
Volkswagen-CEO ruft zu Einheit auf, während der Autobauer 50.000 Stellenstreichungen und Werksüberprüfungen gegenübersteht
Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume rief die Belegschaft auf, die Umstrukturierungspläne zu unterstützen, während der Konzern rund 50.000 Stellenstreichungen prüft und Standorte in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm überprüft.
Führungsappell zur Restrukturierung
Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat die Belegschaft aufgerufen, sich hinter die umfassenden Unternehmensreformen zu stellen, während die globale Automobilbranche mit starken operativen Gegenwinden zu kämpfen hat. In einem Interview mit der Bild am Sonntag beschrieb Blume die weltweite Automobilindustrie als in einer schweren Krise, die durch geopolitische Verschiebungen, Handelshemmnisse, regulatorische Auflagen, schwache Verbrauchermärkte und intensiven internationalen Wettbewerb verursacht wird. Bereits im August 2026 warnte Blume, dass der Autobauer dringend strukturelle Eingriffe benötige, und bezeichnete die operative Lage als mehr als kritisch. Die derzeitige operative Umsatzrendite des Unternehmens liegt bei 3,8 % – ein Wert, den das Management als unzureichend ansieht, um ausreichend Kapital für die langfristige Fahrzeugentwicklung und neue Softwaretechnologien zu generieren. Blume stellte fest, dass der Konzern überdimensioniert, langsam und zu komplex geworden sei.
Die kommenden Wochen sind entscheidend: Jeder muss an einem Strang ziehen. Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgestellt.
Overhead-Abbau und Stellenstreichungen
Um den finanziellen Druck zu bewältigen, prüft der Vorstand Kosteneinsparungen im Overhead, die weltweit rund 50.000 Arbeitsplätze betreffen könnten. In einem Mitte Juli 2026 im unternehmenseigenen Intranet veröffentlichten Interview erklärte Blume, dass Volkswagen im Vergleich zu Wettbewerbern einen Overhead-Kostennachteil von rund 20 % habe. Da Personalkosten die Hälfte der Overhead-Kosten ausmachen, entspricht die Schließung dieser Lücke ohne Lohnänderungen theoretisch einem Abbau von etwa 50.000 Stellen weltweit. Die Arbeitnehmervertreter forderten vor den Betriebsferien detaillierte Angaben zu den Sparzielen und möglichen Entlassungen. Mehrere deutsche Produktionsstandorte, darunter die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, werden überprüft, während das Management die betriebliche Effizienz und Werkskapazitäten untersucht.
- Aktuelle Umsatzrendite
- 3.8 %
- Von der IG Metall genanntes Ziel
- 9 %
Außerordentliche Betriebsversammlungen
Die Unternehmensführung wird sich im Rahmen einer Reihe außerordentlicher Betriebsversammlungen in deutschen Fertigungszentren direkt der Belegschaft stellen. Blume plant, am Dienstag, den 25. August 2026, an der Betriebsversammlung in Wolfsburg teilzunehmen und anschließend am Mittwoch, den 26. August 2026, zu den Sitzungen in den Werken Emden und Zwickau zu reisen. Diese Zusammenkünfte folgen auf wochenlange interne Debatten über Standortsicherheit und Kostenvorgaben in den Markenbereichen.
- Oliver Blume skizziert potenziellen Abbau von 50.000 Stellen in internem Interview
- Blume verweist auf dringenden Handlungsbedarf und unzureichende Umsatzrendite von 3,8 %
- Christine Benner kritisiert 9-Prozent-Renditeziel als unrealistisch
- Blume appelliert in Bild-am-Sonntag-Interview an die Einheit der Belegschaft
- Außerordentliche Betriebsversammlung in Wolfsburg geplant
- Außerordentliche Betriebsversammlungen in Emden und Zwickau geplant
Gewerkschaftlicher Widerstand und Arbeitskonflikte
Die vorgeschlagenen Kürzungen stoßen auf Widerstand der organisierten Arbeitnehmerschaft und fallen mit Meinungsverschiedenheiten über die deutschen Arbeitszeiten in der Automobilindustrie zusammen. Christine Benner, Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall und stellvertretende Vorsitzende des Volkswagen-Aufsichtsrats, wies die langfristigen Rentabilitätsziele des Unternehmens zurück. Benner bezeichnete den Plan des Vorstands, eine operative Marge von 9 % zu erreichen, unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen als realitätsfern, während die Gewerkschaft die geplanten Einschnitte als Ohrfeige für die Beschäftigten bezeichnete.
Wie soll der Volkswagen-Konzern unter den derzeitigen geopolitischen Bedingungen eine operative Umsatzrendite von neun Prozent erreichen?
Der Streit hat auch die Diskussion über die üblichen Arbeitszeiten im deutschen Industriesektor neu entfacht. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, dass die 35-Stunden-Woche in der aktuellen Wirtschaftslage überholt sei. Der Gewerkschaftsvertreter Rösler lehnte Forderungen nach einer Erhöhung der tariflichen Arbeitszeit ab und wies darauf hin, dass Schichtarbeiter in Zwickau bereits häufig 39 oder mehr Stunden pro Woche durch Zusatzschichten leisten, und warnte davor, dass eine Erhöhung der vertraglichen Stunden den Personalbedarf senken und zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führen würde.


