
UNO und Rotes Kreuz fordern verbindlichen Vertrag zur Einschränkung autonomer Waffen
UN-Generalsekretär António Guterres und IKRK-Präsidentin Mirjana Spoljaric riefen die Regierungen auf, vor einem Gipfeltreffen im November in Genf einen rechtsverbindlichen Vertrag zur Regulierung autonomer Waffen auszuhandeln.
Gemeinsamer Aufruf zu verbindlichen Beschränkungen
UN-Generalsekretär António Guterres und die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, gaben am Dienstag eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie einen rechtsverbindlichen Vertrag zur Regulierung autonomer Waffensysteme forderten. Die beiden Führungspersönlichkeiten riefen die Regierungen dazu auf, klare Verbote und Beschränkungen für Waffen zu erlassen, die Ziele auswählen und ohne menschliches Eingreifen tödliche Gewalt anwenden können. Ihre Initiative erneuert einen Appell aus dem Jahr 2023, der die internationale Gemeinschaft aufforderte, bis 2026 Verbote zu verabschieden – ein Ziel, das in den folgenden drei Jahren kaum konkrete Fortschritte brachte. Bei der Verlesung der Erklärung in Genf betonte UN-Sprecherin Alessandra Vellucci, dass sich die Militärtechnologie rasant weiterentwickle und zunehmenden Druck auf die internationalen Rechtsstrukturen ausübe. Guterres und Spoljaric betonten, dass die Kluft zwischen technischen Fähigkeiten und normativen Beschränkungen größer geworden sei, wodurch die Zivilbevölkerung zunehmend gefährdet werde.
Wir sind jetzt gefährlich nah daran, eine moralische rote Linie zu überschreiten: Die autonome Zielerfassung von Menschen durch Maschinen.
Betriebsrisiken und moderne Konflikte
Der erneute Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes von Drohnen und algorithmischen Werkzeugen in aktiven Konflikten in der Ukraine, im Nahen Osten und im Sudan. UN-Materialien verwiesen auf unbestätigte Berichte über den Einsatz von Systemen der künstlichen Intelligenz auf Kampfdrohnen, darunter einen gemeldeten Angriff am Montag, bei dem eine Drohne in der Ukraine drei Menschen tötete. Laurent Gisel, Leiter der Abteilung für Waffen und Kriegsführung beim IKRK, erklärte auf einer Pressekonferenz in Genf, dass autonome Systeme das Risiko von zivilen Opfern und der Zerstörung von Infrastruktur erhöhen. Während von internationalen Gremien konsultierte Experten bestätigen, dass bisher keine bestätigten Vorfälle von vollständig autonomen Waffen, die direkt Menschen angreifen, dokumentiert wurden, warnten Beamte davor, dass automatisierte Tötungsentscheidungen das menschliche Urteilsvermögen aus der Kriegsführung entfernen. Die Erklärung bekräftigte, dass autonome Systeme kein fernes theoretisches Konzept mehr seien, da ein Wettlauf um mehr Autonomie bereits im Gange sei.
- UNO und IKRK geben gemeinsamen Appell heraus, der Verbote autonomer Waffen bis 2026 fordert.
- UNO und IKRK geben erneute Erklärung heraus, die einen rechtsverbindlichen Vertrag fordert.
- Siebte CCW-Überprüfungskonferenz tritt in Genf zusammen, um sich mit autonomen Waffen zu befassen.
Diplomatische Sackgasse und Bedenken der Ingenieure
Multilaterale Beratungen über tödliche autonome Waffen werden seit etwa zehn Jahren im Rahmen des Übereinkommens der Vereinten Nationen über bestimmte konventionelle Waffen (CCW) fortgesetzt. Eine spezielle Gruppe von Regierungsexperten hat sich regelmäßig in Genf getroffen, um internationale Rahmenwerke zu bewerten, doch die Regierungen haben sich nicht auf verbindliche Beschränkungen einigen können. Führende Militärmächte, darunter die Vereinigten Staaten, Russland und Israel, haben sich konsequent gegen formelle Verträge zur Einschränkung der autonomen militärischen Entwicklung ausgesprochen. Guterres und Spoljaric argumentierten, dass politischer Mut erforderlich sei, um von schrittweisen diplomatischen Konsultationen zu entschlossenem internationalem Handeln überzugehen. Sie fügten hinzu, dass Informatiker und Ingenieure, die diese Technologien entwickeln, selbst Alarm geschlagen und vor einem uneingeschränkten Einsatz gewarnt hätten.
Wenn die Architekten dieser Technologie nach Grenzen rufen, können sich die Staaten nicht leisten, passiv zu bleiben.
Weg zur Genfer Konferenz im November
Diplomaten und staatliche Delegationen sollen sich nächste Woche in Genf zu einer weiteren Gesprächsrunde treffen, bevor im November die siebte CCW-Überprüfungskonferenz stattfindet. Guterres und Spoljaric bezeichneten das Novembertreffen als den klarsten verfügbaren Weg für die Regierungen, formelle Verhandlungen über einen internationalen Vertrag aufzunehmen. Die gemeinsame Erklärung betonte, dass dieses Jahr einen Wendepunkt markieren müsse, bevor diese Waffen außerhalb der regulatorischen Kontrolle verbreitet werden. Die Führungspersönlichkeiten warnten, dass ein Mangel an schnellem und entschlossenem Handeln unweigerlich Menschenleben kosten und das humanitäre Völkerrecht schwächen werde. Sie erinnerten die Staatsführer an ihre Verantwortung, die heutige Bevölkerung vor bewaffneten Konflikten zu schützen und sicherzustellen, dass künftige Generationen kein unreguliertes automatisiertes Schlachtfeld erben.

