Die Europäische Kommission hat im Rahmen einer Kartelluntersuchung unangekündigte Durchsuchungen in den Geschäftsräumen des Süßwarenkonzerns Ferrero durchgeführt. Betroffen sind Niederlassungen in zwei EU-Mitgliedstaaten wegen des Verdachts auf Wettbewerbsbeschränkungen im Binnenmarkt.
Durchsuchungen bei Ferrero
Die EU-Kommission hat unangekündigte Razzien an Standorten des Nutella-Herstellers in zwei Mitgliedstaaten durchgeführt.
Verdacht auf Marktfragmentierung
Es wird untersucht, ob Ferrero den grenzüberschreitenden Handel im Binnenmarkt einschränkt, um künstlich höhere Preise durchzusetzen.
Kooperation des Unternehmens
Ferrero bestätigt die Inspektionen und erklärt, vollumfänglich mit den europäischen Wettbewerbsbehörden zusammenzuarbeiten.
Die Europäische Kommission hat unangekündigte Durchsuchungen in den Büros des Herstellers von Nutella, Kinder und Tic-Tac in zwei EU-Mitgliedstaaten durchgeführt, wie das Unternehmen am Mittwoch bestätigte. Ferrero erklärte, man sei über die laufenden Inspektionen vor Ort informiert und kooperiere vollumfänglich mit den Ermittlern. Die Kommission hatte die Razzien zu Beginn der Woche angekündigt, ohne den Namen des Unternehmens zu nennen; Bloomberg identifizierte Ferrero zuerst als Ziel der Maßnahmen. Der im luxemburgischen Hauptquartier ansässige Konzern, der ursprünglich in Alba in Norditalien gegründet wurde, bestätigte die Untersuchungen auf Anfragen von Reuters und anderen Medienvertretern. „Das Unternehmen arbeitet uneingeschränkt zusammen und stellt die angeforderten Informationen zur Verfügung.” — Ferrero-Sprecher via Reuters Brüssel vermutet Marktabschottung und Beschränkungen im grenzüberschreitenden HandelDie Kommission gab an, es bestehe der Verdacht, dass das untersuchte Unternehmen gegen EU-Kartellvorschriften verstoßen habe, die Kartelle und wettbewerbsbeschränkende Praktiken sowie den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung untersagen. Konkret prüft Brüssel eine mögliche Marktabschottung durch Beschränkungen des Warenhandels zwischen Mitgliedstaaten innerhalb des Binnenmarkts sowie Hindernisse für grenzüberschreitende Einkäufe. Sollten sich diese Praktiken bestätigen, könnten sie es einem Unternehmen ermöglichen, in bestimmten nationalen Märkten höhere Preise zum Nachteil der Verbraucher zu verlangen. Europäische Einzelhändler werfen großen Konsumgüterherstellern seit langem vor, unterschiedliche Preise in den EU-Ländern aufrechtzuerhalten und es Supermärkten zu erschweren, Markenprodukte in großen Mengen grenzüberschreitend zu beziehen. Die Kommission betonte, dass die Inspektionen keine Vorverurteilung darstellen und dem Ausgang der Untersuchung nicht vorgreifen. „Das untersuchte Unternehmen könnte gegen EU-Kartellvorschriften verstoßen haben, die Kartelle und wettbewerbsbeschränkende Praktiken sowie den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung verbieten.” — Europäische Kommission via Corriere della Sera Geldstrafe gegen Mondelez als Präzedenzfall für die Ferrero-ErmittlungenDie Europäische Kommission verfügt über langjährige Erfahrung bei der Durchsetzung von Wettbewerbsregeln im Lebensmittel- und Süßwarensektor. Zwei Jahre vor den Inspektionen bei Ferrero verhängte Brüssel eine Geldbuße in Höhe von 337,5 Millionen Euro gegen den US-amerikanischen Keks- und Schokoladenriesen Mondelez wegen illegaler Preissteigerungen durch Wettbewerbsbeschränkungen in der EU. Die Befugnis der Kommission, unangekündigte Inspektionen durchzuführen, ist ein Standardinstrument bei Kartelluntersuchungen und bedeutet keine Feststellung eines Fehlverhaltens. Der Fall Mondelez verdeutlicht das Ausmaß der Sanktionen, die auf bestätigte Verstöße in dieser Branche folgen können. Ferrero gehört laut einem Bericht von 20minutes mit weltweit fast 50.000 Mitarbeitern zu den größten Süßwarenkonzernen der Welt. Das Unternehmen meldete für das Jahr 2024 einen Umsatz von 19.3 (Milliarden Euro) — Ferrero-Jahresumsatz für 2024, was einer Steigerung von 4,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im vergangenen Jahr expandierte Ferrero deutlich durch die Übernahme des US-Frühstücksflockenherstellers WK Kellogg. Die Größe des Unternehmens und seine grenzüberschreitende Marktpräsenz machen es zu einem bedeutenden Subjekt für Untersuchungen des EU-Binnenmarktes. Anonyme Ankündigung der Kommission folgte Exklusivbericht von BloombergDer Ablauf der Veröffentlichungen war bemerkenswert: Die Kommission kündigte die Razzien am Montag an, ohne das Unternehmen zu benennen, und sprach lediglich von einem „im Sektor für Schokoladen- und Süßwaren aktiven Unternehmen“. Bloomberg benannte daraufhin Ferrero als Ziel, woraufhin das Unternehmen selbst eine öffentliche Bestätigung abgab. Die Praxis der Kommission, den Namen eines untersuchten Unternehmens in der frühen Phase einer Kartellprüfung zunächst zurückzuhalten, entspricht dem Standardverfahren, da Untersuchungen Monate oder Jahre in Anspruch nehmen können. Während sich der Hauptsitz von Ferrero in Luxemburg befindet, liegen die Wurzeln der Gruppe in Alba in der norditalienischen Region Piemont. Die Marken des Unternehmens – Nutella, Kinder und Tic-Tac – gehören zu den am weitesten verbreiteten Süßwarenprodukten in den EU-Mitgliedstaaten, was für den Fokus der Kommission auf grenzüberschreitende Handelsbeschränkungen relevant sein dürfte. Ein Zeitplan für den Abschluss der Untersuchung wurde nicht bekannt gegeben. 337.5 (Millionen Euro) — Geldstrafe gegen Mondelez wegen EU-Wettbewerbsverstößen, angeführt als Präzedenzfall
Mentioned People
- Ferrero spokesperson via Reuters — Rzecznik firmy potwierdzający współpracę z organami śledczymi
Sources: 14 articles
- Ferrero, ispezioni dell'Antitrust Ue in due Stati. Il gruppo: "Collaboriamo" (Corriere della Sera)
- Ferrero targeted in EU antitrust probe, says company (POLITICO)
- Le fabricant du Nutella, Ferrero, visé par une enquête antitrust de Bruxelles (LesEchos.fr)
- "Violazioni delle norme sulla concorrenza", ispezioni della Commissione Ue alla Ferrero (lastampa.it)
- Le fabricant des Kinder et du Nutella dans le viseur de la Commission européenne (20minutes)
- Εφοδος της Ε.Ε. στη Ferrero - Ερευνα για παραβίαση των κανόνων ανταγωνισμού | Η ΚΑΘΗΜΕΡΙΝΗ (H Kαθημερινή)
- EU-Ermittlungen: Razzia bei Nutella-Hersteller -- Büro in Luxemburg durchsucht - WELT (DIE WELT)
- Concurrence: le fabricant du Nutella dans le viseur de la Commission européenne (Le Figaro.fr)
- EU-Kommission: Razzia bei Nutella-Hersteller Ferrero wegen Kartellverdachts (Handelsblatt)
- EU-Razzia bei Ferrero wegen Kartellverdachts (newsORF.at)