Im Prozess gegen einen 41-jährigen Palliativmediziner am Landgericht Berlin I wurden am 44. Verhandlungstag brisante Telefonmitschnitte abgespielt. Der Angeklagte, dem der Mord an mindestens 15 Patienten im Alter zwischen 67 und 94 Jahren vorgeworfen wird, bezeichnete seine Taten darin als „moralisches Handeln mit falschen Mitteln“. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Arzt zwischen Juni 2022 und April 2024 unbefugte tödliche Medikamentenmischungen verabreichte.
Geständnis in Telefonüberwachung
Der Angeklagte beschrieb seine Taten gegenüber seiner Ehefrau als wohlüberlegt und moralisch begründet.
Verdeckung durch Brandstiftung
In 11 von 15 mutmaßlichen Mordfällen soll der Arzt Feuer gelegt haben, um Spuren seiner Taten zu verwischen.
Umfangreiche Ermittlungen
Zusätzlich zu den 15 angeklagten Fällen werden über 70 weitere Verdachtsfälle geprüft, inklusive einer Exhumierung in Kroatien.
Abgehörte Telefongespräche, die im Berliner Mordprozess gegen einen 41-jährigen Palliativmediziner abgespielt wurden, offenbaren, dass der Angeklagte die Tötung von Patienten als „moralisches Handeln mit falschen Mitteln“ beschrieb. Er beharrte darauf, ein „guter Mensch“ zu sein, da er deren Leiden beendet habe. Ein Kriminalbeamter sagte am 44. Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin I aus, dass der Mediziner, der im Prozess bislang schweigt, während der Untersuchungshaft offen mit seiner Ehefrau telefonierte. Der Beamte gab an, sich an den Inhalt von etwa 25 abgehörten Gesprächen zu erinnern. Dem Arzt wird vorgeworfen, mindestens 15 Patienten – 12 Frauen und 3 Männer – durch die Verabreichung nicht genehmigter letaler Wirkstoffkombinationen in deren Wohnungen ermordet zu haben.
Arzt beschrieb Ehefrau Tötungen als „durchdacht“ Der ermittelnde Beamte sagte aus, der Angeklagte habe seiner Frau gegenüber erklärt, er habe nicht „wahllos, sondern wohlüberlegt“ getötet und stets Vorgespräche mit den Patienten geführt. Der Arzt beschrieb den Einsatz von Medikamenten „teils aus therapeutischen Gründen und teils zum Töten“. In einem Fall sprach er davon, einem männlichen Patienten eine Injektion verabreicht zu haben, „damit es schnell geht“, und verwendete dabei den Begriff Euthanasie. In den Aufnahmen sagte er zudem, er töte schon seit langer Zeit; dies bereite ihm keine Freude, erschüttere ihn aber auch nicht, und er würde wieder so handeln. Er räumte „viele forensische Fehler“ ein und äußerte sich verärgert darüber. In einem aufgezeichneten Dialog sagte er: „Ich beschwere mich nur und gestehe Tötungen.” — Angeklagter via Süddeutsche Zeitung Der Beamte merkte an, dass die Gespräche zunächst liebevoll begannen, mit der Zeit jedoch zunehmend strategisch wurden, wobei das Ehepaar beriet, wie Einverständniserklärungen nachträglich erstellt werden könnten. Der Angeklagte gab laut Zeugenaussage an, er sei geübt im Fälschen von Unterschriften.
Brände in 11 Fällen zur Verdeckung der Taten gelegt Laut Anklageschrift war der Mediziner für ein mobiles Palliativteam tätig und verübte die Tötungen bei Hausbesuchen. In 11 der 15 angeklagten Fälle soll er am Tatort Feuer gelegt haben, um Beweismittel zu vernichten. Die Ermittlungen wurden durch einen Brand in einer Wohnung ausgelöst, in der eine 70-jährige Frau tot aufgefunden wurde. Dies führte zur Überwachung des Telefons und schließlich zur Festnahme des Arztes Anfang August 2024. Die Staatsanwaltschaft, unter anderem vertreten durch Staatsanwalt Philipp Meyhöfer, wirft dem promovierten Mediziner Mord aus Heimtücke und anderen niedrigen Beweggründen vor. 15 (Opfer) — Patienten werden in der Anklageschrift als Mordopfer geführt Parallel zum laufenden Verfahren dauern die Ermittlungen in mehr als 70 weiteren Fällen an. Eine weitere Exhumierung ist in Kroatien geplant, wo eine betroffene Frau beigesetzt wurde; das Grab soll Ende April zur Untersuchung geöffnet werden.
Verfahren dauert an, lebenslange Haft möglich Der Prozess läuft seit Juli 2025. Obwohl der Sitzungskalender ursprünglich ein Ende für Mai 2025 vorsah, wird das Verfahren angesichts des 44. Verhandlungstages offensichtlich bis in das Jahr 2026 andauern. Der Mediziner schweigt weiterhin beharrlich zu den Vorwürfen. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Fall rückt die rechtlichen und ethischen Grenzen der Palliativmedizin in Deutschland in den Fokus. Die aufgezeichneten Äußerungen des Angeklagten – wonach die Gesellschaft „noch nicht so weit sei“ und Gesetzesänderungen nötig wären – deuten darauf hin, dass er seine Taten als Beitrag zu einer Debatte über Sterbehilfe ansieht. Die Staatsanwaltschaft hingegen bewertet die Tötungen als Mord aus niedrigen Beweggründen.
Mentioned People
- Philipp Meyhöfer — Prokurator reprezentujący oskarżenie publiczne w procesie.
Sources: 3 articles
- Berliner Palliativarzt vor Gericht: Abgehörte Telefonate belasten Angeklagten im Mordprozess (Berliner Zeitung)
- Kriminalität: Mordprozess: Palliativarzt spricht am Telefon vo Töten (ZEIT ONLINE)
- Mordprozess: Palliativarzt spricht am Telefon vom Töten - WELT (DIE WELT)
- Mordprozess: Palliativarzt spricht am Telefon vo Töten (Süddeutsche Zeitung)