezeichnete Barrot dieses Verhalten als „Verrat an der wesentlichen Solidarität, die zwischen den Ländern der Europäischen Union erforderlich ist“. Die Vorwürfe werden drei Tage vor den ungarischen Parlamentswahlen am Sonntag, dem 12. April 2026, laut, bei denen die Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán in Umfragen hinter Oppositionsführer Péter Magyar liegt. Die Aufnahmen, die von einem Konsortium investigativer Medien veröffentlicht wurden – darunter VSquare, TheInsider, Delfi Estland, Frontstory und das Ján-Kuciak-Zentrum für investigativen Journalismus –, umfassen Gespräche aus dem Zeitraum von Dezember 2023 bis August 2025. Reuters berichtete, dass die Aufnahmen mithilfe von Quellen in mehreren Ländern sowie externen Audio-Experten unabhängig verifiziert wurden. Transkripte: Szijjártó rief Lawrow während des Gipfels anEine Aufnahme vom 14. Dezember 2023 dokumentiert mutmaßlich, wie Szijjártó Lawrow während einer Pause einer Tagung des Europäischen Rates anrief. Bei diesem Treffen entschieden die EU-Spitzen über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau. Laut Transkript sagte Lawrow in diesem Gespräch: „Manchmal ist wohlwollende, direkte Erpressung die beste Option.“ Szijjártó soll zudem angeboten haben, Lawrow ein Dokument bezüglich der Rolle von Minderheitensprachen in den EU-Beitrittsverhandlungen der Ukraine zuzusenden, mit den Worten: „„Ich schicke es Ihnen. Das ist kein Problem.“” — Péter Szijjártó via HotNews.ro In einem weiteren Austausch, bei dem Lawrow Szijjártó informierte, dass dieser nach einem Moskau-Besuch in der russischen Presse zitiert worden sei, fragte Szijjártó: „„Habe ich etwas Falsches gesagt?“” — Péter Szijjártó via HotNews.ro Die Transkripte zeigen zudem, dass Szijjártó ein Gespräch mit der Bemerkung schloss: „„Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung.“” — Péter Szijjártó via HotNews.ro Nach Berichten des VSquare-Redakteurs Szabolcs Panyi belegen die Aufnahmen die Übergabe von EU-Dokumenten an Lawrow. Weitere Gespräche betreffen die Vorbereitungen für Orbáns Reise nach Moskau im Jahr 2024 – während Ungarns EU-Ratspräsidentschaft – sowie angebliche Bemühungen Ungarns, weitere EU-Sanktionen gegen Russland im Jahr 2025 zu verhindern.Wichtige Ereignisse in der Leak-Affäre um Szijjártó und Lawrow: — ; — ; — ; — ; — Barrot reist nach Warschau – Druck auf Orbán wächstBarrot erklärte auf France 2, dass Präsident Emmanuel Macron ihn gebeten habe, am Freitag nach Warschau zu reisen, um mit Polen und Deutschland über Verteidigungs- und Sicherheitsfragen zu beraten. Dies signalisiert, dass die Angelegenheit über bilaterale Spannungen hinausgeht. „„Der ungarische Außenminister telefoniert und koordiniert sich mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, während er am Ministerrat in Brüssel teilnimmt.“” — Jean-Noël Barrot via Mediapart Barrot warnte zudem, dass die Europäer aufhören müssten, lediglich „Konsumenten von Sicherheit“ aus den USA zu sein, und dass ein „Europa der Verteidigung“ angesichts der aktuellen Gefahren „schneller“ aufgebaut werden müsse. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hatte Szijjártó bereits zuvor darauf hingewiesen, dass interne EU-Beratungen nicht an Dritte weitergegeben werden dürfen, so ein Bericht von HotNews.ro. Szijjártó wies die Aufnahmen als „sinnlose Verschwörungstheorien“ und „Fake News“ zurück und schrieb deren Veröffentlichung einer „Einmischung ausländischer Geheimdienste“ in den ungarischen Wahlkampf zu. Er verwies zudem auf die Beteiligung des Investigativjournalisten Szabolcs Panyi, gegen den das ungarische Justizministerium etwa zwei Wochen vor der Veröffentlichung Strafanzeige wegen angeblicher Spionage für die Ukraine erstattet hatte. Der ungarische Oppositionsführer Péter Magyar bezeichnete Szijjártós Verhalten als „offenen Verrat an ungarischen und europäischen Interessen“.Ungarn unter Viktor Orbán unterhält seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 ungewöhnlich enge Verbindungen nach Moskau. Budapest blockierte oder verwässerte wiederholt EU-Sanktionspakete und behinderte Finanzhilfen für Kiew. Auf dem EU-Gipfel im März 2026 verhinderte Orbán die Auszahlung eines Milliardenkredits an die Ukraine. Bloomberg enthüllte separat ein Telefonat, in dem Orbán sich „voll und ganz in den Dienst“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin stellte und anbot, als „Maus“ zu fungieren, die dem russischen „Löwen“ hilft. Die Washington Post hatte Mitte März 2026 berichtet, Szijjártó habe Lawrow regelmäßig in Sitzungspausen über den Stand der Gespräche informiert. VSquare hatte bereits im März 2026 Audioaufnahmen eines früheren Gesprächs veröffentlicht, und Panyi publizierte zuvor ein Transkript eines Telefonats aus dem Jahr 2020, in dem Szijjártó Lawrow um Unterstützung für einen politischen Verbündeten bat. Vance besucht Budapest kurz vor dem UrnengangDie diplomatische Krise ereignet sich vor dem Hintergrund der am stärksten umkämpften Wahl in Ungarn seit Jahren. Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass Orbáns Fidesz-Partei gegen Magyars Tisza-Partei verlieren könnte. Eine von Reuters zitierte Prognose des Median-Instituts sieht Tisza sogar auf dem Weg zu einer Zweidrittelmehrheit. Am 7. April 2026 besuchte der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, JD Vance, Budapest in einer ungewöhnlichen Geste der Unterstützung für Orbán und warf der EU gleichzeitig „Wahlbeinflussung“ vor. Magyar, der die Tisza-Partei anführt und Mitglied des Europäischen Parlaments ist, bezeichnete die Aufnahmen als Beweis für „Hochverrat“. Szijjártó, seit 2014 ungarischer Minister für Außenhandel und Äußeres, bestritt den Kontakt zu Lawrow nicht, erklärte jedoch, die Gespräche zeigten lediglich, dass „Ungarn den Frieden fest verteidigt“. Er lehnte es ab, zu spezifischen Inhalten Stellung zu nehmen. Der portugiesische Außenminister Paulo Rangel nannte den Verdacht der Informierung Russlands bereits am 1. April 2026 in einer Parlamentsanhörung „offensichtlich sehr schwerwiegend“. Wenige Tage vor der Wahl stellen die Aufnahmen die bisher schärfste Herausforderung für Orbáns Behauptung dar, seine Regierung handele im nationalen Interesse Ungarns innerhalb der EU.

Mentioned People

  • Jean-Noël Barrot — Francuski minister ds. Europy i spraw zagranicznych
  • Péter Szijjártó — Węgierski minister spraw zagranicznych i handlu
  • Sergey Lavrov — Minister spraw zagranicznych Federacji Rosyjskiej
  • Viktor Orbán — Premier Węgier
  • Péter Magyar — Węgierski polityk, poseł do Parlamentu Europejskiego i lider partii Tisza
  • JD Vance — 50. Wiceprezydent Stanów Zjednoczonych
  • Emmanuel Macron — Prezydent Francji

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