
Friedrich Merz drängt Bundeskabinett zur beschleunigten Umsetzung der Wirtschaftsreformen nach der Sommerpause
Bundeskanzler Friedrich Merz rief die Minister dazu auf, Steuer-, Renten- und Deregulierungsmaßnahmen zügig umzusetzen – vor einer Klausur des Kabinetts auf Schloss Neuhardenberg.
Wirtschaft im Fokus der Klausur in Neuhardenberg
Bundeskanzler Friedrich Merz hat das schwarz-rote Bundeskabinett aufgefordert, die vor der parlamentarischen Sommerpause vereinbarten wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu beschleunigen. Der Kanzler setzte die Agenda vor einer zweitägigen Klausur des Kabinetts, die für Dienstag und Mittwoch auf Schloss Neuhardenberg im Land Brandenburg geplant ist. Merz erklärte, die Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung der heimischen Beschäftigung blieben die Kernprioritäten seiner Regierung. Das Treffen bringt Bundesminister von CDU und SPD zusammen, um das Regierungshandeln abzustimmen. Gegenüber der Bild am Sonntag betonte Merz, seine Regierung werde sich darauf konzentrieren, den Unternehmen – insbesondere dem Handwerk, den Gewerbetreibenden und den kleinen und mittleren Unternehmen – schnell und umfassend Entlastung zu verschaffen.
In Deutschland geht es um Wachstum und Beschäftigung. Das ist das wichtigste Thema. Also volle Konzentration darauf, den Ball im Auge behalten.
Prioritäre Maßnahmen und Gesetzespaket
Das angestrebte Maßnahmenpaket umfasst Steuerpolitik, die gesetzliche Rente, bürokratische Deregulierung und die Digitalisierung der Verwaltung. Vor der Sommerpause hatte die Koalition das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz und das Gebäudeenergiegesetz, das neue Regelungen für Heizungen einführte, durch Bundestag und Bundesrat gebracht. Im Koalitionsausschuss einigten sich CDU und SPD auf zusätzliche Steuersenkungen für kleine und mittlere Einkommen ab 2027 sowie auf Änderungen im Arbeitsrecht und weitere Bürokratieentlastungen für Unternehmen. Die Bundesregierung verpflichtete sich zudem, die Empfehlungen der Rentenkommission zur Stabilisierung der langfristigen Vorsorge vollständig umzusetzen.
Wir haben vor der Sommerpause historische Entscheidungen getroffen. Jetzt müssen sie so schnell wie möglich umgesetzt werden.
- Parlament verabschiedet Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz und Gebäudeenergiegesetz
- Koalitionsausschuss einigt sich auf Steuerentlastungsrahmen für 2027 und Arbeitsmarktderegulierung
- Friedrich Merz drängt in Bild-am-Sonntag-Interview auf zügige Umsetzung der Politik
- Minister beraten auf Schloss Neuhardenberg über Wirtschafts- und Klimapolitik
- Geplanter Beginn der Steuerentlastungen für Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen
Widerstand aus den eigenen Reihen und von den Ländern
Die bundespolitischen Vorhaben stoßen auf zunehmenden Widerstand von Wirtschaftsverbänden, der parlamentarischen Opposition und Mitgliedern von Merz' eigener konservativer Partei. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer kündigte an, er werde die geplanten Renten- und Pflegereformen im Bundesrat ablehnen, wenn die Gesetze dort zur Abstimmung kämen. Die Weigerung aus Dresden birgt potenzielle legislative Reibungen für die Koalition, da für mehrere strukturelle Bestandteile die Zustimmung der Länderkammer erforderlich ist. Merz wies Forderungen zurück, die vor der Sommerpause getroffenen Vereinbarungen neu zu verhandeln, und erklärte, die Koalition werde weder externem noch innerparteilichem Druck nachgeben.
Die Bundesregierung lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen, wir wissen, was richtig und gut für das Land ist. Wir lassen uns nicht verunsichern.
Klimaresilienz auf der Kabinettsagenda
Neben der industriellen Wettbewerbsfähigkeit und den gesetzlichen Reformen wird die Klausur in Neuhardenberg auch die Anpassung an den Klimawandel im Inland behandeln. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille gab bekannt, dass das Kabinett über Bundesprogramme zum besseren Schutz vor extremer Hitze und anderen Folgen des Klimawandels beraten werde. Die Minister werden während der zweitägigen Sitzung in Brandenburg neben den wirtschaftspolitischen Beratungen auch koordinierte Gesundheits- und Infrastrukturpläne prüfen. Die Koalition will auf der Klausur ihren Gesetzesfahrplan für den Herbst finalisieren und die verbleibenden Gesetzesentwürfe für das parlamentarische Verfahren vorbereiten.


