Nach dem verheerenden Brand in der Bar „Le Constellation“ am Silvesterabend 2025 hat die Staatsanwaltschaft Rom die Besitzer Jacques und Jessica Moretti unter förmliche Untersuchung gestellt. Bei der Katastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana kamen 41 Menschen ums Leben, 115 weitere wurden verletzt. Den Beschuldigten werden unter anderem fahrlässige Verursachung einer Katastrophe und mehrfache fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Ermittlungen gegen Besitzer

Die Besitzer des 'Le Constellation' stehen in Rom unter Verdacht der fahrlässigen Tötung und Brandstiftung.

Schwere Sicherheitsmängel

Zeugen berichten von verschlossenen Notausgängen und dem Fehlen jeglicher Brandschutzmaßnahmen.

Justizielle Kooperation

Italien, die Schweiz und Frankreich führen parallele Untersuchungen mit verstärktem Datenaustausch durch.

Die Staatsanwaltschaft Rom hat am Dienstag gegen Jacques und Jessica Moretti, die Besitzer der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Skiort Crans-Montana, förmliche Ermittlungen eingeleitet. Das Ehepaar wird im Register der Tatverdächtigen geführt. Die Vorwürfe lauten auf fahrlässige Herbeiführung einer Katastrophe, mehrfache fahrlässige Tötung, Brandstiftung sowie schwere Körperverletzung, jeweils erschwert durch den Verstoß gegen Unfallverhütungsvorschriften. Dies berichten italienische Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Adnkronos. Die Untersuchung wird von Oberstaatsanwalt Francesco Lo Voi gemeinsam mit dem stellvertretenden Staatsanwalt Giovanni Conzo und dem Staatsanwalt Stefano Opilio koordiniert. Das Feuer brach in der Nacht des 31. Dezember 2025 im Untergeschoss des Lokals aus. Unter den 41 Todesopfern befinden sich nach aktuellem Stand 23 Schweizer, 8 Franzosen und 6 Italiener. Die Ermittler ordneten die Beschlagnahmung der Mobiltelefone von Opfern und Überlebenden an, um den Hergang zu rekonstruieren. An den Leichen der italienischen Opfer wurden zudem Obduktionen durchgeführt.

Zeugenaussagen: Verschlossene Ausgänge und fehlende Anweisungen Die in Rom geführte Ermittlungsakte stützt sich maßgeblich auf Aussagen italienischer Überlebender, die nach wochenlanger Behandlung inzwischen aus Krankenhäusern entlassen wurden. Laut diesen Berichten waren die Notausgänge zum Zeitpunkt des Brandes verschlossen oder versperrt. Im Inneren des Lokals seien keine Anweisungen zur Evakuierung erfolgt, auch Feuerlöscher seien nicht zum Einsatz gekommen. Zeugen gaben zudem an, dass Mitbesitzerin Jessica Moretti während des Brandes geflohen sei, anstatt die Evakuierung zu leiten. Das Feuer breitete sich im Kellergeschoss rasch aus. Die Schweizer Ermittler führen die Entzündung auf Funkenflug von Dekorations-Fontänen zurück, die Schallschutzschaumstoff an der Decke in Brand setzten, da keine feuerhemmenden Materialien verwendet worden waren. Wie das italienische Blatt Il Giornale berichtet, rettete ein 18-Jähriger aus dem Kanton Waadt wiederholt Freunde aus dem Gebäude, bis ihn die Feuerwehr stoppte; er benötigt trotz fehlender physischer Verletzungen psychologische Betreuung.

Schweizer Ermittlungen richten sich gegen neun Personen Parallel zum römischen Verfahren läuft eine strafrechtliche Untersuchung der Staatsanwaltschaft Sitten in der Schweiz. Dort wird gegen neun Personen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst ermittelt. Zu den Beschuldigten gehört Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, der am Montag elf Stunden lang von Schweizer Magistraten vernommen wurde. Féraud gab an, nicht gewusst zu haben, dass die Sicherheitskontrollen im „Le Constellation“ seit 2019 – also sechs Jahre lang – ausgesetzt worden waren. Beide Behörden arbeiten nun im Rahmen einer „verstärkten Kooperation“ zusammen. Die Römer Staatsanwaltschaft erwartet Dokumente aus Sitten, die Staatsanwalt Opilio bereits Ende März vor Ort gesichtet hatte. Im Gegenzug werden die Schweizer Behörden per Rechtshilfeersuchen Akten aus Rom anfordern, darunter Zeugenaussagen und die Ergebnisse der in der Schweiz nicht durchgeführten Autopsien.

Der Brand im „Le Constellation“ in der Silvesternacht 2025/2026 zählt zu den schwersten Katastrophen in europäischen Gastronomiebetrieben der jüngeren Geschichte. Das Feuer traf vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Italien rief im Januar 2026 vorübergehend seinen Botschafter Gian Lorenzo Cornado aus der Schweiz zurück, nachdem die Schweizer Behörden zunächst die Zusammenarbeit und ein gemeinsames Ermittlungsteam abgelehnt hatten. Cornado kehrte erst kurz vor der Bekanntgabe am 14. April nach Bern zurück. Auch die Staatsanwaltschaft Paris eröffnete Anfang Januar 2026 ein eigenes Verfahren über ihre Fachabteilung für Kollektivunfälle, um französische Opfer und deren Angehörige zu unterstützen.

41 (Todesopfer) — Menschen starben bei dem Brand im Le Constellation

Schweiz: 23, Frankreich: 8, Italien: 6

Doppelter Prozess trotz paralleler Verfahren unwahrscheinlich Trotz der Verfahrenseröffnung in Rom halten Rechtsexperten, die von Il Messaggero zitiert werden, einen doppelten Prozess gegen das Ehepaar Moretti in Italien und der Schweiz für unwahrscheinlich. Dies würde zwei identische Verfahren gegen dieselben Beschuldigten mit denselben Opfern bedeuten. Die römischen Ermittlungen wurden auf Basis einer Mitteilung von Botschafter Cornado eingeleitet, was der italienischen Praxis entspricht, Straftaten gegen Staatsbürger im Ausland zu verfolgen. Die Staatsanwaltschaft Paris nutzt ihre Untersuchung vor allem als Mechanismus für den Austausch mit den Schweizer Behörden. Laut Il Giornale ist derzeit nicht geplant, die Morettis in Rom vorzuladen. Die drei parallelen Untersuchungen in Rom, Sitten und Paris verdeutlichen die internationale Tragweite der Katastrophe, die Sicherheitsstandards und die kommunale Aufsicht in den Fokus rückt.

Mentioned People

  • Jacques Moretti — Właściciel baru Le Constellation w Crans-Montana
  • Jessica Moretti — Właścicielka baru Le Constellation w Crans-Montana
  • Francesco Lo Voi — Prokurator Generalny Republiki w Rzymie od 2021 roku
  • Stefano Opilio — Włoski prokurator zaangażowany w śledztwo dotyczące Crans-Montana
  • Giovanni Conzo — Zastępca prokuratora zaangażowany w rzymskie dochodzenie
  • Nicolas Féraud — Francuski prezenter i producent telewizyjny pracujący dla France Télévisions od 2008 roku
  • Gian Lorenzo Cornado — Ambasador Włoch w Szwajcarii

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