Regierung · Budapest

Ungarn öffnet Akten der kommunistischen Geheimpolizei – und räumt falschen Eintrag eines früheren Vizepräsidenten des Parlaments ein

Die Akten gingen am 4. November online, mit den Namen von 50.000 bis 60.000 früheren Informanten. Bis zum 5. November war ein früherer Vizepräsident des Parlaments, Sándor Lezsák, fälschlich als Agent geführt worden; die Behörde sprach von einem technischen Fehler.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von Observador, rmf24.pl, Deutsche Welle und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

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Kurz gefasst

Budapest · Ungarn
Wie es dazu kam
  1. 4.11.Datenbank und Akten gehen um 10:00 Uhr Ortszeit online
  2. 5.11.Magyar entschuldigt sich auf Facebook für den falschen Eintrag zu Sándor Lezsák
  3. 25.02.Frist für die zweite Serie von Akten zu rund 9.000 Informanten

Das Archiv geht online

Ungarns Regierung hat am Mittwoch, dem 4. November 2026, ab 10:00 Uhr Ortszeit die Akten der Geheimpolizei aus der kommunistischen Ära für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Portal des Historischen Archivs des Staatssicherheitsdienstes (Abtl) bietet Akten, Karteikarten, Register und Magnetbänder und erlaubt es Bürgerinnen und Bürgern, nach ihren eigenen Vorfahren zu suchen. Ministerpräsident Péter Magyar, 45, sagte, die Veröffentlichung erfülle eines der zentralen Versprechen der Wende von 1990 – ein Versprechen, das später aufgegeben worden sei. Der Zeitpunkt fiel mit dem 70. Jahrestag der sowjetischen Niederschlagung des Aufstands von 1956 zusammen. Magyar hatte die Freigabe vor den Parlamentswahlen im April, die er gegen Viktor Orbán gewann, zu einem Wahlversprechen gemacht und am 31. Oktober auf Facebook angekündigt, die Akten würden am 4. November veröffentlicht.

Die Datenbank enthält die Namen und Akten von 50.000 bis 60.000 früheren Informanten. Einige der aufgeführten Namen sind nicht zwingend Informanten, da es sich in manchen Fällen um Personen handelt, die das Regime beobachtete. Eine zweite Serie mit genaueren Angaben zu rund 9.000 dieser Informanten soll bis zum 25. Februar 2027 folgen, nachdem bestimmte Informationen, darunter die sexuelle Orientierung, entfernt wurden. Der Archivdirektor Bendegúz Gergő Cseh sagte, viele Akten aus den späten 1970er und den 1980er Jahren seien unvollständig, weil diese Personen während des Übergangs zur Demokratie noch aktiv gewesen seien.

Ein falscher Eintrag und eine Entschuldigung

Bis Donnerstag, den 5. November, war der Fehler bekannt geworden. Sándor Lezsák, ein früherer stellvertretender Parlamentspräsident, Mitbegründer des Ungarischen Demokratischen Forums und langjähriger Fidesz-Abgeordneter, erschien in der Datenbank als Mitarbeiter. Lezsák protestierte, er sei von den kommunistischen Diensten überwacht worden und habe nie für sie gearbeitet. Die ABTL erklärte, sein Name sei versehentlich online gestellt worden, weil seine Akte ihn als überwachte Person führe. Magyar entschuldigte sich am Donnerstag auf Facebook und schrieb, er habe Lezsák vor der Veröffentlichung des Eintrags telefonisch nicht erreichen können. Cseh übernahm in einem Fernsehinterview die Verantwortung und erklärte, Agentenakten enthielten häufig überwachte Personen und einige davon seien versehentlich in die öffentliche Datenbank geraten. Er sagte, Lezsáks Eintrag sei entfernt worden, und die Prüfung der übrigen Namen laufe weiter.

Politische Folgen

Fidesz reagierte scharf. Fraktionschef János Bóka forderte, die Website abzuschalten, bis klar sei, wer Informant und wer nur Opfer von Überwachung gewesen sei. Zudem verlangte er die Entlassung von Kulturminister Zoltán Tarr, der die ABTL beaufsichtigt. Tarr hoffte, die Veröffentlichung könne eine langfristige Aussöhnung ermöglichen, indem sie vergangene Geheimnisse ans Licht bringe. Sein Vater erscheint in den Dokumenten, doch offizielle Bestätigungen besagen, dass er nie Agent war. Der frühere Ministerpräsident Viktor Orbán, über den Gerüchte zu Verbindungen zur Geheimpolizei kursiert hatten, erklärte in einer am Dienstag, dem 3. November, veröffentlichten Stellungnahme, er habe die Zusammenarbeit verweigert, als man zu Beginn seines Wehrdienstes an ihn herangetreten sei. Er fügte hinzu, er, seine Frau und seine Kollegen seien ständig überwacht und Ziel geheimer Untersuchungen des Parteistaats gewesen. Magyar rief die Bürger auf, mit den Dokumenten würdevoll und menschlich umzugehen, und warnte, viele Familien würden mit schwierigen Informationen über ihre eigene Geschichte konfrontiert.

Was die Akten zeigen

Cseh sagte, die meisten Informanten seien vermutlich Personen ohne öffentliches Profil gewesen, etwa Traktorfahrer, Kneipenwirte oder Weber, obwohl im Register auch einige öffentliche Figuren identifiziert würden, darunter Politiker, Geistliche und Fernsehpersönlichkeiten. Die Regierung plant Hotlines mit psychologischer Unterstützung für Menschen, die von den Enthüllungen betroffen sind. Hintergrund ist eine sowjetische Invasion am 4. November 1956, die den antikommunistischen Aufstand niederschlug, gefolgt von Jahrzehnten der Diktatur. Eine teilweise Freigabe gab es in den 1990er Jahren, als das Parlament 1994 das Agentengesetz verabschiedete, das Überprüfungen von Regierungsmitgliedern, Abgeordneten und bestimmten Beamten vorschrieb. Ab 1997 konnten Bürger ihre eigenen Akten einsehen, 2003 wurden die Zugangsrechte ausgeweitet. Laut dem Portal Telex stimmten Fidesz-Abgeordnete nach 2010 mehr als 30 Mal gegen eine Öffnung der Archive, und der erste postkommunistische Ministerpräsident, der Konservative József Antall, hatte die Idee abgelehnt.

Frühere Informanten in der Datenbank und in der zweiten SeriePersonen
Datenbank, unterer Wert
50000 Personen
Datenbank, oberer Wert
60000 Personen
Zweite Serie, vollständigere Akten
9000 Personen

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