An der Pariser Börse sind die Aktien der Luxuskonzerne Hermès und Kering am 15. April 2026 deutlich gefallen. Hintergrund sind die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten sowie negative Währungseffekte auf die Geschäftszahlen des ersten Quartals. Während die Hermès-Aktie zeitweise um über zwölf Prozent nachgab, verzeichnete Kering einen Rückgang von mehr als zehn Prozent.
Kurseinbruch bei Luxusriesen
Die Aktien von Hermès und Kering verloren in Paris massiv an Wert, nachdem die Quartalszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben.
Nahostkonflikt als Hauptursache
Der Krieg im Nahen Osten führte zu einem Rückgang der Verkäufe in der Golfregion und einem Ausbleiben wohlhabender Touristen in Europa.
Währungseffekte belasten Bilanz
Starke Währungsschwankungen reduzierten den gemeldeten Umsatz von Hermès um 290 Millionen Euro.
Gucci schwächelt überproportional
Die Kering-Marke Gucci verzeichnete ein organisches Minus von 8 Prozent und schnitt damit schlechter ab als von Experten prognostiziert.
Die Aktien der französischen Luxusgütergruppen Hermès und Kering sind am 15. April 2026 an der Pariser Börse deutlich eingebrochen, nachdem beide Unternehmen Quartalszahlen vorgelegt hatten, die durch den Krieg im Nahen Osten und ungünstige Wechselkurse belastet wurden. Die Aktie von Hermès sank bis 09:13 Uhr Pariser Zeit um 12.17 (%) — Kursverlust der Hermès-Aktie im frühen Pariser Handel auf 1.568,50 Euro. Zeitgleich fielen die Papiere von Kering um 10,23 Prozent auf 251,40 Euro, was den CAC 40 mit rund 0,56 bis 0,60 Prozent ins Minus zog. Hermès meldete für das erste Quartal einen Umsatz von 4,07 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 1,4 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht. Währungsschwankungen allein schmälerten den Umsatz um 290 (Millionen Euro) — negative Währungseffekte auf den Hermès-Umsatz im ersten Quartal. Auf Basis konstanter Wechselkurse stieg der Umsatz zwar um 5,6 Prozent, blieb damit jedoch hinter dem von Visible Alpha ermittelten Analystenkonsens von 7,44 Prozent zurück. Während der Pariser Markt durch die Verluste der Schwergewichte belastet wurde, tendierten die Börsen in Frankfurt, London und Mailand zur gleichen Zeit nahe ihrer Vortagesschlusskurse.
Nahostkonflikt bremst Konsum in der Golfregion und an Flughäfen Der Konflikt im Nahen Osten traf Hermès ab März besonders deutlich, vor allem in den Golfstaaten sowie in Frankreich, wo die Touristenströme abnahmen. In der Region Nahost sank der Umsatz bei konstanten Wechselkursen um sechs Prozent auf 160 Millionen Euro, verglichen mit 185 Millionen Euro im ersten Quartal 2025. In den Luxus-Einkaufszentren der Vereinigten Arabischen Emirate brachen die Verkäufe laut Hermès-Finanzvorstand Eric du Halgouet allein im März um 40 Prozent ein. Das Großhandelsgeschäft war erheblich von geringeren Umsätzen an Konzessionsstandorten betroffen, insbesondere im Nahen Osten und an Flughäfen. In Frankreich sank der Umsatz um 2,8 Prozent, was auf geringere Ausgaben von Touristen zurückzuführen sei. Auch die Hermès-Boutiquen in Italien, der Schweiz und Großbritannien spürten den Rückgang der Kundschaft aus dem Nahen Osten, wie du Halgouet in einem Gespräch mit Journalisten bestätigte. Ungeachtet der regionalen Turbulenzen stiegen die Umsätze in den konzerneigenen Läden um sieben Prozent; in Amerika, Japan und Europa (ohne Frankreich) erzielte das Unternehmen zweistellige Zuwachsraten.
„„Der Nahe Osten verzeichnete ein Minus von sechs Prozent und war im März natürlich erheblich von den geopolitischen Ereignissen in der Region betroffen.“” — Eric du Halgouet via RTE.ie
Nahost: -6, Frankreich: -2,8, Asien-Pazifik (ohne Japan): +2,2, Gesamtkonzern: +5,6
Hermès International wurde 1837 von Thierry Hermès in Paris gegründet und war ursprünglich auf Sättel und Zaumzeug spezialisiert. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem der weltweit führenden Luxushäuser, bekannt für Produkte wie die Birkin- und Kelly-Handtaschen, Seidenschals und Parfums. Im Jahr 2025 war der Nahe Osten noch die am schnellsten wachsende Region für Hermès, bevor der Konflikt ab März 2026 die Konsumaktivität und Touristenströme beeinträchtigte. Die Luxusbranche hatte für 2026 allgemein auf eine Erholung gehofft, getragen durch eine stärkere Performance in den USA und China, doch der Krieg im Iran belastet nun die Erwartungen des gesamten Sektors.
Gucci verfehlt Prognosen deutlicher als erwartet Kering, die französische Luxusgüter-Holding, der Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Balenciaga gehören, meldete ebenfalls schlechter als erwartete Ergebnisse. Analysten von Bernstein merkten an, Kering habe „schlechter abgeschnitten als prognostiziert“. Die Kernmarke Gucci verzeichnete ein organisches Minus von acht Prozent, während ein Rückgang von sechs Prozent erwartet worden war. Kering gab an, dass die künftige Entwicklung stark von den Auswirkungen auf die globalen Tourismustrends und das makroökonomische Umfeld abhänge. Die Ergebnisse setzten eine schwierige Woche für den Pariser Luxussektor fort, nachdem zuvor bereits LVMH schwache Zahlen präsentiert hatte. LVMH-Finanzvorständin Cécile Cabanis erklärte, dass der Umsatz in der wichtigen Sparte für Mode und Lederwaren – zu der auch Louis Vuitton und Christian Dior Couture gehören – ohne den Konflikt stabil geblieben wäre. Vor dem 15. April hatten Hermès-Aktien im Jahr 2026 bereits rund 16 Prozent verloren, während LVMH-Papiere im gleichen Zeitraum um etwa 25 Prozent sanken. Dies unterstreicht die relative Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells von Hermès, das auf künstlicher Verknappung basiert.
„„Der Umsatz in der Kernsparte von LVMH wäre ohne den Konflikt eher stabil als rückläufig gewesen.“” — Cécile Cabanis via Bloomberg Business
Vorstandschef bekräftigt Vertrauen in langfristige Strategie Trotz der enttäuschenden Quartalszahlen betonte die Führung von Hermès, dass das Geschäftsmodell intakt sei, und bestätigte die mittelfristigen Prognosen für das Umsatzwachstum bei konstanten Wechselkursen. Der Vorstandsvorsitzende Axel Dumas bezeichnete die Ergebnisse als vorübergehende Störung und nicht als strukturellen Trendbruch. Erst letzte Woche eröffnete Hermès sein 25. Werk für Lederwaren – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen trotz geopolitischer Unsicherheiten an seinen Investitionsplänen festhält. In der Region Asien-Pazifik (ohne Japan) stieg der Umsatz lediglich um 2,2 Prozent bei konstanten Wechselkursen und verfehlte damit die Erwartungen der Analysten von 5,84 Prozent deutlich. Zum Vergleich: Im Vorquartal hatte Hermès noch ein Plus von 9,8 Prozent erzielt, was die aktuelle Verlangsamung auf 5,6 Prozent besonders markant macht. Mit Preisen ab etwa 13.000 US-Dollar für Taschenmodelle wie Birkin oder Kelly bleibt die Marke im obersten Segment der wohlhabendsten Konsumenten positioniert.
„„In einem angespannten geopolitischen Umfeld hält Hermès Kurs und bleibt seiner langfristigen Strategie treu. Gestützt auf hohe Kreativität, kompromisslose Qualitätsstandards und die Loyalität seiner Kunden setzt Hermès den Weg des profitablen Wachstums im Jahr 2026 mit Zuversicht und Entschlossenheit fort.“” — Axel Dumas via Il Sole 24 ORE
Quartalsweises Umsatzwachstum von Hermès (konstante Wechselkurse): Wachstum Q4 2025 (before: Vorquartal, after: +9,8%); Wachstum Q1 2026 (before: Analystenprognose, after: +5,6% (vs. 7,44% erwartet))
Mentioned People
- Axel Dumas — Dyrektor generalny (CEO) Hermès, członek szóstej generacji rodziny Hermès-Dumas
- Eric du Halgouet — Dyrektor finansowy Hermès
- Cécile Cabanis — Dyrektor finansowa LVMH
Sources: 8 articles
- Luxe: les poids lourds Hermès et Kering délaissés à la Bourse de Paris (La Libre.be)
- Hermès et Kering chutent à la Bourse de Paris, plombés par la guerre au Moyen-Orient (La Libre.be)
- Hermès pénalisé au premier trimestre par la guerre au Moyen-Orient et les taux de change (Mediapart)
- Les ventes d'Hermès affectées par la guerre au Moyen-Orient (LesEchos.fr)
- Geschäftszahlen im Newsblog: Luxushersteller Hermès verkauft vor allem in Frankreich weniger (Handelsblatt)
- Hermes Sales Growth Slows Amid Uncertain Recovery Path for Luxury Sector (The Wall Street Journal)
- Hermes reports hit to first-quarter sales from Iran war (RTE.ie)
- Hermès, primo trimestre inferiore alle attese a causa dalla guerra in Medio Oriente (Il Sole 24 ORE)
- Hermès Sales Disappoint as Disruption From Middle East War Bites (Bloomberg Business)