
USA erheben 50% Zölle auf kanadische Waren nach Scheitern bilateraler Handelsgespräche
Washington verhängte in der Nacht zum Samstag 50%ige Zölle auf kanadische Importe, nachdem eine 72-stündige Verlängerung ohne Einigung abgelaufen war. Ottawa kündigte daraufhin gleichwertige Vergeltungsmaßnahmen an und setzte die Gespräche aus.
Scheitern der Verhandlungen
Die Handelsgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada endeten in der Nacht zum Samstag, den 22. August 2026, ohne Einigung. Der kanadische Premierminister Mark Carney bestätigte, dass die Verhandlungen ausgesetzt wurden, und wies die kanadischen Unterhändler an, sofort nach Ottawa zurückzukehren. Das Scheitern folgte auf das Auslaufen einer 72-stündigen Verlängerung, die US-Präsident Donald Trump am Dienstag gewährt hatte. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte, Kanada habe sich geweigert, die Bedingungen abzuschließen, und habe zusätzliche Forderungen gestellt, die das in früheren Gesprächen erreichte Gleichgewicht verändert hätten. Carney entgegnete, die von Washington in letzter Minute vorgeschlagenen Änderungen seien unfair und wirtschaftlich nicht tragbar, und betonte, Kanada werde kein Abkommen unter einem willkürlichen Zeitdruck akzeptieren.
Umfang der Zölle und Vergeltungsmaßnahmen
Die neu erlassenen Maßnahmen sehen einen Zoll von 50 % auf kanadische Importe im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar vor, wobei einige Schätzungen bis zu 28 Milliarden US-Dollar reichen. Die Abgaben richten sich gegen ein breites Spektrum kanadischer Konsum- und Industriegüter, darunter Wein, Käse, Möbel, Bekleidung, Zement, medizinische Holzspatel und Eishockeyschläger. Erstmals gelten die Strafzölle auch für Importe, die unter das United States-Mexico-Canada-Abkommen (USMCA) fallen, das kanadische Exporteure zuvor vor gezielten Handelsabgaben geschützt hatte. Premierminister Carney erklärte, Kanada werde Vergeltungszölle in gleicher Höhe erheben, um einheimische Arbeitnehmer und Unternehmen zu schützen. Mehrere kanadische Provinzen haben bereits amerikanische alkoholische Getränke aus den Einzelhandelsregalen entfernt und Kampagnen gestartet, die die Verbraucher zum Kauf einheimischer Produkte ermutigen.
- Die Vereinigten Staaten kündigen 50%ige Zölle auf kanadische Importe mit einer 30-tägigen Umsetzungsfrist an.
- Donald Trump gewährt eine 72-stündige Aussetzung der Zölle, um die Fortsetzung der bilateralen Verhandlungen zu ermöglichen.
- Die Verhandlungen scheitern über Nacht; die 50%igen US-Zölle treten zusammen mit kanadischen Vergeltungszöllen in Kraft.
Pipeline-Forderungen und sektorale Reichweite
Die Spannungen verschärften sich während der Gespräche aufgrund erneuter US-Forderungen zur Keystone-XL-Pipeline. Das Pipeline-Projekt, das Rohöl von Alberta zu Raffinerien am Golf von Mexiko transportieren sollte, wurde 2021 von den Betreibern und der Regierung von Alberta nach anhaltendem rechtlichen Widerstand von Umweltgruppen offiziell aufgegeben. Das Weiße Haus rechtfertigte die Zölle mit dem Hinweis auf angeblich diskriminierende kanadische Praktiken gegenüber amerikanischen Autos, Milchprodukten und Alkohol. Die Maßnahmen bauen auf bestehenden US-Einfuhrzöllen auf, die in den letzten 18 Monaten auf kanadischen Stahl, Aluminium, Holz und die Automobilindustrie erhoben wurden. Andreas Schotter, ein Professor, der den Streit analysiert, beschrieb die breiteren Auswirkungen auf die kanadische Industrie.
Frühere Zollrunden konzentrierten sich stark auf Stahl, Aluminium, Automobile und Holz. Diese Runde weitet den Streit auf kleinere Hersteller, Konsumgüter, Einzelhändler und Baustofflieferanten aus.
Handelsvolumen und wirtschaftliche Auswirkungen
Die betroffenen Waren machen etwa 5 % der jährlichen kanadischen Exporte in die Vereinigten Staaten aus, was den Druck auf eine Wirtschaft erhöht, die bereits mit sektoralen Gegenwinden zu kämpfen hat. Im Jahr 2025 erreichten die gesamten US-Warenimporte aus Kanada 383 Milliarden US-Dollar (etwa 330 Milliarden Euro). Die neuen Zölle betreffen etwa 17 Milliarden Euro (20 Milliarden US-Dollar) dieses Handelsstroms und weiten den Streit über Rohstoffe hinaus auf den Einzelhandel und die Verbrauchersektoren aus. Die bilateralen Beziehungen haben sich auch nach wiederholten Äußerungen Trumps verschlechtert, die andeuteten, Kanada sollte der 51. US-Bundesstaat werden. Beide Regierungen bestätigten, dass keine weiteren Verhandlungsrunden geplant seien.
- Gesamte Importe 2025
- 383 Mrd. USD
- Von neuen Zöllen betroffen
- 20 Mrd. USD


