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Wahlen·vor 3 Std.

Peru-Stichwahl: Keiko Fujimori könnte Roberto Sánchez überholen – EU-Beobachter kritisieren langsamen Auszählungsprozess

Bei 96 Prozent ausgezählter Stimmen liegt der Linke Roberto Sánchez im engsten Präsidentschafts-Stichwahlkampf Perus mit einem Vorsprung von 0,11 Punkten vor der rechten Kandidatin Keiko Fujimori. Meinungsforscher und Mathematiker erwarten nun, dass Auslands- und Reststimmen das Rennen zugunsten Fujimoris kippen.

Hauchdünner Vorsprung

Bei 96 Prozent ausgezählter Stimmen der Stichwahl vom Sonntag führt Roberto Sánchez von Juntos por el Perú mit 50,05 Prozent gegenüber 49,94 Prozent der populistisch-rechten Kandidatin Keiko Fujimori – ein Unterschied von rund 20.000 Stimmen bei knapp 18 Millionen abgegebenen Stimmen. Die minimale Differenz hat Fujimoris Erwartungen gedämpft und auf der linken Seite Triumphgefühle geweckt, die an Pedro Castillos Sieg 2021 mit einer ähnlich knappen Stimmenzahl erinnern.

Es ist wahrscheinlich, dass sich die jetzt sichtbaren Zahlen umkehren werden. Wir müssen auf 100 Prozent der Stimmen warten.

Peru-Stichwahl: aktueller vs. prognostizierter Stimmenanteil · %
Sánchez (aktuell, 96%)
50.05 %
Fujimori (aktuell, 96%)
49.94 %
Sánchez (prognostiziert endgültig)
49.98 %
Fujimori (prognostiziert endgültig)
50.02 %

EU-Beobachter loben Ordnung, kritisieren schleppende Auszählung

Europäische Wahlbeobachter bezeichneten die Abstimmung am Sonntag als friedlich und gut organisiert, trotz vereinzelter Zwischenfälle und stundenlanger Verzögerungen bei der Öffnung einiger Wahllokale in Lima aufgrund fehlenden Personals. Die Leiterin der EU-Mission, die italienische EU-Abgeordnete Annalisa Corrado, lobte die Wahl- und Auszählungsverfahren, warnte jedoch davor, dass sich hinziehende Ergebnisverkündungen das Misstrauen der Bevölkerung schüren.

Die Organisation der Wahlen war angemessen. Der Wahltag verlief in einer ruhigen und geordneten Atmosphäre, wenn auch mit einigen vereinzelten Zwischenfällen, und die EU-Beobachter bewerteten die Wahl- und Auszählungsprozesse positiv.

Wir sind besorgt über die Langsamkeit des Wahlprozesses bei der Verkündung der Ergebnisse, die, anstatt Sicherheit zu gewährleisten, ein Klima größeren Misstrauens und Unbehagens in der Bevölkerung schafft. Das ist etwas, das verbessert werden kann.

Mathematik deutet auf Fujimori-Comeback hin

Der mathematische Modellierer Renzo Núñez prognostiziert ein noch knapperes Endergebnis von 50,02 Prozent für Fujimori und 49,98 Prozent für Sánchez. Experte Mauricio Saravia stimmt dem zu und argumentiert, dass die verbleibenden Auslandsstimmen sowie ein erwartet starkes Abschneiden Fujimoris bei diesen Stimmen eine Umkehr nahezu sicher machen. Sánchez’ einzige wirkliche Hoffnung, so Saravia, liegt in der Region Cusco und darin, Fujimoris Vorsprung im Ausland zu begrenzen.

Es bleibt höchstwahrscheinlich, dass das Gesamtergebnis enger wird und kippt, wenn mehr Stimmen aus dem Ausland eingehen. Sánchez setzt praktisch nur noch Hoffnungen auf Cusco und darauf, dass Fujimori im Ausland nicht so viele Stimmen bekommt wie erwartet. Eine Umkehr ist fast unmöglich zu verhindern.

Von Betrugserzählung überschatteter Wahlkampf

Corrado hob hervor, dass die Zeit zwischen dem ersten Wahlgang am 12. April und der Stichwahl von einer „anhaltenden Betrugserzählung“ vergiftet war – angestachelt vom rechtsextremen Ex-Kandidaten Rafael López Aliaga und befeuert durch logistische Probleme bei der Verteilung des Wahlmaterials im ersten Wahlgang. Auch die verzögerte Verkündung der Ergebnisse des ersten Wahlgangs lastete auf dem Wahlkampf zur zweiten Runde, der von geringer Intensität und Fällen von Rassismus und Diskriminierung gegenüber dem linken Ticket geprägt war.

Wir sind zuversichtlich, dass die Verzögerung bei den Ergebnissen dieses Mal keine Betrugsreden anheizen wird.

Was als Nächstes kommt

Zwei echte Hürden bleiben. Zunächst sollte die offizielle Auszählung etwa 98,4 Prozent der Stimmen erreichen; dann müssen die sogenannten „actas observadas“ – Wahllokalprotokolle mit Unstimmigkeiten, die nicht elektronisch verarbeitet werden können – vom Nationalen Wahlgericht geklärt werden. Sollte sich die erste Phase hinziehen, wie es nach dem ersten Wahlgang im April der Fall war, könnte sie sich mit der zweiten überschneiden und die Unsicherheit verlängern.

Zeitleiste der peruanischen Wahlen 2026
  1. Erster Wahlgang von logistischen Problemen und verzögerten Ergebnissen geplagt
  2. Wahlkampf zur zweiten Runde von Betrugserzählung und Diskriminierung überschattet
  3. Stichwahl in geordneter Atmosphäre mit vereinzelten Zwischenfällen abgehalten
  4. EU-Beobachter loben Verfahren, kritisieren jedoch langsame Ergebnisverkündung
  5. Offizielle Auszählung soll ~98,4% erreichen; actas observadas an das Nationale Wahlgericht gesendet
Lima

2 Quellen

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