Das für seine umweltfreundlichen Wollschuhe bekannte Unternehmen Allbirds hat eine weitreichende Neuausrichtung bekannt gegeben und firmiert künftig als NewBird AI. Nach dem Verkauf des Schuhgeschäfts für lediglich 39 Millionen US-Dollar plant die Firma nun den Aufbau einer Cloud-Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Der Aktienkurs reagierte am Mittwoch mit einem sprunghaften Anstieg um mehr als 600 Prozent auf die Nachricht.

Radikaler Kurswechsel

Allbirds gibt das Geschäft mit nachhaltigen Sneakern auf und firmiert künftig als NewBird AI im Bereich KI-Infrastruktur.

Börsenspekulation

Die Aktie verzeichnete nach der Ankündigung Kursgewinne von über 600 Prozent, getrieben durch starke Nachfrage von Privatanlegern.

Verlust der Nachhaltigkeitsmission

Das Unternehmen gibt seinen Status als gemeinwohlorientierte Gesellschaft auf und konzentriert sich auf klassische Gewinnmaximierung im Tech-Sektor.

Das ehemals mit über 4 Milliarden US-Dollar bewertete ökologische Sneaker-Label Allbirds gab am 15. April 2026 bekannt, dass es die Schuhproduktion vollständig aufgibt. Unter dem neuen Namen NewBird AI konzentriert sich das Unternehmen fortan auf Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Infolge dieser Ankündigung stieg die Aktie am Mittwoch zeitweise um bis zu 620 (%) — Kursplus an einem einzigen Tag nach Bekanntgabe der Neuausrichtung. Das in San Francisco ansässige Unternehmen hatte bereits im Vormonat seine Marke und die Schuh-Bestände für 39 Millionen US-Dollar an die American Exchange Group verkauft — weniger als ein Prozent seiner einstigen Spitzenbewertung. Flankierend zum Rebranding vereinbarte Allbirds eine Wandelanleihe über 50 Millionen US-Dollar mit einem nicht genannten institutionellen Investor. Die Mittel sind für den Erwerb von Grafikprozessoren vorgesehen. Langfristig strebt das Unternehmen an, ein voll integrierter Anbieter von GPU-as-a-Service und KI-nativen Cloud-Lösungen zu werden. Die Aktie, die nur Tage zuvor unter 3 US-Dollar notierte, schloss laut New York Times am Mittwoch bei 16,99 US-Dollar. Von Wollschuhen zu Rechenzentren — eine Kehrtwende der WerteDer Kurswechsel stellt einen ideologischen Bruch für ein Unternehmen dar, das seine Identität auf ökologische Nachhaltigkeit und den Status einer gemeinwohlorientierten Gesellschaft gründete. Laut einem Bericht des Guardian an die US-Börsenaufsicht SEC erklärte Allbirds, das neue Unternehmen werde sich „weniger auf den öffentlichen Nutzen des Umweltschutzes konzentrieren“ und sich in eine konventionelle Aktiengesellschaft umwandeln. Der Kontrast zum Gründungsmythos ist erheblich: Mitgründer Joey Zwillinger hob 2019 auf einer deutschen Tech-Konferenz Nachhaltigkeit als Kern des Erfolgs hervor. „Man kann gar nicht übersehen, wofür unsere Werte stehen” — Joey Zwillinger via Gizmodo. Zwillinger prognostizierte damals zudem, dass Marken ohne wertegetriebene Mission weltweit kaum überlebensfähig seien. Jahrelang konnte die Firma prominente Unterstützer gewinnen, darunter Leonardo DiCaprio, der 2018 investierte, sowie Gwyneth Paltrow, Oprah Winfrey und Barack Obama. Allbirds schloss im Januar die letzten physischen Läden in den USA, nachdem bereits in den Vormonaten ein Großteil der Filialen wegen schwacher Nachfrage aufgegeben worden war. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres meldete das Unternehmen einen Verlust von 20,3 Millionen US-Dollar.Allbirds wurde 2015 von Tim Brown und Joey Zwillinger gegründet und debütierte 2021 an der Nasdaq mit einer Bewertung von etwa 3 Milliarden US-Dollar. Bis zur Bekanntgabe der KI-Wende hatte das Unternehmen rund 99 Prozent seines Marktwertes im Vergleich zum Höchststand von 2021 eingebüßt. Der Verkauf der Schuhsparte für 39 Millionen US-Dollar entspricht nur einem Bruchteil der einstigen Milliardenbewertung. Die Entwicklung vom Silicon-Valley-Liebling zum Beinahe-Kollaps spiegelt die Probleme vieler Direct-to-Consumer-Marken wider, die im Risikokapital-Boom der 2010er Jahre wuchsen, aber keine dauerhafte Kundenbasis aufbauen konnten. Analysten ziehen Parallelen zu Rebranding-Stunts der Blockchain-ÄraMarktbeobachter verglichen die Neuausrichtung von NewBird AI umgehend mit früheren Versuchen, durch Umbenennungen von Trends zu profitieren. Oft zitiert wird die Long Island Iced Tea Corp, die sich 2017 in Long Blockchain umbenannte, woraufhin die Aktie laut Wall Street Journal an einem Tag um 183 Prozent stieg, bevor sie abstürzte und von der Börse genommen wurde. Bruce Winder, ein unabhängiger Einzelhandelsberater, bewertete den Schritt von Allbirds deutlich: „Es wirkt wie der Versuch, Kapital aus dem KI-Hype zu schlagen. Ich sehe nicht, was Allbirds außer dem Bekanntheitsgrad des Namens beizutragen hat.” — Bruce Winder via Reuters Reuters Breakingviews gab zu bedenken, dass NewBird AI in einen Markt eintritt, der von finanzstarken Schwergewichten wie CoreWeave, Microsoft und Amazon dominiert wird. Bloomberg berichtete, dass die Allbirds-Aktie am Mittwoch zeitweise um bis zu 876 Prozent anstieg, bevor sie sich etwas stabilisierte. Die Aktie gehörte zu den meistgehandelten Werten auf der Plattform von Fidelity, was auf eine starke Beteiligung von Privatanlegern hindeutet. Das Wall Street Journal merkte an, dass 2026 bereits andere Firmen ähnliche Versuche unternahmen — etwa ein ehemaliges Karaoke-Unternehmen, dessen Aktie nach einer KI-Ankündigung inzwischen 70 Prozent unter dem Höchststand vom Februar notiert.Allbirds: Vor und nach der KI-Wende: Unternehmensname (before: Allbirds, after: NewBird AI); Kerngeschäft (before: Umweltfreundliche Schuhe, after: KI-Recheninfrastruktur / GPUaaS); Unternehmensstatus (before: Gemeinwohlorientierte Gesellschaft, after: Konventionelles Unternehmen); Marktbewertung (before: Über 4 Mrd. USD (Spitze 2021), after: Ca. 116 Mio. USD (15. April 2026)) 50 Millionen Dollar sind im KI-Sektor nur ein Tropfen auf den heißen SteinDie praktische Umsetzbarkeit der Ziele von NewBird AI stieß auf Skepsis. Analysten bezweifeln, dass 50 Millionen US-Dollar ausreichen, um in einem Sektor zu bestehen, in dem Investitionen in Milliardenhöhe üblich sind. Die New York Times nannte die Summe einen „Tropfen auf den heißen Stein“. Bill Kleyman, Experte für KI-Infrastruktur, bezeichnete den Schwenk als besonders drastisches Beispiel eines Branchentrends. Das Unternehmen argumentiert hingegen, dass Entwickler derzeit erhebliche Probleme hätten, Rechenressourcen für das Training von KI zu erhalten. „Der Anstieg der KI-Adoption hat eine beispiellose strukturelle Nachfrage nach Hochleistungsrechnern geschaffen. NewBird AI soll helfen, diese Lücke zu schließen.” — NewBird AI via The Guardian Reuters Breakingviews räumte ein, dass fundamentale Transformationen gelingen können — wie einst bei Samsung (Getrockneter Fisch) oder Nokia (Gummistiefel) —, warnte jedoch vor mangelnder Erfahrung und Kapital. Die Finanzierung soll im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Die Aktionäre müssen dem vorangegangenen Verkauf des Schuhgeschäfts im nächsten Monat noch zustimmen.

Mentioned People

  • Joey Zwillinger — Współzałożyciel Allbirds, firmy zajmującej się dotychczas sprzedażą obuwia i odzieży, znanej z minimalistycznego designu i zasad ESG.
  • Tim Brown — Współzałożyciel Allbirds, firmy zajmującej się dotychczas sprzedażą obuwia i odzieży, znanej z minimalistycznego designu i zasad ESG.
  • Bruce Winder — Niezależny konsultant branży handlu detalicznego

Sources: 21 articles